Lacrimosa - Sehnsucht

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VÖ: 08.05.2009
Bandinfo: LACRIMOSA
Genre: Gothic Rock
Label: Hall Of Sermon
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Lineup  |  Trackliste

LACRIMOSA - Kunst oder Krempel? Seit 1990 ist der Gothic-Meister Tilo Wolff nun schon im Musikgeschäft unterwegs und vier Jahre später hat er in der Finnin Anne Nurmi auch eine kongeniale Gespielin gefunden, die ihn seither in seinem musikalischen Schaffen hervorragend unterstützt. Knapp zwanzig Jahre nach der Gründung der Schweizer Band, wird mit "Sehnsucht" der zehnte Longplayer ihrer Karriere vorgelegt und wiederum gilt die Devise - entweder man mag diese beiden eigenwilligen Musiker oder eben nicht! LACRIMOSA sind wie ein abstraktes Gemälde, das man einerseits als hohe Kunst betrachten und andererseits als künstlerisches Unvermögen bezeichnen und milde belächeln kann. Mir geht es beim Hören einer LACRIMOSA-Platte genauso. Irgendwie bin ich mir nie sicher, ob Tilo Wolff ein äußerst begnadeter Musiker und Künstler ist, der auf einer eigenen Ebene agiert oder ob der gute Schweizer einfach nur abgehoben ist und Massenware am Fließband ablegt. Sei, wie es sei, Wolff und Nurmi legen auf alle Fälle wieder ein sehr vielschichtiges Album ab, zu dem der gewählte Titel "Sehnsucht" hervorragend passt.

Zehn Titel haben den Weg auf die schwarz-weiß verzierte Platte gefunden und das Cover-Artwork orientiert sich natürlich wieder stark an den Vorgängeralben. Neu ist, dass LACRIMOSA mit dem Zehn-Minüter "Die Sehnsucht in mir" den längsten Song der gesamten Scheibe ablegen und der Rest der Titel sich eher in normalen Spielzeitgefilden aufhält. Diese Entwicklung kann man im Gothic-Bereich durchaus als Innovation bezeichnen, denn LACRIMOSA sind normalerweise für ihre ausufernden, epischen Songlängen bekannt. Der traurige Clown zeigt aber trotz allem erneut, was er künstlerisch alles zu bieten hat. Auch drei englische Titel wurden wieder eingesungen, wobei vor allem "I Lost My Star In Krasnodar" mit ausufernder Eingängigkeit überzeugen kann. Auf "Feuer" geht es etwas härter zu, im Refrain werden aber quasi als Kontrapart Kinderchorpassagen eingebaut, die dem Titel wieder etwas an Härte nehmen. Natürlich gibt es auch viele ruhige Momente ("Call Me With The Voice Of Love") und den obligaten Rock-Song, den ich dieses Mal in Form von "Mandira Nabula" entdeckt habe.

"Sehnsucht" ist nicht nur der Titel der Scheibe, sondern die ganze Platte dreht sich um eben diese Thematik. Sehnsucht, Schmerz, aber auch die Hoffnung stehen im lyrischen Vordergrund, wobei der Abschlusstrack "Koma" das ganze Spektrum in einem Song vereint. "Sehnsucht" ist ein sehr vielseitiges Album geworden, das man sich als LACRIMOSA-Fan ohne Zweifel und Bedenken zulegen kann. Für alle, die von Wolff und Co. bis jetzt nichts gehalten haben, können auch hier getrost den Kauf verweigern, denn auch wenn LACRIMOSA auf "Sehnsucht" sehr frisch klingen, hat sich die musikalische Ausrichtung nur minimalst verändert. Für Einsteiger in die LACRIMOSA-Welt scheint sich "Sehnsucht" aber perfekt zu eignen, da das ganze Album sehr eingängig gestaltet ist (soweit bei den Schweizern möglich!) und dadurch zugänglicher ist als noch der Vorgänger "Lichtgestalt". "Sehnsucht" ist ein überzeugendes Album, kein Karriere-Highlight, aber ein würdiger Nachfolger des gutklassigen Backkatalogs.

Was mich persönlich stört, ist der immer noch sehr eigenwillige Gesang von Tilo Wolff. Stimmlich wird sich bei dem Schweizer wohl nicht mehr viel bessern, denn der gute Mann klingt nach fast zwei Dekaden noch immer gleich schräg wie zum Beginn seiner langen Karriere. Der Gesang ist ein Fall für sich und auch das ganze kompositorische Schaffen von LACRIMOSA muss einem gefallen. Wie gesagt, entweder Kunst oder Krempel. Einigen wir uns an dieser Stelle auf einen Mittelweg zwischen künstlerischem Potential und ungeheurem Glück, mit dieser Musik so lange erfolgreich zu sein...



Bewertung: 3.5 / 5.0
Autor: mat (17.09.2009)

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