Avantasia - Lost In Space Part I & Part II

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VÖ: 16.11.2007
Bandinfo: AVANTASIA
Genre: Melodic Metal
Label: Nuclear Blast Records
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Lineup  |  Trackliste

Als Avantasia-Fan und gläubiger Sammetianer läuft man natürlich - wie ich heute morgen - gleich am Releasetag in den Shop, verzweifelt auf der Suche nach je einem Exemplar des neuestens Streichs von Edguy-Frontröhre Tobias Sammet, und wenn man - wie ich heute morgen - Glück hat, bekommt man auch noch welche. Man glaube es oder nicht, aber die Scheiben waren heute in einschlägigen Häusern auch schon wieder vergriffen, worüber sich der Herr Sammet sicher freuen (und was ihm wohl auch einen angenehmen Chart-Einstieg gewähren) wird.

Nichtsdestoweniger konnte ich mir die Zeit nehmen und die beiden EPs mit je 6 Songs (plus zahlreichem Bonusmaterial) durchhören - und schreibe nun dieses kleine Review mit gemischten Gefühlen.

Wie eingangs bereits gesagt bin ich ja bekennender Liebhaber der ersten beiden Avantasia-Scheiben; von der sofortigen Begeisterung, die mich damals beim Hören der beiden Alben überkam, war heute leider nur wenig zu spüren. Gut, den Titeltrack "Lost In Space" kannte ich schon aus diversen Videos im Internet, und insofern wusste ich, was da zu erwarten sein würde; vom Rest des Materials habe ich mir allerdings ein bisschen mehr erwartet.

Genannter Titeltrack ist nun eben die klassische "Single", wie sie im Buche steht - klar strukturiert, simpler Aufbau, eingängige Melodie. Und diesmal macht der Herr Sammet nicht nur songwriterisch einen auf Bon Jovi, sondern posiert auch im dazugehörigen Video mit Halblanghaarschnitt und Jeans-Jacke. Schlecht ist der Song nun nicht; besonders der Verse weiß mit U2-ähnlicher Gitarre und schöner Gesangslinie zu gefallen; im Refrain wirds dann schon etwas metallischer, aber übertrieben wird nie. Alles in allem ein solider Rock-Song, der klar auf eine Chartpositionierung getrimmt wurde und dieses Ziel wohl auch erreichen wird.

Weiter gehts auf Lost In Space Part I dann mit dem ABBA-Cover "Lay All Your Love On Me", das in bester At Vance-Manier daherkommt (die haben ja auch schon einige gute ABBA-Covers im Backkatalog), insgesamt jedoch relativ unspektakulär bleibt. Ein nettes Gimmick für Tobi-Fans, aber sicher keine zwingend zu kennende Version.

Als dritten Track packen Avantasia dann erstmals die Metal-Keule aus und mit "Another Angel Down" bekommt man wirklich schwer geile Jorn Lande-Vocals vorgesetzt, sowie einen sehr rockigen Refrain der sicher für gute Laune auf Metal-Parties sorgen wird. Auf den wirklichen Geniestreich von Avantasia warte ich aber weiter.

Und auch Track Nummer 4, "The Story Ain't Over", kann diesen Titel letztlich nicht für sich beanspruchen; zwar finde ich hier auch Bob Catleys Vocals sehr gelungen, und insbesondere den Refrain ansprechend - hier hat sich der gute Tobi wohl intensiv von Meat Loaf und dessen Jim Steinman-Kompositionen inspirieren lassen! Insgesamt gefällt mir der Track vor allem wegen seiner Musical-mäßigen Ausrichtung, da diese doch ganz gut in den Rock/Metal-Oper Kontext von "Avantasia" passt.

Bei Track 5 bekommen dann Avantasians der ersten Stunde feuchte Augen; hier gehts mit dem "Return to Avantasia" für knappe 40 Sekunden zurück zur Melodie von "Reach Out For The Light" vom allerersten Avantasia-Langeisen, und als Abschluss von Lost In Space Part I gibt's dann mit "Ride The Sky" noch eine weitere Coverversion.

Wer hier aber den Helloween-Klassiker erwartet, irrt; hier gibt's ein Cover der Band "Lucifer's Friend", einer 70iger-Jahre-Hard Rock Band, und das hört man auch sofort: da wird die Hammond-Orgel ausgepackt, gitarrentechnisch bedient man sich ausgiebig bei Led Zeppelin, und die Vocals werden hier von Avantasia-Drummer Eric Singer beigesteuert. Ein unerwarteter, aber unterhaltsamer Abschluss. Leider warten wir noch immer auf den Genierstreich.

