Alestorm - Black Sails At Midnight

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VÖ: 29.05.2009
Bandinfo: ALESTORM
Genre: Power Metal
Label: Napalm Records
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Lineup  |  Trackliste  |  Credits

Auf der faulen Haut liegen die schottischen Piratenmetaller ALESTORM mit Sicherheit nicht. Vor einem guten Jahr hat man die tot geglaubte Szene mit dem fulminanten und unvergleichlichen Debüt „Captain Morgan’s Revenge“ in eindrucksvoller Weise wiederbelebt, um zehn Monate später die kleine, aber feine EP „Leviathan“ als hors d’oeuvre für den Zweitling „Black Sails At Midnight“ nachzuschießen. Die Briten haben längst ihren eigenen, bislang unkopierten Stil gefunden und entführen uns in eine weiteres Kapitel voller Abenteuer, Piraten, Rum, Schlachten, Säbelrasseln, Seekrankheiten, Wasserschlachten und heroischer Legenden und Mythen.

Am schunkelnden Besetzungskarussell wurde seit „Leviathan“ wieder gerüttelt und somit ist Ex-Bassist Dani Evans nun hauptverantwortlich für sämtliche Gitarrenarbeiten, während der nordirische Trunkenbold Gazz Murdock (Ex-WAYLANDER, Ex-RUNECASTER) den 4-Saiter bedient und die schottische Phalanx erstmals durchbricht. ALESTORM haben aufgrund ihrer steigenden Berühmtheit keinen Grund die erfolgreichen Pfade des selbsternannten „True Scottish Pirate Metal“ zu verlassen und beweisen dennoch verbessertes und fortgeschrittenes Songwriting, halten die zehn Tracks abwechslungsreicher und erweitern die Grenzen des instrumentalen Seeräubertums um einige Hektar besetztes Land. Der Enterhaken wird dabei nur in seltensten Fällen ausgeworfen, das weltmeerverunsichernde Quartett hält sich meist in Uptempo Gefilden auf und scheint den Spaßfaktor noch weiter hinaufgeschraubt zu haben. Bereits das eröffnende „The Quest“ macht keine Gefangenen und rauscht in bester Power-, Folk-, Piratemetal Manier durch die schottische See. Punktuelles und rasendes Drumming paart sich mit hitverdächtigen Gitarrenriffs die vom melodiösen, aber nie aufdringlich wirkenden Keyboard verstärkt werden. Das darauffolgende „Leviathan“ ist schon von der gleich betitelten EP bekannt, aber immer noch ein Rhythmusmonster vor dem Davy Jones wie ein winselnder Deckaffe wirkt. Unterhaltung und Kurzweiligkeit wird bei den Hobbypiraten immer noch als höchstes Gut angesehen und nichts anderes will der geneigte ALESTORM-Hörer von seinen Faves.

„That Famous Ol‘ Spiced“ und „Keelhauled“ sind wahre Heldenhymnen und Partysongs, die Bombast und Epik an oberste Stelle beordern, trotzdem unbeschreiblich schwungvoll und nach vorne treibend rüberkommen und die ganze Qualitätspalette der Seeräuber offenbaren. Auch Captain Jack Sparrow wird wohl große Augen bekommen, wenn er „To The End Of Our Days“ vernimmt, das ungewohnt ruhig und gemächlich von Heimweh und endlosen Routen erzählt und eine völlig unbekannte, aber gelungene Seite der Piraten zeitigt. Der Titeltrack „Black Sails At Midnight“ könnte als absoluter Thrash-Song mit Folkanleihen durchgehen und überrascht mit dieser markigen und ungewohnt brutalen Kante ein weiteres Mal. Mit „No Quarter“ schießt man sogleich einen flotten Instrumentaltrack nach, der gut und gerne als Vorlage für Fluch der Karibik 4 dienen könnte und unzählige Mitgrölpassagen bietet. Der „Pirate Song“ ist autobiografisch und durchschlagend wie Kanonenkugeln in des Feindes‘ Bug. „Chronicles Of Vengeance“ weist für ALESTORM sehr dunkle Züge auf und motiviert zur Hobbypiraterie. Das bereits bekannte „Wolves Of The Sea“ ist DER Partysong schlechthin und darf bei keiner bierseligen Runde oder einer rumgeschwängerten und rauchverhangenen Spelunkentrinkerei fehlen.

ALESTORM machen alles richtig und sogar noch besser. Den eigenkreierten und mit viel Freude und Herzblut arrangierten Sound hat man erweitert und durch fremde Genreeinsprengsel schlicht noch perfektioniert. Nach dem traurigen Split der teutonischen Piratenlegende RUNNING WILD können sich ALESTORM zudem als Monopolisten der alkoholvernichtenden Szene rühmen. Nachahmer - wie etwa SWASHBUCKLE - stehen in den Startlöchern, noch derweil gibt’s an ALESTORM’s Überlegenheit aber nichts zu bekritteln. Vom Songwriting über Produktion, vom Sound und dem klischeebeladenen aber passend skizzierten Cover bis hin zur beispiellosen Freude an der Musik im Allgemeinen passt hier alles. Es gibt auf diesem Sektor noch wenig Konkurrenz, aber selbst diese ist Lichtjahre davon entfernt, ALESTORM vom Papagei-bewachten Thron stürzen zu können.



Bewertung: 5.0 / 5.0
Autor: Robert Fröwein (21.05.2009)

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