Freedom Call - Legend of the Shadowking

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VÖ: 29.01.2010
Bandinfo: FREEDOM CALL
Genre: Melodic Metal
Label: SPV / Steamhammer
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Lineup  |  Trackliste

Lange habe ich auf dieses Album gewartet, lange habe ich mit Freude gewartet, lange habe ich aber auch mit Bedenken gewartet. Denn der Vorgänger 'Dimensions' war meiner Meinung nach weder gut noch ein Album von Freedom Call, sie hatten einfach alle Trademarks weggeschmissen.
Von daher habe ich vor dem Erhalten dieses Albums viel gezittert und gebangt.

Dann gab es die ersten Infos: Der Albumtitel. Und der ist, da wird wohl keiner was sagen, sehr episch und typisch für Power Metal.
Danach leider eine lange Zeit nichts. Bis plötzlich auf einen Schlag das Cover und die Tracklist da waren. Und auch die lassen nichts schlechtes erwarten.
Doch es geht um die Musik. Und wie ist die?

Da ich nicht viel erwartete, ging ich relativ neutral an das Album heran – und war begeistert!
Gleich zu Beginn ertönt ein mächtiger Chor, der in eine High-Speed-Hymne übergeht – 'Out of the Ruins', Freedom Call, wie sie sein müssen!
Nach diesem Song waren meine Zweifel gebrochen, so stark kehren Freedom Call zurück, sie auferstehen 'Out of the Ruins'!
Auch vom textlichen her kann die Band punkten, denn es wird das tragische Leben Ludwigs II. vertont, König von Bayern und Bekannter von Richard Wagner.

Auch die nächsten Songs können voll und ganz mit den typischen Freedom Call-Eigenarten überzeugen. Chris Bay singt unglaublich gut, die Gitarren sind auf High-Speed gestellt und Dan Zimmerman darf sich auch wieder austoben.

Als zweites folgt 'Thunder God', der auch komplett überzeugen kann und sehr, sehr eingängig ist.
Ein Iron Maiden-Artiges Riff am Anfang erinnert mich stark an 'Wasted Years', was aber kein Nachteil ist. Der Refrain ist mindestens genau so episch, wie es der Titel erwarten lässt.

Und weiter geht es mit den beiden großartigen Krachern – meine Lieblingssongs – 'Tears of Babylon' und 'Merlin – Legend of the Past'.
Beide stellen Freedom Call zu ihren Hochzeiten dar, in 'Tears of Babylon' regiert die Epik und die großen Gesten, ein Keyboard steht über allem, während die Gitarren schön im Stakkato-Rhythmus spielen. Viele Chöre, viel Klasse!
Ebenso gut, wenn nicht besser, haut 'Merlin – Legend of the Past' rein.
Ein recht schneller Song mit viel Doublebass und schnellen Gitarrenleads im Hintergrund, genau so etwas will ich hören!
Der Refrain ist hochmelodisch und gespickt mit Schlüsselwörtern – 'Legend', 'Dragon', 'Angels'... ihr versteht schon.

Auch klasse ist 'Resurrection Day', kann zwar gegen die Vorgänger nicht mithalten, ist aber dennoch großartig.

Dann, in der Mitte des Albums, folgen 3 Merkwürdigkeiten, 3 Songs, die absolut Freedom Call-untypisch sind – sich aber gut ins Gesamtkonzept einpassen. Etwas düsterer, Bay singt tiefer – was mal passt und mal nicht. In 'Under the Spell of the Moon' klingt es eher schlecht. Der Mann kann hoch singen, dann soll er es auch tun! Der Refrain bleibt zwar so, ist aber trotzdem eingängig. 'Dark Obsessions' hingegen hätte ich von einer Gothic Metal-Band erwartet wie Nightwish, Epica und Co.
Sehr zuckersüße Keyboards, ein Opernartiger Gesang am Anfang – sehr hoch und lang gezogen.
Dieser Song geht aber in Ordnung.

Etwas schlechter ist aber 'The Darkness'. Sehr düster, sehr untpisch und zugleich eher langweilig kommt der Song bei mir an. Das einzige Gute ist die dynamische Strophe mit fetten Drums, die zum Headbangen verleitet. Der Rest ist irgendwie zähfließend und belanglos.

Etwas Großartiges hebt aber schnell wieder die Stimmung, denn mit 'Remember', der mit einem Happy-Intro beginnt, legen Freedom Call einen klasse Melodic Power Metal-Song ab, der auch so auf 'Crystal Empire' stehen könnte. Natürlich kommt viel Doublebass im Song vor, ebenso ein großer Keyboard-Teppich. Sehr gut!
Nicht das beste aber interessanteste Stück dient als Einleitung für 'The Shadowking': 'Ludwig II. - Prologue' zeigt Chris Bay in deutscher Sprache!
Er singt einen Monolog, der der Geschichte dient, mit einem altdeutschen Akzent. Später im Song jedoch zeigt er seine wahre Fähigkeit: Opern- oder auch Musical-Sänger. Seine Stimme hat sehr viel Kraft, auch in tieferen Lagen und mit viel Vibrato klingt es toll.

Mit einem melodischen Riff beginnt dann der 'Fast-Titel-Song' 'The Shadowking'.
Dieser spiegelt Freedom Call zu ihrer Dimensions-Zeit wieder, was bei mir normalerweise nicht gut ist. Dennoch kann dieser Song mit guten Riffs und Keyboard-Einsatz überzeugen. Chris Bay singt etwas rauer, was gut zum gesamten Song passt. Nur die Bridge finde ich sehr störend.
Der Refrain ist gewohnt gut, melodisch und eingängig.

Ein kurzes Zwischenspiel folgt mit 'Merlin – Requiem', das einfach nochmal das Thema von 'Merlin – Legend of the Past' aufgreift. Dennoch fügt es sich gut ins Gesamtkonzept ein.

Sehr rockig und modern kommt 'Kingdom of Madness' daher – vom Namen hätte ich etwas anderes erwartet. Der Song ist auch eher ein Ausfall und kann nicht wirklich überzeugen. Aber immer noch besser als Dimensions.

Ebenfalls interessant ist der letzte Track 'A Perfect Day' – hochmelodisch und mit Einzählung am Anfang kommt es einem so vor, als würde einem zu Beginn ein Punk-Song ins Gesicht springen. Der Song ist auch ein wenig so angelegt, hört sich aber im Endeffekt genauso an wie 'Mr. Evil' von Dimensions. Wirklich, er klingt genauso, ist aber sehr eingängig und gefällt mir.

Nach diesem Album können Freedom Call wieder voll überzeugen bei mir, die Schmach von Dimensions ist gelöscht – das tolle, neue album überwiegt. Höre ich Songs wie 'Tears of Babylon' oder 'Merlin', fühle ich mich in die Eternity/Crystal Empire/ Stairway to Fairyland-Zeit zurückversetzt.
Einzig und allein die drei Songs in der Mitte sind gewöhnungsbedürftigt, fügen sich aber nach einigen Durchläufen perfekt ein.

Ja, Freedom Call ist wieder eine meiner Lieblingsbands.



Bewertung: 4.5 / 5.0
Autor: Steelbound (07.02.2010)

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