Ecliptica - Impetus

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VÖ: 17.05.2008
Bandinfo: Ecliptica
Genre: Power Metal
Label: Eigenproduktion
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Lineup  |  Trackliste  |  Credits

Der melodische Metal lebt - und das nicht nur in Form von Serenity, sondern nun auch hochoffiziell durch die Wiener Power/Heavy Metal Fraktion von ECLIPTICA! Mit "Impetus" liegt nun der erste wirkliche Longplayer des Sextetts vor, und wie schon die superben Live-Performances der Band erahnen ließen, haben sich die Herrschaften um Bandleader und Songwriter Markus Winkler nicht lumpen lassen, und liefern so mit Sicherheit eines der Top-Alben des österreichischen Undergrounds dieses Jahres ab!

Es war ein langer Weg, von den letzten Atemzügen der "Drunken Angels" von Markus Winkler, über die erste, in Heimproduktion entstandenen Rockoper unter dem ECLIPTICA-Banner, namentlich "The Legend Of King Artus", hin zu der "echten" Band Ecliptica, die sich heute anschickt, die Metalwelt mit ihrem klassischen Heavy/Power Metal zu erobern. Doch der Weg hat sich meiner Meinung nach ausgezahlt; es wurde sicher viel Lehrgeld gezahlt, und sicher viele Opfer gebracht - doch am Ende, so wage ich zu sagen, haben sich die Mühen mehr als gelohnt. Live liefert man perfekt einstudierte Performances, starke Chöre und tolle Shows, und auch in digitaler Form, auf ihrem Erstlingsalbum, präsentieren sich Ecliptica in internationaler Form.

Dass Frontman Tom Tieber ein ersklassiger Sänger ist, weiß man seit seiner Arbeit bei Vivian - aber bei Ecliptica scheint er nun das professionelle Umfeld gefunden zu haben, in dem er seine Klasse voll zur Geltung bringen kann, und so veredelt der gute Herr jeden Song aus der Feder von Songschreiberling Markus Winkler. Die Instrumentalisten sind natürlich auch exzellent, speziell sei hier Co-Gitarrist Bernie Scholz, der vor allem Live einige Gustostückerl liefert, erwähnt. Aber bei Ecliptica passt einfach die Gesamtperformance aller Bandmitglieder, und auch Neo-Frontlady Elisabeth Fangmeyer fügt sich gut ins Gesamtkonzept der Band ein, wenngleich sie mit einer weniger opernhaft angelegten Stimme als Vorgängerin Evelin Pieler ausgestattet sicher einen etwas anderen Stil hineinbringt, der aber vielleicht sogar einen Tick besser zu der rockigeren Ausrichtung von Ecliptica auf dem Album denn der, welche sie auf ihrer Vorab-EP "Awakening" an den Tag gelegt haben, passt. Dazu hat ihnen Norbert Leitner in den Hinterhof-Studios noch einen amtlichen Sound gezimmert, der sich im internationalen Vergleich nicht zu verstecken braucht, und wunderbar druckvoll aus den Boxen knallt. Einzig bei den Chören, die für meinen persönlichen Geschmack als Bombast-Fetischist etwas gewaltiger ausfallen hätten können, hat man auch einen Effekt draufgepackt (ist es ein leichter Flanger? Ist es einfach nur Hall? Ich kann mich da nicht ganz festlegen), der mir persönlich nicht zusagt, da er den Chören einen leicht metallischen Klang verleiht. Aber gut, das ist nur persönlicher Geschmack.

Songwriterisch lässt Markus Winkler auch nichts anbrennen, und so liefern Ecliptica auf "Impetus" einen melodischen Metal-Kracher nach dem anderen, die meist eher im Midtempo-Bereich angelegt sind, und von den zahlreichen zweistimmigen Gitarrenläufen, vielen mal mehr, mal weniger progressiven Breaks und natürlich sich sofort im Ohr festklammernden Hooks leben, und von den beiden Frontleuten gekonnt in Szene gesetzt werden. Los gehts nach dem instrumental-Intro "Impetus" auch gleich mit dem Kracher "My Paradise", und in dem Duktus geht es auch weiter - Zeit zum Verschnaufen hat man auf diesem Album kaum; vielleicht bei der Ballade "Turn Away", die noch aus "King Artus"-Zeiten stammt, und auch mit Rollenverteilung gesungen wird. Daneben findet sich noch mit "Twilight Hall" ein Track der Vorab-EP "Awakening" auf dem Album; der Rest der Songs ist aber komplett neu, und es finden sich darunter einige amtliche Melodic-Kracher, die es in sich haben, wie etwa die (vor allem live sehr starke) Single "Land Of Silence", "Carry On" oder das mich an Edguy erinnernde "Jester In The Ballroom". Abschließendes atmosphärisches Highlight des Albums ist dann natürlich "Black Swan", mit einer Dauer von über acht Minuten.

Abschließend kann man sagen, dass Ecliptica mit dieser Scheibe ein mehr als lautes Ausrufezeichen gesetzt haben, und hier sicherlich große (internationale) Aufmerksamkeit erregen werden (oder jedenfalls sollten!) - Kritikpunkte gibt es meines Erachtens nur minimale; der Sound ist für eine (noch) Underground-Band einfach nur sensationell, gerade mal die vielleicht etwas zu dezenten Chöre könnten mehr in Szene gesetzt werden, und auch manche Breaks wirken hin und wieder mal etwas erzwungen. Textlich gibts auch kaum was auszusetzen; klar bedient man sich ab und an etwas kreativem Englisch, aber das Gros der Lyrics ist gut geschrieben und hebt sich auch vom Genre-Einheitsbrei ab. Man kann definitiv sagen, dass Ecliptica hier eines der Highlights des österreichischen Metal-Jahres abgeliefert haben, und es ihnen nun nur noch zu wünschen bleibt, dass auch international größeres Publikum auf sie aufmerksam wird. Warum daher nicht fünf Sterne? Nun, ein bisschen Raum für Verbesserungen muss ja bleiben, sonst hätten die Eclipticans ja am Ende keinen Ansporn mehr, uns auch in Zukunft mit tollen Alben zu versorgen! Also Leute, holt euch das Teil!!!



Bewertung: 4.5 / 5.0
Autor: Dragonslayer (22.05.2008)

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