LONG DISTANCE CALLING - Eraser

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VÖ: 26.08.2022
Bandinfo: LONG DISTANCE CALLING
Genre: Post-Rock
Label: earMusic
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Lineup  |  Trackliste

Sommerzeit – Urlaubszeit. Entspannungsbedingte Abwesenheiten haben manchmal zur Folge, dass das eine oder andere Album nicht ganz zum Relaese-Datum besprochen werden kann. Beim neuen Werk von LONG DISTANCE CALLING ist das der Fall. Nichtsdestotrotz ist die Veröffentlichung aber zu gewichtig, um sie unter den Tisch fallen zu lassen. Deshalb hier ein paar Gedanken zu "Eraser".

Das Münsteraner Prog-Instrumental-Quartett blickt nun auch schon auf 16 Jahre Bandgeschichte zurück, und "Eraser" markiert das achte Full-Length-Album. Wie meistens bei LDC, steckt ein Konzept hinter der Veröffentlichung. War es beim Vorgänger "How Do We Want To Live" der Mensch und die Technik, so ist es hier der Mensch und seine Ausbeutung der Natur respektive Tierarten, die vom Aussterben bedroht sind. Jede Nummer ist einer bestimmten Tierart gewidmet. Das Konzept des Vorgängers hatte den Einsatz von Synth-Samples und weiteren elektronischen "Bits 'n Pieces" zur Folge, "Eraser" verfolgt einen anderen Ansatz. Um die Naturverbundenheit auch musikalisch auszudrücken, wurden keinerlei Samples oder Ähnliches verwendet. Alles wurde von echten Musikern an echten Instrumenten eingespielt. 

Die neun Songs entfalten jeder für sich eine ganz eigene Stimmung und Atmosphäre. "Kamilah", ist etwa dem Gorilla gewidmet. Es beginnt zart, melancholisch. Man vernimmt ein paar Trommeln im Hintergrund. Später nimmt man mit kraftvollen und satten Riffs Fahrt auf. Am Ende wird es noch mal melancholisch und episch. Ruft man sich die Idee des Albums oder des Tracks in Erinnerung, fügt sich nochmals eine neue Ebene hinzu, und man sieht förmlich den einsamen Gorilla im Gras sitzen, umgeben von immer weniger Artgenossen.

Diese Verknüpfung mit dem "echten Leben" und damit, was man täglich in Bezug auf das Artensterben mitbekommt, verleiht "Eraser" eine besondere Brisanz und Kraft. LDC schaffen es wie kaum eine andere Band, nur durch die Instrumente Geschichten zu erzählen und den Hörer/die Hörerin in ihren Bann zu ziehen. Das Songwriting ist auf höchstem Niveau, und man vermisst zu keiner Zeit die Vocals.

Ein besonderes Schmankerl ist das sehr gefühlvolle Saxophon, das Jørgen Munkeby auf "Sloth" beisteuert. Es unterstützt den Song hervorragend und harmoniert wunderbar mit dem Rest der Band. "Sloth" schleicht ganz langsam in die Gehörgänge und nimmt sich Zeit. Sicher ein besonderes Stück innerhalb der LDC-Diskographie.

FAZIT: Wie eigentlich immer bei LDC ist es müßig, einzelne Songs vor den Vorhang zu holen. Es gibt in jedem etwas zu entdecken. Mal geht es knackig und straight voran, wie bei "Giants Leaving", mal geht es bewusst ruhig zu Sache. "Eraser" ist eine Wundertüte im besten Sinn des Wortes. Wenn man auch nur im Entferntesten Post-Rock/Prog-Rock-affin ist, ist "Eraser" Pflicht. LONG DISTANCE CALLING fügen ihrer ohnehin schon mit großartigen Alben gespickten Diskographie ein weiteres Highlight hinzu.



Bewertung: 4.5 / 5.0
Autor: Hans Unteregger (14.09.2022)

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