THE ENIGMA DIVISION - The Enigma Division

Artikel-Bild
VÖ: 27.01.2023
Bandinfo: THE ENIGMA DIVISION
Genre: Melodic Death Metal
Label: Eigenproduktion
Hören & Kaufen: Amazon
Lineup  |  Trackliste  |  Credits

Vorweggenommen sei gesagt, die hier zu besprechende Band, die ihren Erstling aus den Tiefen ihrer Gehirnwindungen bis hin zu Fuß- und Handenden quetschte, stammt von der Grünen Insel. Nein, nicht Grönland, Irland.  
Wer könnte besser den Sound von The ENIGMA DIVISION beschreiben als deren Gitarrist Conor McGouran?

„It’s become a sound we refer to as “Tech-Noir” as it incorporates our love for atmospheric 80’s synth music, film score and science fiction combined with extremely groove laden heavy riffs.“

Das Paradoxe am Opener "1977" ist, dass wir es hier mit einer pseudoorchestralen Studie zu tun haben. Getragen wird der Sound durch ein sehr interessant eingesetztes Keyboard, unterstützt durch Synthesizer, bzw. orchestrale Elemente, die aus einem elektronischen Kastl entweichen. Es wird ein Raum eröffnet, als würden intergalaktische Einheiten die Erde unter Beschuss nehmen wollen. Im letzten Drittel trifft Unterstützung in Form von Gitarre, Bass und Schlagzeug ein. Zugegebenermaßen ist der Sound sehr interessant, gleichermaßen gelungen.

The Escapist“ offenbart gut gereiftes Riffing und ja, ich muss wie immer etwas zum Keyboard schreiben, weil, wie es aussieht, Progressive Metal ohne dieses nicht auskommen will und THE ENIGMA DIVISION weiß dieses vorzüglich zu akzentuieren. Weiter sei angemerkt, es muss nicht immer Growling sein. Der Gesang ist mittelprächtig, fügt sich allerdings bedingungslos in dieses Klangspektrum ein. Alle Instrumente sind vorzüglich austariert und aufeinander abgestimmt.

Echoes Of The Deep“: Beginnt, wie der Titel bereits suggeriert, mit programmmusikartigen Gitarrengeräuschen aus dem Off, worauf ein tatsächlich wuchtiges Gitarrenriff folgt, um das alle Raumschiffe, Verzeihung, Instrumente gut gruppiert wurden. Hier werden Lieder offenbart, die nicht so schnell auf einen biergetränkten Untersetzter gekritzelt werden. Wow, die Gitarrenarbeit, fährt ein wie ein D-Zug. Es folgen tatsächlich Salven, die sehr an PANTERA erinnern. Großartiges Lied, das vor Ideen und Abwechslungsreichtum nur so strotzt.

Afterglow“ bietet more of the same von ausgezeichnetem Metal. Weil wir Halbzeit haben: Es wurde bis jetzt kein Kritikpunkt eingebracht. Das einzige, was von meiner Warte zu bemängeln wäre, ist womöglich der Sound, der ab und an etwas dünn klingt. Stellenweise wurde Single-Coil-Gitarren eingesetzt und ich finde, die passen nicht so richtig zu Metal-Sound und Tech Noir, wie die Band ihren Stil nennt, dieser müsste auf fetten Sound setzen. 

Bemerkenswert an „The Age Of Discovery“ finde ich, dass wir es hier mit wunderbaren, harten, Metal-Riffs zu tun kriegen, wobei im Hintergrund ein Keyboard Akkorde anstimmt und es hört sich an, als würde wir hier zwei Tempi voranschreiten. Was die Gitarrensoli betriff, verhält es sich ähnlich. Kontrapunkt am Arsch, Ladies and Gentleman.

Bei „Kaleidoscope“ ist es der Gesang, der anhört, als würde er zu einem anderen Lied in einer anderen Geschwindigkeit gehören, zumindest stellenweise. Trotz des Titels ist „Kaleidoscope“ das unspektakulärste Lied dieser Langrille. Die Effektgeräte haben hier eine Menge beizutragen. Gut, kann man mögen.

Clarity“ intoniert wie ein 80er Pop/Rock-Song, was ich fast ein wenig witzig finde. Der Song ist nicht der stärkste dieses Scheibe, das Niveau ist allerdings so hoch, dass diese Kritik ebenfalls oberhalb der Gürtelline ausfallen muss. Vor allem das geile Bass-Solo gibt dem Lied starken Drive.

Beim letzten Liedchen angelangt, „1977-ad infinitum“, in, ähm, sehen meine ungläubigen Äugelein recht, in 19:52 Minuten, wird eine intergalaktische Zusammenkunft der Sonderklasse in den Äther geschossen. Ein Intro, das langsam, in sechseinhalb Minuten aufgebaut wird, ein Zitat, ich denke eines Astronauten, Astrophysikers, oder so, ein wunderbares mehrminütiges Solo, da frohlockt das Gitarrero-Herzerl, es folgen sehr abgespacte metallurgische Geplänkel, der intergalaktischen Art. Um es mit Nachdruck zu erläutern, diese Band arbeitet das Keyboard großartig in ihre sehr speziellen Klangkaskaden ein.

Fazit: THE ENIGMA DIVISION sind eine Band, die nicht so nebenbei gehört werden kann, bzw. kann schon, andererseits sind die Ausarbeitungen zu interessant, um nicht genau hinzuhören. Kurz gesagt, die Band hat mich mehr als überzeugt. Für einen Erstling, gut, die Band-Mitglieder, hatten bereits Kommandos auf diversen Schiffen der Sternenflotte, ist das Seiende famos. Hoffe, diese Iren irren nicht und werden uns weiterhin mit ihren Klangspektren malträtieren und ich meine das im positivsten Sinne, den ich meinen kann.



Bewertung: 4.5 / 5.0
Autor: Richard Kölldorfer (20.01.2023)

WERBUNG: Hard
ANZEIGE