FAUST AGAIN - The Trial

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VÖ: 20.05.2009
Bandinfo: FAUST AGAIN
Genre: Metalcore
Label: Bastardized Recordings
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Lineup  |  Trackliste

FAUST AGAIN stammen aus unserem Fast-Nachbarland Polen und sind hierzulande wohl nur Insidern der corigen Metallschiene ein Begriff. Das 10-jährige Bandjubiläum feiern die fünf Jungs aus Grudziadz mit dem Release ihres dritten Longplayers „The Trial“, welcher musikalisch gesehen der bis dato interessanteste ist. Dem auf Circulation Records veröffentlichten Debüt „Seizing Our Souls“ folgte vor drei Jahren der Metalcore-Stampfer „Hope Against Hope“, mit dem FAUST AGAIN trotz Fehlen eines gewissen Innovationsbestandes und grober Dürftigkeit hinsichtlich erinnerungswürdigem Songmaterials, eine Standfestigkeit in der gehypten Szene erreichten. Mit dem Neuling „The Trial“ gibt man dem vergangenen 08/15 Gewurstel aber gehörig die Sporen.

Der Labelwechsel zu den deutschen Bastardized Recordings, die etwa CONVERGE oder SNATCH CLUB unter Vertrag haben, hat dem polnischen Quintett zu einer längst fälligen, eigenen Note verholfen. Die angepriesenen acht Songs erweisen sich bei erstmaligem Durchlauf rasch als dreizehn Stück, wobei aber schnell klar wird, dass man immer wieder Pausen einlegt und Horror- oder Science Fiction artige Soundcollagen in den Albumkontext einbindet, die den Hörfluss aber viel mehr stören als ihn zu entspannen. Dass dem Intro folgende „The Fountain“ überrascht den geneigten FAUST AGAIN Listener gleich einmal mit teils überbordendem Tempo, verstärkter Verneigung zum Death Metal und wirkt durch Shouter Marcin wie ein verzweifelter Versuch, Glen Benton’s Sangeskunst bei VITAL REMAINS in Metalcore-Manier zu imitieren. Netter Versuch, aus den Socken wird damit aber niemand gehauen. „Closed Eyes“ und „Call For Life“ erweisen sich als weitere Durchschnittsnummern, die am Wunsch, Anspruch und Progressivität mit Gebolze und Clean-Vocals zu vermischen, scheitern.

Interessant wird’s dann plötzlich, als man bei „Papillon“ endlich die gewohnte Dreschkeule auspackt und einfach mal straight nach vorne klopft. Die Besinnung bekannter Stärken lässt sich aus diesem Song heraushören – FAUST AGAIN sind weitaus besser, wenn sie es einfach und direkt machen. Auch das folgende „One Minute Dream“ knackt mit Doublebass-Stakkato und tief growlenden Vocals manch harte Schale und verbeugt sich an gewissen Stellen vor dem traditionellen Hardcore. „Voice Inside“ schippert höhepunktlos dahin um das 7-minütige, epische – und für Metalcore-Bereiche unübliche – „The End“ einzuläuten, dass der ruhigen Gitarre den Vortritt lässt um dann wieder ein coriges – mit Doublebass hinterlegtes – Riffgewitter loszulassen. Den Song um einige Minuten zu kürzen, wäre gewiss kein Fauxpas gewesen. Nach längerem Konsum befindet man sich gehörtechnisch in einer monotonen Endlosschleife.

FAUST AGAIN bemühen sich redlich, die bislang hart vermisste Selbstständigkeit zu finden und publik zu machen. Vergleiche mit früheren Releases sind auch nicht zulässig, doch die Polen scheitern im Großen und Ganzen an den zu hoch gesetzten, eigenen Ansprüchen. „The Trial“ ist zu sperrig für Metalcore-Maniacs und zu einfach, um die gewünschten Progressive-Death Einflüsse wirklich merkbar herausfiltern zu können. Die zweite Hälfte rettet nicht nur den gesamten Silberling, sondern auch die hier gegebene Bewertung.



Bewertung: 3.0 / 5.0
Autor: Robert Fröwein (14.05.2009)

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