STRATOVARIUS - Survive

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VÖ: 23.09.2022
Bandinfo: STRATOVARIUS
Genre: Progressive Power Metal
Label: earMusic
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Lineup  |  Trackliste

Nachdem uns STRATOVARIUS in sehr regelmäßigen Abständen mit neuem Material versorgt haben, mussten wir nun eine Pause von etwa sieben Jahren in Kauf nehmen. Der letzte Longplayer "Eternal" erschien im Jahre 2015 und zwischendurch gabs nur eine Art Best Of mit ein paar neuen Songs. "Survive" erblickt nun 2022 endlich das Licht der Welt und dabei fällt eines erstmal (negativ) auf: Was ist das bitte für ein hässliches Artwork? Wer hat das so abgesegnet? Es sieht völlig nichtssagend aus und ist in meinen Augen auch künstlerisch sehr spartanisch umgesetzt worden. Wenn ich betrachte, wie wunderschön in Relation dazu die Artworks zu den vier Singles sind, so muss ich mich doch fragen, wieso DAS hier das Artwork des Longplayers geworden ist? Der Titeltrack "Survive" ist zum Beispiel als erste Vorab-Single rausgehauen worden und hat ein weitaus schickeres Artwork spendiert bekommen. Ein Tausch und alles wäre super gewesen... Sei's drum, am Ende geht es ja im Kern darum, was drinsteckt.

Der Titeltrack macht den Anfang und geht in klassischer STRATOVARIUS Manier nach vorn. Die Strophen bauen Stück für Stück Druck auf und münden in einen mitsingtauglichen Refrain, der simpel daherkommt, mir aber durchaus Spaß bereitet. Gerade wenn man mal darauf achtet, wie viele Details sich im Hintergrund verbergen (Synthies, Chor etc.), wirkt das Ganze durchaus imposant. "Demand" ist ebenfalls ein STRATO Song der ersten Güte und markiert den typischen und modernen Power Metal Sound, den die Finnen anstreben. Die druckvollen Strophen erzeugen eine gute Energie, während die Bridge kurz das Tempo rausnimmt, um uns in die spaßige Hook zu befördern, die mit ordentlichem Tempo glänzt. "Broken" erinnert eher an die aktuelle Ära der Finnen und wirkt etwas vertrackter. Der stampfende Sound wird von atmosphärischen Synthies getragen und führt uns in einen wunderschön vorgetragenen Refrain seitens Timo Kotipelto. Zugegeben: Der Song braucht zu Beginn etwas Zeit, um sich komplett zu entfalten, doch gerade das Keyboardsolo sollte jedem Fan einen dicken Gänsehaut Moment bescheren. Jens Johansson ist ein verdammtes Genie! Ich muss gestehen, dass ich von den Singles (Titeltrack ausgenommen) kein großer Fan bin, denn "World On Fire" als auch "Firefly" wirken extrem repetitiv und bieten einfach keinen Mehrwert in meinen Augen. Es sind zwei Songs, die im Gesamtumfang des Albums nicht zu negativ ins Gewicht fallen, die für sich genommen aber extrem schnell in Vergessenheit geraten. "Frozen In Time" (aktuelle Single) spielt zumindest mit Chor und einigen Tempowechseln, bietet dazu noch eine dichte Atmosphäre und ein paar spannende Parts. Auch hier ist es eher die Hook, die austauschbar wirkt, aber das ist in Relation zur Länge des Songs zu verschmerzen, der eben woanders seine Stärken hat. Warum "Glory Days" nicht wenigstens eine der vier Singles geworden ist, will mir nicht in den Kopf. Dieser Song ist quasi die Blaupause von DEM STRATOVARIUS Album überhaupt mit "Infinite". Wenn das Ding keine Hommage an alter Zeiten sein soll, dann fress' ich 'nen Besen. Uptempo pur, majestätischer Refrain und schlichtweg classic STRATO. 

Die wirklichen Highlights begegnen uns aber mit "We're Not Alone", "Breakaway", "Before The Dawn" und dem grandiosen Longtrack "Voice Of Thunder". Diese vier Songs sind die prägenden Songs der Scheibe, die allesamt einzigartig daherkommen und dem Hörer einen Mehrwert bieten, den zwei der vier Singles eben nicht zu bieten wussten. Schon ironisch, dass STRATOVARIUS die besten Songs des Albums als Singles ignoriert hat. Ich habe durchaus einige sorgenvolle Kommentare von Fans gelesen, was die Singles angeht, da sich in deren Augen eine gewisse "Langeweile" einzustellen scheint. Bei "Firefly" und "World On Fire" stimme ich unweigerlich zu, aber lasst euch gesagt sein, dass "Survive" als Gesamtwerk absolut grandios ist und die vier eben genannten Songs liefern den besten Grund dafür. "We're Not Alone" bietet tolle Synthies, die sich als Wurm ins Ohr schleichen, der durch die grandiose Hook nur noch tiefer zu kriechen scheint. "Breakaway" ist ungelogen die BESTE Ballade, die die Finnen je geschrieben haben, täuscht mit dem akustischen Beginn "When The Mountains Fall" vibes vor, nur um dann in eine unvergleichlich fette Hook zu explodieren, was das Ganze eher zu einer Powerballade macht. "Before The Fall" begattet uns mit wuchtigem Chor, druckvollem Sound und einem epischen Refrain, der jeden im wahrsten Wortsinn umhauen wird. Die aggressiven Strophen werden schnell vorgetragen, während die Hook wieder die epische Intro-Melodie aufgreift und sich in unsere Gehörgänge frisst. "Voice Of Thunder" ist zwar nicht die beste Ballade der Finnen, dafür aber sehr wohl der beste Longtrack (und die Jungs haben echt verdammt viele starke Longtracks) der Bandhistorie. Der balladeske Beginn erzeugt ein fast schon bedrückendes Gefühl, das in der Folge von wuchtigem Riffing gepaart mit virtuosen Keyboard-Parts aufgeweicht wird. Die Strophen haben wieder einen eher aggressiven Touch inne, während die Hook Melodic Power Metal vom Feinsten ist. Die Melodiebögen, die Timo hier rausschmettert, lassen mich feucht werden in allen Körperöffnungen. Ein absoluter Meilenstein!

"Survive" ist nicht perfekt und die Anordnung der Setlist zwingt den Hörer auch quasi dazu, sich erst durch den schwachen Teil der Songs zu kämpfen – zumindest größtenteils. Doch was am Ende zubuche steht, da würden viele Bands aus dem Genre immer noch viel Geld für hinlegen, wenn ihnen solche Songwriting Skills in die Wiege gelegt würden. Allein der Longtrack macht dieses Werk erneut zu einer einzigartigen Erfahrung, die ihresgleichen sucht. So bin ich also trotz der eher schwachen Singles sehr versöhnlich gestimmt, auch wenn es diese sind, die die Höchstnote leider verhindern. Das STRATOVARIUS trotzdem daran kratzen, das sagt schon SEHR viel über das restliche Songmaterial aus...



Bewertung: 4.5 / 5.0
Autor: Sonata (20.09.2022)

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