LACRIMAS PROFUNDERE - How To Shroud Yourself With Night

Artikel-Bild
VÖ: 26.08.2022
Bandinfo: LACRIMAS PROFUNDERE
Genre: Gothic Metal
Label: SPV / Steamhammer
Hören & Kaufen: Amazon
Lineup  |  Trackliste  |  Credits

Ist es wirklich schon 27 bzw. 25 Jahre her, dass ich andächtig dem LACRIMAS PROFUNDERE Debüt ("...And The Wings Embraced Us", 1995) und dem Zweitwerk ("La naissance d'un rêve", 1997) gelauscht und die gotisch-metallischen, dunkel-melancholischen Klänge genossen habe? Wie doch die Zeit vergeht...

Auch die beiden Nachfolge-Scheiben, "Memorandum" (1999) und "Burning: A Wish" (2001) stehen noch in meiner Sammlung. Doch Anfang der 2000er habe ich die Traunsteiner etwas aus den Augen verloren, und im Lauf der Jahre verlor sich ihre Spur. Umso schöner ist es, dass die Truppe um Axtschwinger, Bandgründer und seit 1993 einziges beständiges LACRIMAS PROFUNDERE-Mitglied Oliver Nikolas Schmid nach wie vor aktiv ist. Der Griff zur Promo für ein erneutes Rendezvous mit der Band war daher natürlich keine Frage. Um auf den neusten Stand zu kommen, habe ich das Vorgänger-Album "Bleeding The Stars" vor dem Schreiben dieser Rezension ebenfalls einer intensiven lauschtechnischen Tiefenprüfung unterzogen, und jetzt kann es losgehen.

"How To Shroud Yourself With Night" ist das zweite Album mit Fronter Julian Larre am Mikro, und Bandkopf Schmid täte gut daran, an dieser Besetzung auch zukünftig nichts zu ändern. Denn Julian ist mit seiner grandiosen Stimme und dem sehr variablen Gesang ein echter Gewinn für LACRIMAS PROFUNDERE. Doch auch die beiden aktuellen Neuzugänge, Ilker Ersin am Bass und Dominik Scholz am Schlagzeug, machen ihre Sache richtig gut, so dass man der Band nur wünschen kann, diese Konstellation möge diesmal länger von Dauer sein als sonst bei den Bayern üblich.

Beste Voraussetzungen also, eine erstklassige Veröffentlichung zustande zu bringen, und in der Tat lassen LACRIMAS PROFUNDERE auf "How To Shroud Yourself With Night" nichts anbrennen. Stilistisch äußerst vielseitig, abwechslungsreich und auch überraschend kommt der aktuelle Rundling daher. Weite Teile der Musikpresse sind sich einig, dass das dunkelmetallische Quartett anno 2022 wie eine Mischung aus PARADISE LOST und HIM anmutet. Nun, der Rezensent sieht das doch ein wenig anders oder zumindest differenzierter.

Parallelen zu und Gemeinsamkeiten mit den beiden vorgenannten Combos sind in dem ein oder anderen Stück natürlich nicht von der Hand zu weisen. Wenn aber wie in "In A Lengthening Shadow" oder "An Invisible Beginning" die Goth Rock-Karte gespielt wird, scheinen auch die ebenfalls in Finnland beheimateten THE 69 EYES dezent in den Melodien und in der Stimmfarbe von Julian durch. Aber vor allem lassen die regelrecht als Melodic Death Metal-Tracks durch gehenden Nummern aufhorchen, die in bester (wir bleiben im Land der 1000 Seen) INSOMNIUM / OMNIUM GATHERUM-Manier aus den Boxen melancholieren. Dazu zählen bereits der Opener "Walls Of Gloom" und noch wesentlich intensiver "To Disappear In You", in dem Julian sich durch den Song kreisch-growlt und nebenbei aber auch noch eine exzellente Klargesangsleistung abliefert.

Weiterhin scheuen LACRIMAS PROFUNDERE auch nicht, moderne Elemente in ihre Musik einzubauen. So kann man "The Curtain Of White Silence" und "Unseen" mit Fug und Recht als Melodic Goth Metalcore bezeichnen. Das Stück ist direkt am Puls der Zeit, ohne die Wurzeln von LACRIMAS PROFUNDERE zu verleugnen. "Nebula" hingegen kleidet den klassischen Dark Rock in ein härteres, metallisches Gewand.

Fazit:

Unterm Strich ist "How To Shroud Yourself With Night" ein wirklich großartiges Album geworden, das zu keiner Sekunde auch nur den Ansatz von Langeweile oder Eintönigkeit aufkommen lässt. LACRIMAS PROFUNDERE sind sich ihrer Trademarks bewusst, kombinieren diese aber mit neuen, spannenden Ideen und verleihen so den einzelnen Stücken immer wieder neue Facetten und bis dato so nicht gekannte Nuancen. Der Sound ist ebenso erstklassig, wie das Songwriting, die musikalische und die gesangliche Umsetzung. Alles in allem also eine runde Sache.



Bewertung: 4.0 / 5.0
Autor: Ernst Lustig (09.09.2022)

WERBUNG: Hard
ANZEIGE