Dry Conditions - Into The Night (Black Light)

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VÖ: 09.10.2009
Bandinfo: Dry Conditions
Genre: Hardcore
Label: Cargo Records
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Lineup  |  Trackliste  |  Credits

Nicht alles was glänzt, ist auch Gold. So betrachtet ist der zweite Longplayer der Posthardcoreler DryConditions ein zweischneidiges Schwert. Zum einen bieten die gut 35 Minuten ein gesundes Maß an Energie, Charme und Mitgehfaktor (Stichwort: „Death on the Dancefloor“), zum anderen rauscht das dreckige Dutzend meist bei einem Ohr rein und ungebremst rechts wieder raus – die kleinen Widerhaken, die da zwingend nötig wären um ein längeres Überleben zu garantieren finden sich ausnahmslos in der (spannenderen) zweiten Halbzeit! Und das an Pink Floyd angelehnte Coverartwork macht die Sache auch nicht einfacher für den unwissenden Konsumenten …

Vom Hardcore zum Postcore und wieder zurück – wenn DryConditions nicht gerade klingen wie Thursday , Hot Water Music oder alte Thrice dann wird in den drei Interludien kräftig am Postrockkäfig geschraubt: „Having a Drink with Martin Luther King“ ist schon rein vom Songtitel länger wie der eigentlich aufspielende Track, zeigt aber auch den Willen der Band an. Nicht nur rein in die alten Pantoffeln , sondern auch mal kräftig den starken Mann raushängen lassen („Up and Running“ dient da als Paradebeispiel) - und wenns sein muss darf durchaus experimentiert werden … auch wenns nur im kleinen Rahmen bzw. den angedeuteten Zwischenspielen passiert.

Zwanghafte Keif-Attacken, formelhaftes Songwriting oder effekthaschende Oberflächlichkeit sucht man hier vergebens. Ebenso aber auch grossartige Songs. Erstaunlich ist ebenso die Tatsache, das keiner der elf Songs bei all der (authentischen) Simplizität ins Belanglose kippt - zumal beim anfangs Mitgröhl-kompatiblem „Velvet“ ebenso die drögen Billy Talent wie die Gefahr von eierlosem Bubblegum-Stadionrock um die Ecke lugen . Gefahr erkannt, Gefahr gebannt: nach dem elektronischen Häppchen auf Track Sieben reichen die Zürcher eine Schippe Energie und Ideen nach, die den Karren galant aus dem Dreck ziehen - „Anaemia“ und „City Sind Rondo“ sind fast schon progressive Bewegungsmelder, die alte Maiden-Harmonien ebenso wie dreckigen Punk/HC in forschen Dreiminütern vereinen und die anfangs aufgetischten 08/15-Singalongschnittchen beinahe vergessen machen. Solos, Harmonien, längere Instrumentalausritte (wobei „länger“ hier relativ gesehen werden muss, schliesslich sind wir hier nicht im Progrock) ???
Alles im überschaubaren Bereich, aber spannend wie sich der Rundling in der kurzen Zeitspanne entwickelt – vom einfach gestrickten Genretrittbrettfahrern hin zum verspielt aufrockenden ÜberDenTellerand-Blickern .
Womit das an „The Dark Side of the Moon“ gemahnende Artwork somit wieder etwas mehr Sinn ergibt. Aber noch sind DryConditons musikalisch von PinkFloyd in etwa so weit weg wie der Mond von der Erde….



Bewertung: 2.5 / 5.0
Autor: PMH (12.10.2009)

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