HEART ATTACK - Negative Sun

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VÖ: 10.06.2022
Bandinfo: HEART ATTACK
Genre: Thrash Metal
Label: ATOMIC FIRE RECORDS
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Lineup  |  Trackliste  |  Credits

Noch nie gehört und ich weiß nicht warum. Atomic Fire Records waren an der französischen Küste von Cannes Bands fischen und haben HEART ATTACK ins Boot geholt. Laut Label sind die so groovy wie MACHINE HEAD und thrashy wie MEGADETH und die frühen METALLICA zusammen – mit der Aussage haben sie nicht einmal so unrecht.

Wenn man in den Opener „Septic Melody“ mal reinschnuppert, riecht das Gitarrensolo angenehm nach Kirk Hammetts Fingerkünsten, wohingegen „Wings Of Judgement“ zur Sorte der etwas neueren Spielweise gehört. Das Solo stinkt nach Rob Flynns technisch versierten Flatulenz-Ausstößen, von denen sich auch der Rhythmusgitarrist eine Nase gegönnt hat. Sie mixen den Sound von alten und neuen Thrash-Bands und spritzen ihren eigenen Stilduft in die Musik hinein, den jedes Lied an sich trägt, nur der Track „Negative Sun“ riecht am strengsten danach. Die Gitarren klingen tight, sind on point und knallen nicht nur episch, sondern auch brutal ins Ohr.

In „Negative Sun“ stecken all ihre Frustration und Wut drinnen, die sich zu Beginn der globalen Krise aufgestaut haben. Damit wird das Album zum brutalsten in ihrer Diskografie. „Twisted Sacrifice“ schlägt ein wie eine Bombe, die die Welt zum Erschüttern bringt. Kurz vor dem explosiven Schreianfall des Gesangsduos Ribeiro und Geyer bereitet der Schlagzeuger mit einem Doublebassgewitter die Ohren darauf vor, was kommt – die Bombe schlägt ein, es wird kurz still, dann folgt der gewaltige Knall. 

In der Coronazeit durchlebt man vielerlei an Emotionen: Hass, Wut, aber auch Trauer und Freude. Die Musik spiegelt die damalige Gefühlsage der Band wider. Dabei kommt es zu genreuntypischen Überschneidungen, wie in „Jesus Knows Me“. Das Lied ist ein Cover der amerikanischen Popband GENESIS, deren Musik seit Jahrzehnten im Radio rauf- und runtergespielt wird. HEART ATTACK haben es metallisiert, mit verzerrten Gitarren und Shoutings, und dennoch ist die Umsetzung weniger genial. Dafür stimmt es mit der Message des Albums hervorragend überein. In der Religionsfrage positionieren sich die Franzosen weder auf der gut-christlichen noch auf der bös-satanischen, sondern eher auf der agnostischen Seite.

„Negative Sun“ setzt sich mit der Dunkelheit, die dem Menschen innewohnt, auseinander. Manchmal blitzt auch ein humorvoller Freudenstrahl durch die sonst so düster gestalteten Lieder. Stellt euch vor, man sitzt im Lockdown vorm Fernseher und zappt durch die Kanäle aus Langeweile. Auf einmal stößt man auf eine Live-Übertragung eines TV-Priesters, der von Gott und dem Himmel redet und im gleichen Atemzug die Zuschauer um Spenden anbettelt. GENESIS haben auf zynische und ironische Weise ein Lied geschrieben, wie scheinheilig solche TV-Priester sind – genau die Meinung vertreten HEART ATTACK ebenfalls.
 
HEART ATTACK haben ein Händchen für Powerriffs und bleiben ihrer agnostischen Linie treu, die sie bereits dem Debüt „Stop Pretending“ klargestellt haben. „Negative Sun“ stellt ihre bisher brutalste musikalische Ausdrucksweise dar, und es ist schön zu hören, dass sie diesen Weg eingeschlagen haben. Von der stilistischen Kombo, von hart bis weich, bin ich nicht so überzeugt, nur das beschränkt ausschließlich auf den Bonustrack. Die Band besitzt Potenzial, das europäische Pendant zu MACHINE HEAD zu werden – darum wundert es mich umso mehr, warum man von HEART ATTACK noch nicht so viel mitbekommen hat. Vielleicht wird sich das, mit Atomic Fire Records im Nacken, ändern, und wir werden die französischen Herrschaften bald auf österreichischen Bühnen begrüßen können. Can´t wait to see them live!



Bewertung: 4.0 / 5.0
Autor: Julian Dürnberger (15.09.2022)

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