Rammstein - Liebe Ist für Alle Da

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VÖ: 16.10.2009
Bandinfo: RAMMSTEIN
Genre: Metal
Label: Universal Music Austria
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Lineup  |  Trackliste

RAMMSTEIN ist RAMMSTEIN und wird wohl immer RAMMSTEIN bleiben. Auch gibt der Band der unglaubliche Erfolg durchaus recht ihr Erfolgsrezept keinen Millimeter zu ändern. Ebenso werden RAMMSTEIN immer und überall versuchen zu provozieren, kaum eine andere Band kann es sich leisten einen Videoclip (für die aktuelle Singleauskoppelung „Pussy“) lediglich auf einem Erotikportal online zu stellen und derart mit der Hardcore Ecke zu kokettieren, dass ein Airplay von vornherein ausgeschlossen ist. Nebenbei sei bemerkt, dass „Pussy“ einer der schwächeren Beiträge auf dem neuen 11 Tracker geworden ist, da haben die Mannen um Sänger Till Lindemann weit potentere (im wahrsten Sinne des Wortes!) Tracks am Start….

… den Opener „Rammlied“ zum Beispiel, der nach kurzem Intro über knappe fünf Minuten lang über einen hinwegstampft und sicherlich auch live der etatmäßige Opener werden könnte. Auch tritt die Polarisierung wieder aufs Tablett – diejenigen, die RAMMSTEIN sowieso verehren, anbeten, huldigen, werden den Track (wie das gesamte Album) abgöttisch in ihr Herz schließen, die kritischen Zeitgeister werden mit dieser Band auch nach „Liebe ist für alle da“ nicht warm werden und sich nach wie vor widerwärtig abwenden. Ich sitz da irgendwo zwischen diesen beiden Polen, sehe als RAMMSTEIN’s Meisterstück noch immer das 1995 gereichte „Herzeleid“ Album an und stehe gerade den letzten Outputs wie „Reise, Reise“ und „Rosenrot“ einigermaßen kritisch gegenüber.

„Liebe ist für alle da“ muss man gar nicht kritisch beäugen, zu stark ist das Album geworden, die vierjährige Pause hat der Mannschaft anscheinend gut getan, vergessen sind die etwas trägen Kompositionen der letzten beiden Werke, textlich des Öfteren bitterböse, nur die Naiven unter uns mögen glauben, dass der Albumtitel so was wie Versöhnlichkeit suggeriert, RAMMSTEIN sind schonungslos und in vielen Aussagen beinhart, aber immer realitätsnah! Musikalisch und Lyrisch überrascht die Band mit den von ihnen schon zur Genüge zur Schau getragenen bitterbösen, ironischen Texten („Ich Tu Dir Weh“ ist BDSM zum Quadrat, wirklich köstlich die Nummer!), witzigen Intros („Waidmann’s Heil“), gefällt mit leichten DEPECHE MODE Anleihen („Haifisch“), und setzt in „B******“ auf im Hintergrund für Stimmung sorgende, dezente Bläserarrangements (sonst auch eines der Highlights auf dem neuen Album die Nummer!). „Fruehling in Paris“ ist die Weichspüler Nummer, wenn man das so nennen möchte, RAMMSTEIN goes französische Chansons, mit einem großartigen Til Lindemann, der von Album zu Album wandlungsfähiger wirkt.

„Wiener Blut“, ist thematisch sicher das heißeste Eisen des neuen Albums, setzt sich mit der Inzest Affäre in Amstetten auseinander (subtile Herangehenesweise a la RAMMSTEIN: „Komm mit mir, Komm auf mein Schloss, Da wartet Spaß im Tiefgeschoss, Leise, leise woll'n wir sein, Den Augenblick von Zeit befreien, Ja, das Paradies liegt unterm Haus, Die Tür geht zu, Das Licht geht aus“ …. „Keiner kann hier unten stören, Niemand, niemand darf uns hören, Nein, man wird uns nicht entdecken, Wir lassen uns das Leben schmecken, Und bist du manchmal auch allein, Ich pflanze dir ein Schwesterlein, Die Haut so jung, Das Fleisch so fest, Unter dem Haus ein Liebesnest“ … „Und wanderst du im tiefen Tal, Seid ihr bereit?, Und sei dein Dasein ohne Licht, Seid ihr soweit?, Fürchte kein Unglück, keine Qual, Macht euch bereit, Ich bin bei dir und halte dich, Ich halte dich in der Dunkelheit, In der Dunkelheit“), stilisiert sich aber allein durch die Bedrücktheit, die schiere Verzweiflung, die hier in Musik gefasst wurde zum besten und herausragendsten Track auf „Liebe ist für alle da“!

Über „Pussy“ breite ich den Mantel des Schweigens, auch weil nach etlichen Rotationen die erste Single irgendwie das schwächste Glied (ACHTUNG: ironischer Unterton, für alle die den Videoclip kennen!) der elf Nummern geworden ist. Verträglich, aber kein Highlight der Titelsong, „Mehr“ reiht sich dann wieder in die Riege der besseren Beiträge ein, leichte elektronische Spielerei zu Beginn, und der wohl abwechslungsreichste Track so far! Als Abschluss spendieren uns RAMMSTEIN dann noch den Roten Sand, balladesker Stoff, wieder ein bedrückender Text, mit absolut genialem Gepfeiffe garniert der ideale Nachdenker um mit dem „Rammlied“ eine weitere Runde einzuläuten!

Kaufempfehlung und so Dingens spar ich mir, die Scheibe wird sowieso weggehen wie die warmen Semmeln morgens um Sechs beim Bäcker Eures Vertrauens! Wenn mir jedoch zum Abschluss eine persönliche Anmerkung erlaubt sei: RAMMSTEIN haben seit „Mutter“ nicht mehr so gut, so überzeugend und so harmonisch geklungen!

“Liebe ist für alle da” erscheint übrigens in der Standard Edition als schmuckes Digipack und weiters wird es eine Special Edition, die 5 zusätzliche Bonus-Tracks („Führe Mich“, „Donaukinder“, „Halt“, „Roter Sand [Orchester Version]“ und „Liese“) enthält, geben. Darüber hinaus wird das neue Album auch als Doppel-Vinyl veröffentlicht!



Bewertung: 4.0 / 5.0
Autor: Reini (19.10.2009)

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