IHSAHN - After

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VÖ: 29.01.2009
Bandinfo: IHSAHN
Genre: Progressive Metal
Label: Candlelight Records
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Lineup  |  Trackliste  |  Credits

Norwegens dunkelster Musiker ist wieder zurück, um die Erde einem progressiven Beben auszusetzen. IHSAHN, der stets exzellent gewandete Business-Metaller beginnt das neue Jahr mit einem weiteren Lehrstück dunklen Progressiv-Metals, der sich in keine noch so breit gefächerte Schublade einordnen lässt. Mit den beiden SPIRAL ARCHITECT Muckern Asgeir Mickelson (dr) und Lars K. Norberg (bass) scheint er auf „angL“ hochzufrieden gewesen zu sein, denn das nordländische Duo unterstützt IHSAHN auch auf seinem neuen Machwerk „After“, das die erste Trilogie des jung gebliebenen Ex-EMPEROR Masterminds komplettiert.

Vom legendären Black Metal seiner richtungsweisenden Vergangenheitscombo ist IHSAHN schon seit Jahren befreit. Sein Soloprojekt zeichnet sich durch die dunkle und dem Metal atypisch beiwohnende Instrumentalkunst aus, die – ohne zu übertreiben – getrost als heroische Einzelleistung angesehen werden kann. Große kommerzielle Erfolge kann und will IHSAHN auch nicht einfahren, die Kunst steht stets im Vordergrund. Was im Vergleich zu seinen Erstlingen „The Adversary“ und eben „angL“ als erstes auffällt, ist die kontinuierlich steigende Kompositionsausschweifung. Hat sich IHSAHN einstmals an einen gewissen Längenkodex gehalten, überschreiten auf „After“ gleich zwei Tracks die Zehn-Minuten-Marke. Beginnen tut das ehrgeizige Projekt mit dem schwarzmetallisch angehauchten „The Barren Lands“, das mit klirrenden Gitarrenläufen aufwartet, aber trotzdem intensiv genug in die Gehörgänge des Hörers rollt, um ihm die Möglichkeit eines landschaftlichen Kopfkinos zu gewähren. „A Grave Inversed“ sticht völlig aus der Masse heraus, drückt (ungewohnt) mächtig auf das Gaspedal und erinnert an Death Metal Combos der Marke DESPISED ICON oder ZYKLON. Die Einfachheit wird durch den Saxophon-Einsatz von Jorgen Munkeby (SHINING) ad absurdum geführt – das bekannte Jazzinstrument war IHSAHNs größter Wunsch für „After“ und wird auch dementsprechend oft eingesetzt.

Der Titeltrack lässt sich niemals aus der Ruhe bringen und plätschert gemütlich dahin, zeigt auch IHSAHNs Talent für emotionalen Klargesang, der sich homogen und passend in das Gesamtbild einfügt. „Frozen Lakes On Mars“ bricht sämtliche Grenzen, befindet sich im progressiven Todesbereich und überzeugt mit zig verschiedenen Vokalversionen IHSAHNs, der sich von tief über hoch bis klar keine Möglichkeit nehmen lässt, seine einzigartige Stimme einzusetzen. Der erste epische Track mit Überlange nennt sich „Undercurrent“ und darf sich zu den absoluten Highlights auf dem komplexen Werk zählen. Die Ruhe vor dem Sturm täuscht, Ibanez-Liebhaber IHSAHN hat für „After“ erstmals mit einer 8-saitigen RG gearbeitet und hinterlegt den hörbaren Beweis für die erweiterten Klangcollagen. Das Saxophon wird auch hier stark eingesetzt, verwässert den Sound aber zu stark. „Austere“ ist so etwas wie die depressive Ballade der Norweger, die erst gen Ende aus ihrem klanglichen Winterschlaf erwacht, um nochmal mit den tighten Gitarrenspuren zu überzeugen. „Heavens Black Sea“ ist die Schlachtplatte auf „After“, die sich vom treibenden Drumming Mickelsons tragen lässt und verstärkt in den (für viele) seligen Black-Bereich geht. IHSAHN lässt auch astreine Solis aus der Klampfe sprudeln, das (marginal vorhandene) Saxophon ist aber wieder eine schwer lösbare Streitsache. Abgeschlossen wird das Werk mit dem trägen „On The Shores“, das die Qualität des restlichen Albums nicht ganz halten kann. Der Sound ist überladen, zu viele Details stören das Hörvergnügen.

IHSAHN und seine Mitstreiter sind dann am besten, wenn sie, trotz der klassischen Progressivität, vermehrt die Geschwindigkeit erhöhen. „After“ ist erwartet schwierig und komplex zu hören – mit zwei oder drei Durchläufen konnte man noch kein Album IHSAHNs erfassen. Der unbedingte Wille, ein Saxophon in das Gesamtwerk einzubauen war vielleicht eine gute Idee, wirkt in der Umsetzung aber oftmals nervig und mühsam. Freunde der komplexeren Vertonung werden mit dem neuen Werk des intellektuellen Rotwein-Metallers ihre helle Freude haben. All jene, deren Aufmerksamkeitsspanne nicht weit genug ausgeprägt ist, brauchen sich über eine Anschaffung des Werkes keinen Kopf zerbrechen. Bei IHSAHN wird neben dem Hören auch das Denken im Übermaß beansprucht.



Bewertung: 4.0 / 5.0
Autor: Robert Fröwein (16.01.2010)

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