TWILIGHT FORCE - At The Heart Of Wintervale

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VÖ: 20.01.2023
Bandinfo: TWILIGHT FORCE
Genre: Power Metal
Label: Nuclear Blast GmbH
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Lineup  |  Trackliste

TWILIGHT FORCE sind mit ihrem Debüt seinerzeit direkt durchgestartet und konnten relativ fix eine fette Fanbase aufbauen, die nach jedem Werk direkt nach dem nächsten gelechzt hat. Mit dem Besetzungswechsel an den Vocals, wo Christian Eriksen durch Alessandro Conti (TRICK OR TREAT) ersetzt wurde, erblickte 2019 "Dawn Of The Dragonstar" das Licht der Welt und in der Zwischenzeit wurde es bedenklich ruhig um die Mannen. Knapp vier Jahre später erreicht uns mit "At The Heart Of Wintervale" endlich der vierte Longplayer der sympathischen Fantasy Power Metal Kombo. Allein das imposante Artwork weiß sofort zu begeistern und erzeugt einen bestimmten "Hunger" nach epischen Power Metal Tracks. Etwas stutzig machte mich die Tracklist, die "nur" acht komplett neue Songs aufgeführt hat, was nach so langer Abstinenz etwas dürftig wirkt, doch sei's drum. Wir ziehen los!

Der Opener präsentiert uns quasi einen Titel benannt nach der Band selbst und das dieser höchstepisch daherkommen würde, das war schätzungsweise abzusehen. Uptempo Power Metal der ersten Güte gespickt mit epischen Melodien und Vocals. Was will man mehr? Wer dem Trademark Sound von TWILIGHT FORCE etwas abgewinnen kann, der wird seinen Spaß mit der Nummer haben. Die ganz große Überraschung oder Innovation bleibt beim Opener aus, doch wäre es auch fahrlässig gewesen, den Hörer beim ersten Song seit knapp vier Jahren mit irgendwelchen Neuerungen zu überfordern, die diese Art von Metal sowieso nicht zwingend braucht. Der Titeltrack setzt im Prinzip genau da an, wo der Opener aufgehört hat. Fette Orchestrationen, epischer Gesang, der immer wieder von dickem Chor ergänz und aufgewertet wird und im allgemeinen ein Songwriting, das im Fantasy Power Metal Bereich keine Wünsche offen lässt. Ob es etwas berechenbar wirkt? Ja, nach wie vor, doch wo TWILIGHT FORCE drauf steht, da ist eben auch TWILIGHT FORCE drin. Man schaue sich Gimmick Bands wie SABATON oder POWERWOLF an, die sich fast noch mehr limitieren und einen unglaublichen Erfolgsmarsch hinlegen konnten, der bis heute anhält. 

"Dragonborn" ist mein persönliches Highlight auf der Platte. Allein das von Violinen getragene Intro ist so herzerwärmend und schön, dass mein kleines Power Metal Herz höher schlägt. Im Vergleich zu den ersten beiden Songs geht's vom Tempo her auch etwas gediegener zu und die Hook driftet beinahe in poppige Gefilde ab mit dem Beat. Da diese fröhliche cheesy Form des Power Metals ohnehin oft als weichgespült wahrgenommen wird, ist das Pop-Genre natürlich ohnehin nicht weit. Für mich zweifelsohne ein sehr gelungener moderner Power Metal Song, der den Fantasy Touch mit poppigen Elementen aufweicht. "Highlands Of The Elder Dragon" sprengt dann die 10-Minuten-Marke und nimmt im Intro definitiv Disney-Ausmaße an. Find ich's geil? Oh ja! Hier wird mit wunderschönen Orchestrationen und Piano-Klängen bereits die Hook angeteast und natürlich darf eine Erzählerstimme zu Beginn ebenfalls nicht fehlen...     Es wird richtig dick aufgetragen und alles ausgepackt, was das kitschige Power Metal Repertoire so hergibt! Dennoch vermögen es TWILIGHT FORCE, das Ganze auch in 10 Minuten kompakt zu halten und nie die Spannung zu verlieren. Charmant, kitschig, aber vor allem schön! "Skynights Of Aldaria" packt dann in der Hook die Blastbeats aus, klingt dabei aber natürlich trotzdem zahm wie das letzte Einhorn. "A Familiar Memory" ist leider nur ein kurzes Intermezzo, das schon Mal einen Vorgeschmack auf den Bonus Track "The Sapphire Dragon Of Arcane Might Is Back Again" liefert, wo Gitarrist Aerendir zu hören ist, der das Ganze in eine Akustikversion umgemünzt hat, die ansonsten aber originalgetreu daherkommt. "Sunlight Knight" möchte dann nochmal etwas Frisches einbringen mit dem spaßigen Mittelteil á la Karibik. Ein wunderbarer Ohrwurm, der den ein oder anderen Nerd sogar noch mehr ansprechen sollte. Das süße Video in Videospiel 3D-Optik kann ich euch nur wärmstens ans Herz legen! "The Last Crystal Bearer" ist dann zum Abschluss der zweite Longtrack der Platte, der eine ordentliche Portion an Dramatik einstreut, dabei aber etwas druckvoller als der erste Longtrack wirkt. Die Orchestrationen sind wieder on point und die Struktur des Songs bietet genug Raum für Entdeckungen, wobei die catchiness nie abhanden kommt!

"At The Heart Of Wintervale" hätte für mich eine der GANZ großen Nummern des Power Metals werden können, wenn wir das Jahr 2023 betrachten, doch die gerade Mal sieben neuen Songs lassen mich am Ende etwas unbefriedigt zurück, zwei Longtracks hin oder her. Die hatte "Heroes of Mighty Magic" auch und kam dennoch ohne Intro, Midtro etc. auf 12 volle Songs. Nach knapp vier Jahren empfinde ich sieben neue Songs als sehr dürftig und das werten auch die Bonustracks mitnichten auf. Das vorhandene Songmaterial ist brillant und macht genau das, was ich von TWILIGHT FORCE erwarte, aber unterm Strich ist es mir schlichtweg zu wenig! Zwei Songs mehr hätten es durchaus sein dürfen und daher gibt es am Ende leider Abzüge in der B-Note, auch wenn mir die vorhandenen Tracks besser gefallen, als das Debüt mit Conti an den Vocals. Schade. Da war mehr drin! 



Bewertung: 4.0 / 5.0
Autor: Sonata (21.01.2023)

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