POEMA ARCANUS - Timeline Symmetry

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VÖ: 00.09.2009
Bandinfo: POEMA ARCANUS
Genre: Doom Metal
Label: Aftermath Music
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Lineup  |  Trackliste

Grenzenloser Optimismus scheint im Metal nicht unbedingt zu den vorrangig angepriesenen Charakteristika zu zählen. Und doch gibt es in dieser Subkultur einige Aspekte, die an und für sich problematische Teilbereiche des modernen Lebens wie die Globalisierung und die rasante Entwicklung der Kommunikationstechnologien (die das Leben jedes Einzelnen bisweilen rastlos werden lassen) mit positiven Elementen versehen. So scheinen sich weite Teile der Metal Szene zu freuen, mal ein musikalisches Kleinod aus fernen, bzw. „exotischen“ Landen vor sich zu haben. Veröffentlichungen aus Chile zählen durchaus zu dieser Kategorie, da man bis auf CRIMINAL nicht viele Bands aus diesem Land kennt. Voila, hier sind POEMA ARCANUS, die zwar bereits seit 1992 existieren, für den Gros der europäischen Fanschicht aber unbekannt sein werden.

Doch mal ehrlich – ist die Herkunft einer Band nicht nebensächlich, wenn die musikalische Leistung nicht zufriedenstellend ist? Somit kehren wir dem „Exotenbonus“ den Rücken und achten auf die nackte Wahrheit!
Wenn ein Plattenlabel dann noch davon spricht, wie einzigartig eine Band klingt und welche progressiv anmutende Mischung aus verschiedenen Stilen dem Hörer kredenzt wird, stellen sich mir bereits die Nackenhaare zu Berge. Doch die Wahrheit ist: In diesem Falle stimmen die Angaben!

POEMA ARCANUS machen Doom Metal mit progressivem Einschlag, der sich selbst keinerlei Grenzen auferlegt. Dabei ist “Timeline Symmetry“ kein monolithischer Hassbrocken, sondern ein variables, stimmungsvolles Album, bei dem jeder Song eine eigene Färbung hat.
Dabei kommt auch die Melodie nicht zu kurz, was z.B. beim überragenden “Raven Humankind“ deutlich wird: Dabei werden verschiedene Vokalnuancen genützt (von bitterbösen Death Growls über wunderschöne, dunkle Klargesänge bis hin zu leicht weinerlichem Säuseln), die für eine unglaubliche Bandbreite an Emotionen sorgen. Trotz der epischen Natur des Songs bleibt die Struktur nachvollziehbar und der Refrain einprägsam. Eine Mischung aus Melancholie, Depression, düsterer Schönheit und Aggression muss genau so klingen!
Doch es geht noch düsterer: In “The Average Man’s Odyssee“ wagt man zwischendurch einen kurzen Ausflug in den Black Metal, der sich in den Doom Kontext des Songs einfügt. Hierbei weicht die Melodie der Dunkelheit. Ein weiteres Highlight stellt “By the Cliff“ dar, bei dem der starke Sänger Claudio Carrasco wie eine dunkle Version von Warrel Dane klingt (nicht die schlechteste Referenz, hm?). Weiter geht es mit dem bisweilen etwas flotteren “This Once Long Road“ und dem auf Spanisch vorgetragenen „Alter“, das gesanglich etwas an MOONSPELL erinnert. Wenngleich der Abschluss des Albums weniger markant klingt als der einprägsame Beginn, gilt es insgesamt doch eine überraschend eigenständige Leistung dieser Band zu vermerken.

Natürlich gibt es auch für POEMA ARCANUS musikalische Vorbilder. Sie zu definieren gerät für Außenstehende aber zu einem Ratespiel: OPETH lugen mal um die Ecke, die bereits genannten MOONSPELL ebenso, das Gothic Genre ist partiell relevant und natürlich finden verschiedenste Auswüchse des Doom Genres (von den deathigeren Versionen bis zu den traditionelleren Bands) Beachtung. Und doch ist “Timeline Symmetry“ eigenständig, bisweilen gar originell und - vor allem -qualitativ hochwertig! Einige Ideen der Band sind wahrlich Gold wert und sollten ebenso gewürdigt werden.
Das Fazit: Freunde der anspruchsvollen, aber nicht selbstverliebt zelebrierten Musik mit einem Hang zur musikalischen Düsternis sollten zumindest die angeführten Songs mal antesten. “Timeline Symmetry“ ist zwar progressiv, aber für geübte Ohren sicherlich nicht überfordernd. Ob aus Chile oder Pölfingbrunn: Ein schönes Stück Metal – wie eben dieses – sollte gewürdigt werden!



Bewertung: 4.0 / 5.0
Autor: El Greco (17.11.2009)

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