Mastodon - Crack the Skye

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VÖ: 27.03.2009
Bandinfo: MASTODON
Genre: Metal
Label: Warner Music
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Lineup  |  Trackliste  |  Credits

Expect the Unexpected – ein Satz der auf MASTODON seit jeher ohne Zweifel angewandt werden kann. Diesmal haben sich die Vier einfach in die 70ies zurück gebeamt und mutierten zum Teil zu Prog Rock Vertretern dieser Epoche. Aber nicht nur musikalisch birgt „Crack The Skye“ so manche Überraschung in sich, auch textlich zeigt man sich offener, versteift sich nicht mehr auf ein zusammenhängendes Thema, sondern wandert multiargumental und im Titeltrack verarbeitet Drummer Brann Dailor sogar den Suizid seiner Schwester…

Irgendwie ist dieses vierte Album der Boys aus Atlanta so was wie eine eingängige, aber auch sperrige, eine leicht zu konsumierende, aber auch ziemlich verzwickte Huldigung der Prog Götter der o.a. Epoche. Natürlich fallen da Namen wie KING CRIMSON und Konsorten, wobei wir das Rad der Zeit auch wieder in die Gegenwart drehen könnten um ein wenig mit OPETH zu kokettieren. Das ist aber nur die halbe Miete, ein verzwackter 13 Minüter wie der Rauskicker „The Last Baron“ kann im 21. Jahrhundert wohl nur aus der Feder von Hinds, Sanders, Dailor und Kelliher stammen. Dabei beginnt der 50 Minuten dauernde Seelenstriptease relativ harmlos - „Oblivion“, wohl das eingängigste Stück Musik welches MASTODON je frei gelassen haben, natürlich mit Windungen und Überraschungen, aber allein DER Refrain donnert von Null auf Hundert ins Gehirn… Ähnlich, wenn gleich mit deutlich mehr Ecken und Kanten ausstaffiert, kommt „Divinations“ daher, auch deutlich schneller als der Opener, Sanders darf etwas aggressiver singen, kongenial unterstützt von Hinds warmer, klarer Melodieführung. Dann wird es aber richtig verspielt, „Quintessence“, zum Teil abgefahren hoch Drei, tief im Siebziger Prog steckend, von gelegentlichen Ausbrüchen dominiert, ist ebenso ein Schmankerl wie das mit schwerem Hippie Flair unterlegte „Ghost of Karelia“!

Fehlen noch drei Tracks? Stimmt, und ich sag’s Euch Leute: Alle die geglaubt haben es geht nicht noch verbogener, noch vertrackter, werden sich an diesen opulenten Mammutkompositionen wohl kaum satt hören können. Das fängt mit dem Titeltrack an, bei dem nicht nur ob des Gastbeitrages von Scott Kelly ein latent nach NEUROSIS riechendes Flair den Song umgarnt, setzt sich im dreiteiligen „The Czar“ fort und findet seinen endgültigen Ausbruch im gehaltvoll gereichten „The Last Baron“! Die Mehrstimmigkeit, diese Hyperinstrumentalisierung, Spannungsaufbauten, die permanent wieder niedergerissen werden, extremster Extrem Metal, der weder vor der Post-Hardcore Schule, noch vor den bereits zitierten Prog Heroen Halt macht. Bei Zeiten anstrengende Kopfmusik, die jedoch unweigerlich auch den Fuß zum im Takt mitwippen auffordert, selten hat es eine Band geschafft sowohl eingängiger, als auch abgefahrener zugleich zu agieren.

„Crack The Skye“ verbindet beide Extreme zu einem schlüssigen Etwas, verneigt sich vor diversen Haupteinflüssen der Band in ehrwürdiger Art und Weise und sobald man die seit jeher der Band anhaftende imaginäre Berührungsangst vollends bei Seite geschoben hat, entwickelt sich dieses Kunstwerk Fünfzig Minuten lang zu einem Klangkosmos, welcher weder Raum noch Zeit benötigt, kollektives Dahinschweben im Luftleeren Raum, Loslassen, die unendliche Leichtigkeit genießen, alles und jedes vergessen und Eins werden mit MASTODON, mit „Crack The Skye“, mit einem faszinierenden, einem bei Zeiten sogar atemberaubenden Album!



Bewertung: 4.5 / 5.0
Autor: Reini (08.04.2009)

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