Virgin Steele - Life Among The Ruins (Remastered)

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VÖ: 31.10.2008
Bandinfo: VIRGIN STEELE
Genre: Progressive Power Metal
Label: Dockyard1 Records
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Lineup  |  Trackliste

David DeFeis und seine Jungs von VIRGIN STEELE gehören wohl zu den umstrittensten Kollegen des Heavy-Sektors aller Zeiten. Irgendwie verhält es sich gleich wei bei MANOWAR: Entweder man mag die Mucke der Band oder man hasst sie wie die Pest! DeFeis und Co. haben es den Fans in ihrer langjährigen Karriere ja auch nicht immer wirklich leicht gemacht. In wilder Rocker-Manier, mit freien Oberkörpern, wichtigen Sprüchen und tief im Herzen "truer" als der Rest der Welt, können die Jungs schon das ein oder andere Mal etwas milde belächelt werden, doch musikalisch durfte man bei VIRGIN STEELE noch nie etwas aussetzen, denn in punkto Kompositionen wussten sie immer schon, wo der stilistische Hammer zu hängen hat.

Nach einer etwas längeren, ruhigen Zeit entschloss sich DeFeis im Jahre 1993 erneut ein weiteres Album aufzunehmen. Nachdem mehrere Rechtsstretigkeiten dazwischen kamen und die Zukunft der Band unter keinem guten Stern stand, wurde dann aber letztendlich doch "Life Among The Ruins" veröffentlicht. Die wohl außergewöhnlichste Platte des gesamten Backkataloges!

Der Sound der Platte hatte sich nämlich total verändert. Standen vor diesem Album noch schwer-metallische Metal-Symphonien auf dem Programm, die schon fast als Markenzeichen der US-Amerikaner galten, wurde auf "Life Among The Ruins" eine komplett andere Fahrtrichtung eingeschlagen. VIRGIN STEELE spielten stadion-tauglichen Hard- und Heavy Rock, der sich zu dieser Zeit am ehesten mit Material von AEROSMITH und WHITESNAKE vergleichen ließ. Wer die obligatorischen Metal-Stampfer auf dieser CD suchte, wurde sicherlich enttäuscht, denn DeFeis hatte zum ersten Mal in seiner Karriere etwas gänzlich Anderes gemacht.

Coole Rock-Songs wie der Opener "Sex Religion Machine" oder total zerbrechliche, überaus radio-taugliche Balladen à la "Cry Forever" oder "Never Believed In Good-Bye" machten das Gesamtbild der Scheibe aus und wäre, ein paar Jahre früher veröffentlicht, mit Sicherheit ein kommerzieller Renner geworden. In der Mitte der 90er Jahre, als NIRVANA gerade ihren Grunge unter die Leute brachten, konnten VIRGIN STEELE mit dieser Ausrichtung leider nicht allzu viel neue Fans einfahren. Obwohl das gebotene Material wirklich hochklassig war und ein wahrer Hard Rock-Fan erfreut die Hände ober dem Kopf zusammengeschlagen hätte, fühlten sich viele langjährige Hörer auf eine bestimmte Art und Weise vor den Kopf geschlagen. Zu wenig VIRGIN STEELE, zu viel Kommerz und Anbiederung...

Vorwürfe, die vor 15 Jahren noch dauernd laut wurden, dabei hatte das überhaupt nichts mit dem zu tun. David DeFeis hatte eine persönliche, schwere Zeit hinter sich und wollte einfach wieder etwas Neues unter die Leute bringen. Nachdem auch diese Konzept-Metal-Welle langsam abgeflaut hatte, versuchten sich die Jungs an etwas Neuem. "Life Among The Ruins" ist für mich persönlich das abwechslungsreichste und überraschendste Album der gesamten Diskographie der Band, auch wenn man es im Nachhinein sicherlich als Experiment bezeichnen muss, denn nie davor und auch nie mehr danach sollten VIRGIN STEELE eine Platte in dieser Machart aufnehmen.

Im Prinzip schade, denn "Life Among The Ruins" bietet zeitlose Rock-Tracks, die man sich auch heute noch gerne anhört und auch wenn es damals vielleicht ein "Ausrutscher" war, muss ich trotz allem offen zugeben, dass diese Scheibe ein starkes Stück Rock-Geschichte bereit hält, das jeder Rocker, der etwas auf sich hält, zumindest einmal gehört haben sollte.

Nachdem die Remaster-Welle nun schon beinahe jede länger aktive Band erfasst hat, haben sich auch VIRGIN STEELE dazu entschieden, drei ihrer Alben noch einmal in neuem Klang-Gewand zu veröffentlichen. Das Plattenlabel Dockyard1 hat sich dieser Aufgabe angetan und somit erschien auch "Life Among The Ruins" in zeitgemäßer Aufmachung inklusiver einer amtlichen Anzahl an Bonus-Tracks. Neben den offiziellen 15 Songs befinden sich nämlich noch vier weitere, bisher unveröffentlichte Songs auf der Scheibe. Es handelt sich hierbei um Live-Akustik-Versionen einiger Titel und dem überraschenden PRINCE-Cover "Purple Rain". Man kann also getrost sagen, dass es genug "value for money" gibt!

Im Endeffekt ist "Life Among The Ruins" eine überraschende Platte, die zeigt, dass Mr. DeFeis auch noch etwas anderes könnte, als nur "true" zu sein...



Bewertung: 4.0 / 5.0
Autor: mat (15.04.2009)

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