Gut, mittlerweile sind wir bei Lost In Space Part II angekommen (die Multimedia-Sektionen lass ich außen vor, und konzentriere mich daher lieber auf die Songinhalte). Den Anfang macht auch hier die Single "Lost In Space", für Infos dazu möge man bereits oben Gesagtes konsultieren.

Mit "Promised Land" kommt dann der für mich bisher stärkste neue Avantasia-Track; nicht zuletzt wieder durch die grandiosen Vocals von Jorn Lande bedingt, der mir stimmlich hier weit besser gefällt als auf den mehr in Richtung AOR produzierten Masterplan-Alben, und natürlich der Mitarbeit von Michael Kiske. Abgerundet wird der ziemlich gelungene Titel von einem ruhigen Mittelteil, der von wirklich geilen Lande-Vocals lebt.
Den guten Eindruck trüben kann nur die harmonische Ähnlichkeit zum Avantasia I-Track "Serpents In Paradise" im Refrain; dem Herrn Sammet werden doch nicht die Ideen ausgehen? Daher ist leider auch dieser Song nicht der erhoffte Rundumschlag.

Es folgt dann ein weiteres Ultravox-Cover (ja, "weiteres" - man erinnere sich an "Hymn" von Edguys "Vain Glory Opera"-Album), und zwar "Dancing With Tears In My Eyes", und auch hier gilt das schon zum ABBA-Cover Erörterte. Nettes B-Side-Gimmick, aber nicht mehr.

"Scary Eyes" könnte auch aus der Feder von Helloween stammen, allerdings würde es dort genau wie hier bei Avantasia leider nur unter "ferner liefen" stehen. Netter Track ohne wirkliche Highlights. Zwischenergebnis: Noch immer kein Geniestreich.

Bevor mit einer netten unplugged-Version von "Lost In Space", bei der man Amanda Somerville besonders gut heraushören kann, auch EP Nummer 2 zu Ende geht, gibt's dann mit "In My Defense" ein weiteres Cover, diesmal von einem Freddy Mercury-Song. Hier fließt mal ein bisschen Edguy-typisches Schmalz; aber noch in Maßen - zum Glück wird das Hellfire Club/My Spirit Will Go On - Limit nicht erreicht.

Tja, damit wären wir auch schon am Ende von Lost In Space Parts I & II - und auf den Geniestreich warte ich zumindest leider noch immer. Produktionstechnisch gehen die Scheiben natürlich in Ordnung, die Gastsänger liefern astreine Performances ab (insbesondere Jorn Lande beweist wieder mal seine Stellung als Göttersänger) - aber unterm Strich bleiben nur eine bzw. zwei nette EPs mit viel B-Seiten-Material (auch wenn Tobias Sammet das in diversen Interviews vehement bestritten hat). Da aber um die Avantasia-Wiederauferstehung doch ein recht großer Hype gemacht wird, und Tobias Sammet sich die Latte mit den tollen Avantasia-Erstlingen auch selbst sehr hoch gelegt hat, wird das Full Length Album, "The Scarecrow", dann doch noch Einiges zulegen müssen, um die erhofften Begeisterungsstürme auslösen zu können.

Mit den Lost In Space-EPs hat man aber sicher nette Appetizer geschaffen, die zum mehr als fairen Preis von ca. 5-7 Euronen das Stück (wenn man bedenkt, dass gewisse andere "Kings of Metal" für eine einzige EP mit gleichem {und auch das ist diskutabel} Inhalt wie je eine der Avantasia-EPs einen satten vollen Albumpreis von 14 Euro veranschlagen) auch noch extrem günstig sind und die Wartezeit bis zum dann hoffentlich wirklich genialen Comeback von Avantasia angenehm verkürzen können.

Auf Grund des hohen Cover-Anteils auf den beiden Scheiben einerseits und des sehr günstigen Preises andererseits enthalte ich mich allerdings einer Bewertung; rein vom gebotenen Material her würde diese aber trotz der tollen Gastsänger-Performances, die die Durchschnittlichkeit des Songwritings leider nur bedingt wettmachen können, eher in der unteren Hälfte der Wertungsskala rangieren.



Ohne Bewertung
Autor: Dragonslayer (19.11.2007)

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