Rancid - Let The Dominoes Fall

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VÖ: 01.06.2009
Bandinfo: Rancid
Genre: Punk
Label: Epitaph Records
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Lineup  |  Trackliste  |  Credits

RANCID – die kalifornischen 90er Jahre Vorzeigepunker sind wieder zurück. Das Traditionstrio Tim Armstrong (voc, git), Lars Frederiksen (git, voc) und Matt Freeman (bas, voc) wird durch den neu eingestellten Schlagwerker Branden Steineckert (Ex-THE USED) aufgewertet, der den vor drei Jahren ausgestiegenen Brett Reed ersetzt. Sechs Jahre haben die Cali-Punker gebraucht, um wieder aus der Versenkung aufzutauchen. Frederisen’s Lungenkrebs scheint gottlob kein Thema mehr zu sein und der längst fällige Nachfolger des überdurchschnittlichen „Indestructible“ wird auf den klingenden Namen „Let The Dominoes Fall“ getauft.

Schon nach dem ersten Durchlauf ist klar, dass die Sonnenstaatler nichts an Sympathie und Spielfreude eingebüßt haben. Der Opener „East Bay Night“ ist ein RANCID-Rotzer nahe der alten Schule – das Feuer des seligen und erfolgreichen Vorjahrzehnts scheint dem Quartett aber doch etwas abhanden gekommen zu sein. „Up To No Good“ lässt wieder altbekannte Ska-Linien einfließen und beweist einmal mehr, dass RANCID dann am stärksten sind, wenn sie belustigende Musik mit kritischen Texten vermengen. „Last One To Die“ spiegelt die gewonnene Reife der Herren wider – ein starker Song dem aber der entscheidende Hook fehlt, um sich zu den zahlreichen Bandklassikern zu reihen. Mit einer unerwarteten Stilvielfalt ist „I Ain’t Worried“ versehen, dass zwischen Reggae und Rap pendelnd mehr an den Nerven zerrt als überzeugen kann. RANCID verlassen sich ohnehin hauptsächlich auf die Stimme von Cheffe Tim Armstrong, dessen tonale Ergüsse in der letzten Dekade noch frischer und aggressiver wirkten. „Civilian Ways“ kann als tiefe Verbeugung von Hippie-Legende WILLIE NELSON gesehen werden. Jaja, schon richtig gehört! RANCID frönen in diesem Stück nämlich dem guten alten Country, kehren damit Seiten hervor die man von den Jungs nie und nimmer erwartet hätte. Der Track für sich selbst wirkt couragiert und gelungen, im Gesamtkonzept dieser Scheibe aber so fehlbesetzt wie Ahmadinejad im globalen Westen. Den Rest des Albums bleibt man auf der sicheren Seite und versucht, fast schon gezwungen und verzweifelt, die „good old days“ heraufbeschwören zu können, was den älter gewordenen Herren nicht so ganz gelingen mag.

„Let The Dominoes Fall“ kann im Großen und Ganzen als perfekter Querschnitt der RANCID-Diskographie gesehen werden. 19 Tracks mögen anfangs überraschen, die angedachte Quantität wird bei 45 Minuten Spielzeit aber nicht vollends ausgereizt. Brecher wie die Bandhymne „Time Bomb“ vom unerreichbaren Geniestreich „…And Out Come The Wolves“ findet man auf dem Neuling erwartungsgemäß nicht, für gutklassigen Stoff und die Aufrechterhaltung der wehenden Punk-Fahnen sind RANCID aber allemal noch zu haben. Nach sechsjähriger Wartezeit hätte man sich aber vielleicht auch etwas mehr als eine Laune machende Sommerscheibe erwarten können. Wer sich noch nicht sicher ist, ob er seine hart erwirtschafteten Euronen in die Hände der Musikindustrie legt, sollte sich zuvor „Civilian Ways“, „Dominoes Fall“, „Last One To Die“ oder „Skull City“ zu Gemüte führen, um sich die RANCID von Heute einverleiben zu können.



Bewertung: 3.0 / 5.0
Autor: Robert Fröwein (03.07.2009)

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