OZZY OSBOURNE - Patient Number 9

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VÖ: 09.09.2022
Bandinfo: OZZY OSBOURNE
Genre: Metal
Label: Epic Records
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Lineup  |  Trackliste

OZZY OSBOURNE ist weiter unkaputtbar. Was hat der Gute nicht alles mitgemacht in den letzten Jahren: Parkinson, Corona, Knochenbrüche, Tour-Absagen – und dennoch haut er gute zwei Jahre nach dem letzten Album "Ordinary Man" schon wieder ein neues Album heraus.

War die letzte Scheibe schon ein "Who Is Who", was die prominenten Gäste angeht, so ist "Patient Number 9" noch einmal eine Steigerung. Neben der Rückkehr von Zakk Wylde (auf gleich vier Stücken zu hören) geben sich u.a. auch sein alter BLACK SABBATH - Kumpel Tony Iommi, Jeff Beck und auch (surprise!) Eric Clapton die Ehre. Am Bass pumpt METALLICAS Robert Trujillo und an den Kesseln hört man neben RHCP-Drummer Chad Smith auch noch einmal Taylor Hawkins (R.I.P.).

Ist das Ganze nun als "Namedropping deluxe" zu werten oder auch musikalisch gehaltvoll? Zweiteres kann ganz klar mit einem "JA" mit Ausrufezeichen bewertet werden! Gab es zu "Ordinary Man" doch auch etwas kritische Stimmen, die die etwas poppige Grundausrichtung des Albums beklagt haben (u.a. mit Rap-Einlagen), so geht der Patient hier doch aufrecht und hartgesotten durch das gesamte Album.

Basierend auf einem fiktiven (?) Klinikinsassen, handelt es sich um ein textlich loses Konzeptwerk, das mit den besten OZZY-Songs seit "No More Tears" vor über dreißig Jahren aufwartet. Und da schließe ich das letzte BLACK SABBATH-Opus "13" mit ein.

Das mit einem längeren Intro (direkt aus dem Kliniktrakt!) versehene Titelstück ist mit gut sieben Minuten gleich ein richtiges Brett, zwar durchaus etwas poppig ausgerichtet, was Jeff Beck mit einem sensationellen Solo aber wieder wettmacht. Leider – und das ist einer der wenigen wesentlichen Kritikpunkte für mich – ist der Sound alles andere als gut. Das Schlagzeug klingt sehr verwaschen und dünn und die Rhythmus-Gitarren irgendwie synthetisch. Zieht sich leider durch das gesamte Album. 

Hauptsache aber sind die Songs an sich und die stimmen. "Immortal" mit PEARL JAMs Mike McCready ist ein straighter Rocker mit knochentrockenem Main-Riff. OZZYs Gesang – nun ja, da wurde wohl sicherlich im Studio alles rausgeholt, er klingt sehr gut aber wohl auch etwas technisch "aufgepeppt", kaum zu glauben, dass er so auch live singen könnte.

 

"Parasite" ist die langersehnte "Reunion" von OZZY mit Zakk Wylde, der hier glücklicherweise seine nervig pfeifenden Pinch Harmonics komplett stecken lässt. Ein schön straighter Rocker, der auch auf "No Rest For The Wicked" hätte stehen können.

Bei "No Escape From Now" ist erstmals auf eine OZZY-Soloscheibe überhaupt sein alter SABBATH-Kumpan Tony Iommi zu hören. Und was soll man sagen – das Stück steckt alles, was auf der letzten BLACK SABBATH-Scheibe "13" enthalten war, locker in die Tasche. Gegen Ende steigert sich der im typischen SABBATH-Takt gehaltene Song dann sogar noch zu einer speedigen Nummer. Hammer!

Eric Clapton wollte auch endlich mal wieder etwas rocken, und das kann er auf dem anfangs balladesk beginnenden und an AEROSMITHs "Dream On" erinnernden "One Of Those Days" zur Genüge. Der in letzter Zeit leider etwas verschwurbelte Gitarrero liefert schicke bluesige Fills und ein grandioses Solo. Der hitverdächtige Refrain tut sein Übriges. Klasse!

"A Thousand Shades" ist einer der ruhigeren Momente auf "Patient Number Nine" im Stile von "Mama I'm Coming Home". Hier veredelt wieder Jeff Beck an der Axt das Lied.

"Mr. Darkness" hat einen Touch von "Diary Of A Madman", entwickelt sich – unterstützt von Zakk – im Refrain zu einem brettharten Metal-Track. Ein weiterer von vielen Höhepunkten des Albums.

 

Auch die nächsten beiden Songs beinhalten die brillante Wylde'sche Gitarrenkunst: "Nothing Feels Right" hat einen sehr zugänglichen Refrain, in den Versen eher ruhig gehalten. Eines der Stücke, welches erst nach mehrfachem Hören zünden will. "Evil Shuffle" beginnt erneut mit einem BLACK SABBATH-Erinnerungs-Riff, ehe der Track sich dann locker-flockig bis zum Ende "shuffled". Nicht der beste Song aber dennoch gut.

Tony Iommis zweiten Auftritt gibt es auf "Degredation Rules", auch hier haucht wieder der schwere "Schwarze Sabbath" durch die Lautsprecher. Der Riffmaster zieht alle Register, und es gibt sogar eine Mundharmonika zu hören. 

Mit einem coolen Bass-Riff wird "Dead And Gone" eingeleitet, einer der wenigen poppigen Songs, aber noch immer mit genügend Härte und einem hitverdächtigen Refrain.

Die bombastische Stadionballade "God Only Knows" schließt das tolle Album mächtig ab, hier sieht man geradezu die Handytaschenlampen im Konzert hin- und herwiegen. "Darkside Blues" ist lediglich ein Outro, kein "richtiger" Song und gab es bereits schon als Japan-Bonustrack der "Ordinary Man"-Scheibe.

Fazit: OZZY OSBOURNE liefert hier auf seine alten Tage tatsächlich seine beste Scheibe seit Jahrzehnten ab. Auch wenn es Stimmen gibt, die besagen, dass er lieber seine wohlverdiente Rente genießen sollte und er nur noch Sharons Goldesel sei (was sicher zu einem gewissen Grad auch stimmen mag) so straft er doch diejenigen Lügen, die ihn schon abgeschrieben haben. "Patient Number 9" ist – mit wenigen Abstrichen, insbesondere was den Sound angeht, ein Hammer-Album geworden. Angesichts OZZYs Gesundheitszustand nahezu sensationell. Bleibt zu hoffen, dass man ihn 2023 wirklich noch einmal auf einer Tournee erleben darf.



Bewertung: 4.5 / 5.0
Autor: Martin Weckwerth (19.09.2022)

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