Lanfear - X To The Power Of Ten

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VÖ: 22.08.2008
Bandinfo: Lanfear
Genre: Progressive Power Metal
Label: Locomotive Records
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Lineup  |  Trackliste

Mit "X To The Power Of 10" legen die deutschen Prog/Power Metaller von LANFEAR nun den Nachfolger zu "Another Golden Rage" und ihr insgesamt sechstes Studioalbum vor; und diese langjährige Erfahrung der seit 1993 musizierenden Truppe merkt man auch dem neuen Silberling sofort an: Hier sind absolute Routiniers am Werk, die nichts anbrennen lassen - sowohl Individualleistungen an den jeweiligen Instrumenten, als auch Songwriting und Arrangements können durchaus überzeugen. Doch wer sich hier von dem netten Wörtchen "Powermetal" hat anlocken lassen, sei gewarnt; Freunde von kontinentaleuropäischen Kinderlied-Metalbands sind hier am falschen Platz!

Denn wie schon das dezent blutig gehaltende Cover zu "X" vermuten lässt, will man eine deutlich ernsthaftere Klientel bedienen, und orientiert sich eher am Sound einiger US-amerikanischer Powermetal-Kapellen wie etwa Iced Earth (was man auch gleich bei dem Opener "Enter Dystopia" raushören kann), aber auch sehr moderne Riffings und Harmonien schrecken LANFEAR nicht ab - und so knallen etwa Tracks wie "My Will Be Done" in sehr zeitgemäßem Sound aus den Boxen, ohne dass dabei die Melodien zu kurz kommen; verblüffenderweise schaffen LANFEAR sehr gut die nicht immer leichte Gratwanderung zwischen notwendiger Härte und melodiöser Auflockerung - Freunde von Bands wie Vanden Plas, Angel Dust, Pagan's Mind oder auch meinen Prog-Lieblingen von Pain Of Salvation (an die der Beginn des abschließenden "Seeds Of The Plague" mehr als nur ein bisschen erinnert!) werden hier sehr gut bedient!

Einziger kleiner Wermutstropfen ist für mich an der ansonsten sehr runden und stark produzierten Sache, dass die (für mich wichtigen) Ohrwurmqualitäten von LANFEAR auf "X" ein bisschen zu wünschen übrig lassen; so fährt man zwar interessante Songstrukturen, gefällige und schneidende Riffings, erstklassige Gesangsleistungen (durch Neuzugang Nuno Miguel de Barros Fernandes) und anspruchsvolle Tracks auf - leider fehlen mir persönlich ein, zwei wirklich zwingende Hooks, mit denen sich LANFEAR sofort im Ohr festkrallen könnten, und mit denen sie die Unterscheidungskraft und den Wiederkennungswert ihrer einzelnen Tracks um ein Vielfaches steigern könnten. Nichtsdestotrotz gewähren LANFEAR dem geneigten Hörer zutritt zu atmosphärischen Klangwelten, wenn man denn gewillt ist, ihrem etwas sperrigen neuen Langeisen die nötige Durchlaufzeit zu geben.

Als Anspieltipps seien das schon erwähnte "Enter Dystopia", das am Anfang schon fast mit Kreator'schem Thrash-Riffing aufwartende, dann aber zu einer recht ruhigen Nummer mutierende "The Question Keeper", oder auch das eingängige "The Art Of Being Alone".

Um für mich persönlich Anwärter auf die absoluten Höchstwertungen zu sein, müssten LANFEAR noch ein bisschen an ihren Refrains basteln und die Song stilistisch und harmonisch deutlicher voneinander abzugrenzen - so klingen leider viele der Tracks und Chöre ein bisschen zu ähnlich und identitätslos, was den sonst sehr guten Gesamteindruck am Ende ein bisschen trübt. Aber dennoch haben LANFEAR hier ein absolutes starkes Progressive Metal Album vorgelegt, das sich durchaus mit Genrekollegen messen kann und der Band aus Deutschland wohl auch etliche neue Fans bescheren dürfte!



Bewertung: 4.0 / 5.0
Autor: Dragonslayer (15.08.2008)

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