Agrypnie - Exit

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VÖ: 08.08.2008
Bandinfo: AGRYPNIE
Genre: Black Metal
Label: Supreme Chaos Records
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Lineup  |  Trackliste

Als NOCTE OBDUCTA ihrer Band den Freitod auferlegten, verlor Deutschland eine interessante, weil originelle und unberechenbare Black Metal Band.
Sänger Torsten ist dem Musikbusiness glücklicherweise treu geblieben und veröffentlicht nun mit seiner neuen Band AGRYPNIE das mittlerweile zweite Werk. Jenes hört auf den Namen „Exit“ und bietet – den Angaben der Plattenfirma nach zu urteilen – „Avantgarde Black Metal“
Mit dieser Bezeichnung legt man sich selbst die Latte hoch: Wollen AGRYPNIE die Welt des Black Metal nachhaltig verändern?

Nun ja, ganz so weit wird es mit „Exit“ nicht kommen. Viele der Trademarks NOCTE OBDUCTAs sind auch für AGRPYNIE zutreffend: Vom ‚trve Black Metal’ ideologisch weiter entfernt als der Papst von Mekka, setzt man auf durchgehend ernste und beinahe depressive Themen, die lyrisch extrem prägnant und ausdrucksstark umgesetzt werden. Obwohl erneut deutsche Texte bevorzugt wurden und eben jene ohne die Hilfe von NOCTE OBDUCTA Mastermind Marcel kreiert wurden, sind die ‚neuen’ Texter Torsten und Marco V. (PANTA RHEI PROJEKT) seinem hohen Niveau zu jedem Zeitpunkt gewachsen.

Die Musik gleicht sich der Stimmung an, kann aber nicht ganz mit der Klasse der Texte mithalten: Düster, episch, zwischen Melancholie und Aggression pendelnd, erschaffen AGRPYNIE ein Werk für unglückliche Menschen und solche, die ein gewisses Maß der Verzweiflung als Katharsis heranziehen. Dabei ist die Band technisch über jeden Anspruch erhaben. Und doch kann „Exit“ für meinen subjektiven Geschmack nicht wirklich überzeugen. Dies liegt vor allem an der selbst auferlegten Bürde, besonders avantgardistisch zu agieren. Dafür schleichen sich aber zu viele Füller und Durchschnittlichkeiten ein. Das Songmaterial bleibt demnach unnahbar und stets etwas scheu. Als ob es nicht genauer ergründet werden wollte, scheint es sich bei jeder sich bietenden Gelegenheit hinter einer breiten Epik zu verstecken. Auf Songs wie „Während du schläfst“ und „In den Weiten“ zeigen AGRYPNIE ihre ganze Klasse. Doch warum tun sie dies nicht auf dem kompletten Album?

Und wie, lieber Leser, bewertet man ein Stück Musik, dass sich selbst einen hohen Anspruch auferlegt und diesen nicht ganz umsetzen kann? Soll man das grundsätzliche Niveau bewerten oder eiserne Strenge walten lassen und damit Gefahr laufen, einfachen Prügelbands bessere Bewertungen zu geben, weil diese ihr ausgelatschtes Territorium ein weiteres Mal platt zu treten verstehen? In diesem Fall tendiere ich eher zu Option 2, doch geschieht dies nicht aufgrund eines Hangs zum Zynismus. AGRPYNIE sollten diese ‚durchschnittliche’ Wertung als Ansporn verstehen, ihr Talent noch besser zu nützen. Sie haben das Zeug dazu, tatsächlich avantgardistisch und qualitativ hochwertig zu agieren. Um dies zu erreichen, sollten die ‚großen Augenblicke’ auf dem folgenden Werk aber durch ‚große Songs’ ersetzt werden.



Bewertung: 2.5 / 5.0
Autor: El Greco (06.10.2008)

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