Zemial - In Momentum

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VÖ: 00.05.2006
Bandinfo: ZEMIAL
Genre: Black Metal
Label: NYX
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Lineup  |  Trackliste  |  Credits

Mit "In Momentum" legt die griechische Black Metal Legende ZEMIAL endlich mal wieder einen wundervollen Silberling (oder wahlweise auch einen wundervollen "Schwarzling", d.h. eine Vinyl Version) vor, und unterstreicht ein weiteres Mal die Originalität der Band.

Nach 17 Jahren der metallischen Aktivität legt Mastermind Vorskaath der schwarzmetallischen Konkurrenz mal wieder einiges vor. ZEMIALs Vorbilder sind auch anno 2007 eher BATHORY und HELLHAMMER als diverse skandinavische Schwarzheimer der DARKTHRONE Ära. Und doch klingt man anders, eigen, einzigartig und zu jeder Zeit mystisch und geheimnisvoll.
Diese kryptischen Worte beschreiben die Musik ZEMIALs natürlich mehr schlecht als recht. Doch diese Musik in einem Satz zu beschreiben grenzt an Blasphemie und ist zudem ein schier unmögliches Unterfangen.

Man lausche dem Opener "For a Fallen One" und staune: Einfache, einprägsame Riffs treffen auf den kehligen, charismatischen Gesang von Meister Vorskaath. Und doch lässt sich dieser Song keineswegs darauf reduzieren: Akustische Zwischenteile inklusive "spoken word" Passagen geben dem Stück eine melancholische und düstere Stimmung, die sich zu keinem Zeitpunkt wieder auflöst. Das wunderbare, vergleichsweise hohe Solo der Gitarre durchbricht die Phalanx der Riffs und sorgt für einen weiteren passenden melodischen Puzzleteil.
Danach folgt mit "Born of the Crimson Flame" ein etwas skandinavisch anmutender Track: Schwungvoll und für das Black Metal Genre typischer (als der Vorgänger) poltert es hier ordentlich vor sich hin. Natürlich wären ZEMIAL nicht sie selbst, wenn dies im Laufe des Songs so bleiben würde: Nach einem chaotischen Solo klingt der Song mit einer instrumentalen Passage aus, die von dieser Aggression nur noch wenig vermuten lässt.
Mit "H TAN H EPI TAS" folgt eine Hymne auf das alte Sparta. Die Perserkriege (in etwas massenkompatiblerer Form wurde einer davon ja im Film "300" dargestellt) haben offensichtlich ihre Spuren in der griechischen Seele hinterlassen. Dieser Song dient als perfekter Soundtrack zum Schlachtgetümmel. Hier wird eine Spannung aufgebaut, die den Hörer automatisch in die Lage der damaligen Helden versetzt. Großes, musikalisches Kino!
ZEMIAL setzen auf die Faktoren Atmosphäre und Drama und kreieren damit etwas ganz eigenes. "March of the Giants" geht in eine ähnliche Richtung: Dichte Atmosphäre, Melancholie und musikalische Aggressionen sind hier keine nicht miteinander zu vereinbarenden Elemente. Hier fügt sich ein Teil in den anderen, was dazu führt, dass das Gesamtwerk schlüssig und durchgehend wohlstrukturiert klingt. Auch die in diesem Song vorkommenden melodischen Passagen passen wundervoll in die Szenerie.
Nach dem aggressiven, mit extremen Hall auf den Vocals versehenen "Riddle" folgt mit dem abschließenden "In Momentum/Stone of the Ages" ein Track, der den besonders "trven" Schwarzmetallern ein Dorn im Auge sein wird. Und doch ist er ein Juwel am Ende dieser Platte: Sehr episch, ruhig, melancholisch und mit cleanen (!!!) Vocals versehen, knüpft er mühelos an die musiikalischen Glanzleistungen der Band an. Die Ruhe vor dem Sturm, der dunkle Himmel unmittelbar vor dem Gewitter, die aufgeladene Stimmung nach dem Blitzschlag - man wird zwischen gespenstischer Ruhe und ewiger Tristesse hin- und hergeschaukelt, und findet zu guter Letzt seine vertonte (ewige) Ruhe. Aus diesen Metaphern und dem Titel des Tracks kann man sich in etwa denken, worum es bei eben jenem geht: Um den Tod und die danach einkehrende Stille. Symbolisch dafür steht der Stein, der auch "ages" nach dem Verfall des Körpers noch an der gleichen Stelle verharrt.
Nach diesem Abschlusstrack (übrigens eine Hommage an Quorthon) kapiert der Rezensent langsam, etwas Großes miterlebt zu haben.

Die negativen Kritikpunkte sucht man großteils vergebens. Der größte Kritikpunkt betrifft sicher die Spielzeit: Alles unter 40 Minuten ist etwas mager für ein reguläres Album. Andererseits ist es besser die Qualität somit zu bündeln, als sie durch Langatmigkeiten zu zerstören. Zudem kann der Track "Riddle" sowie das Instrumental "Remembering Those Lost" nicht so überzeugen wie genannte Göttergaben. Auch diese Songs sind gut, aber nicht so besonders und innovativ wie die epischen Tracks auf dieser CD.

Und dennoch schrammen ZEMIAL nur ganz knapp an der Höchstnote vorbei: Die differenzierte Produktion, ZEMIALs Originalität im Songwriting, die dadurch kreierte Atmosphäre und das unglaubliche Talent von Vorskaath sind Gründe dafür, eine Reinhörpflicht auszusprechen!
Auch die griechisch gesprochenen/gesungenen Passagen klingen aufgrund ihres rauen Sprachbildes interessant, und passen perfekt zur Musik. Den einen oder anderen engstirnigen Black Metal Fanatiker wird sich grün und schwarz ärgern, aber ZEMIAL haben mit "In Momentum" eine Leistung vollbracht, von der Genreleader wie MAYHEM oder DARKTHRONE momentan nur träumen können!



Bewertung: 4.5 / 5.0
Autor: El Greco (03.12.2007)

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