Time Has Come - White Fuzz

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VÖ: 23.05.2008
Bandinfo: Time Has Come
Genre: Metalcore
Label: Regain Records
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Lineup  |  Trackliste

Die Bezeichnung Metalcore führt hier leicht in die Irre: Breakcore bzw. Mathcore mit Deathmetal-Tendenzen beschreibt den Sound vom „weissen Flaum“ schon eher.
Ähnlich wie ihre Landsmänner WAR FROM A HARLOTS MOUTH operieren TIME HAS COME auf ihrem ersten abendfüllenden Longplayer technisch vertrackt, hirnfickend und zu (fast) keiner Sekunde stressfrei mit ihren Instrumenten. Bereits mit dem extralangen Auftakt nehmen dich die Herrschaften in die Zwickmühle: Blasts, Breaks, hysterische Vokals und die schonungslos transparente Produktion schrauben dir in Windeseile den Kopf vom Rumpf. Dissonante Töne bohren dir kleine Löcher in die Haut, das daraus herabströmende Blut wird von (immer wieder auftauchenden) einschmeichelnden Parts aufgefangen bevor sich das schonungslose Material weiter und immer tiefer ins Fleisch gräbt.

Mit bewundernswertem Einsatz schreit, rifft und breakt sich die komplette Truppe durch 40 Minuten Krach, welcher nicht mit einzelnen Songs aufhorchen lässt sondern mannschaftlich geschlossen in der Klapse einmarschiert. Immerhin - eine kleine Beruhigungsspritze warten für die ganz Mutigen noch hinter Tür Nummer 5 …
Falls sich doch der Wunsch nach einer kleinen Dosis Irrsinn einstellen sollte empfehle ich das ebenso vertrackte wie hochenergetische „A Clown can get away with Murder“ (was haben die nur gegen SLIPKNOT?). Etwas relaxter, nichtsdestotrotz kaum ohne Zwangsjacke konsumierbar fegt „When the Promise of Forever…“ (mit leichten Postcore-Elementen hantierend) und das kontastreiche „Ignorance is Bliss“ durch die morschen Knochen; hier regiert neben den Psychoparts eine fast klare Linie und weniger Breaks als vorhergesehen.
Das die Musiker nicht gegen- sonder miteinander arbeiten hält das sperrige, aber interessante Songmaterial zusammen. Die richtige Idee an der richtigen Stelle, ein paar Verschnaufpausen wenns mal wieder länger dauert und ein bisschen Kraftmeierei.
Was sich nach dem Erstkontakt als schwieriges wie chaotisches Etwas anfühlt findet nach einigen Startschwierigkeiten doch noch die Aufnahme im Oberstübchen. Das verdankt "White Fuzz" erstens dem gelungenen wie abwechslungsreichen Gesang (ähem) und - zweitens - dem abschliessende Titeltrack , welcher wie eine entspannter Blick zurück auf die vorangegangenen Entgleisungen wirkt und gänzliche ohne Vocals & mit einem Testbildrauschen im Abspann daherkommt...

Ein technisch einwandfreier Plattmacher - aber mitunter auch enorm stressig. Wer sich morgens zu Müsli und Kakao schon Tracks wie „Something Draws Near from Nothing“ oder "The Abandoned City" hinter die Binde kippt verdient meinen Respekt. Und wem die neue Cryptopsy eh zu nett ausgefallen ist darf ebenfalls nach einer Prise „White Fuzz“ greifen.
Für Normalsterbliche gilt allerdings folgende Faustregel: Zu Risiken oder Nebenwirkungen fragen Sie bitte ihren Nachbarn oder Hirnchirurgen.



Bewertung: 3.5 / 5.0
Autor: PMH (19.05.2008)

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