Marusha - Heat

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VÖ: 16.11.2007
Bandinfo: Marusha
Genre: Electro
Label: Motor Music
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Lineup  |  Trackliste  |  Credits

Vor 14 Jahren galt MARUSHA noch als die weibliche Ikone der Technoszene. Wer erinnert sich nicht mit Schaudern an die grauenhafte Vergewaltigung von „Somewhere over the Rainbow“, oder an ihre grün gefärbten Augenbrauen. Nun sind Techno, Love Parade und auch MARUSHA schon längst von anderen Trends abgelöst worden, doch das deutsche Privatfernsehen sorgt schon dafür, dass die nationalen Helden niemals vergessen werden. Also hat man MARUSHA für eine der letzten Staffeln des Unformats Popstars wieder ausgegraben, wo sie als Jurymitglied Teenager zum weinen bringen durfte.

Passend zu diesem epochalen Ereignis erscheint natürlich prompt ihr neues Album „Heat“, zu dessen Songs sich die Möchtegern-Stars von Morgen in der Fernsehshow bereits einen abtanzen mussten. Und da man mit stumpfen Kindergartentechno heute kaum noch groß die Charts stürmen kann (außer man heißt SCOOTER), hat sich MARUSHA von ihrem Produzenten Dany Nussbaumer einen moderneren Sound verpassen lassen, der sogar ein alternatives Publikum ansprechen soll. Dieses platzt bereits vor Neugier, und kann es sicher kaum erwarten, was ihnen die Dame so anzubieten hat.

Da wären einmal die entspannten Nummern mit gehauchtem Sprechgesang („Heat“, „Sweat“, „I thought it was Love“), die mehr als unauffällig am Hörer vorüberziehen, sowie die flotten Feger („Kick it“, „What I say“, „Sexfunkybody“), die sich am Electroclash versuchen, ohne jemals die kühle Erotik von CLIENT oder GOLDFRAPP zu erreichen. So gestaltet sich das Album bislang zwar alles andere als aufregend, doch dafür auch vollkommen schmerzfrei. Aber leider musste man sich auch noch unbedingt dem Deutschpop-Publikum anbiedern, und liefert mit den beiden deutschsprachigen Balladen „Atme“ und „Abendstern“ die absoluten Tiefpunkte der Platte ab, die textlich und gesanglich selbst JULI und SILBERMOND unterbieten. Zur Entschädigung für dieses Verbrechen hat MARUSHA ihre zwei stärksten Nummern ganz am Ende des Albums versteckt. Das relativ druckvolle „Fear“ erinnert ein wenig an THE PRODIGY, und „Antarctica“ ist eine überlange, schon beinahe düstere Nummer geworden.

Dieser Anflug von Potential kommt dann halt doch etwas spät zum Vorschein, und kann in der Summe auch nicht mehr viel retten. Verglichen zu ihren früheren Schandtaten ist „Heat“ zwar schon fast ein Klasse-Album geworden, neue Käuferschichten wird MARUSHA damit aber trotzdem nicht erreichen.



Bewertung: 2.0 / 5.0
Autor: bender (26.11.2007)

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