DIORAMIC - Technicolor

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VÖ: 25.01.2010
Bandinfo: DIORAMIC
Genre: Post-Rock
Label: Lifeforce Records
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Lineup  |  Trackliste

Was den derzeitigen Stand von progressiver und harter Musik in Verbindung mit zwingenden Melodien trifft, scheint es ja so zu sein, dass eine Art Sättigungsprozess erreicht wurde. Natürlich gibt es immer wieder ganz annehmbare Alben, großteils veröffentlicht von schon etablierten Künstlern, sozusagen den „üblichen Verdächtigen“. Das letzte Mal, dass in Deutschland eine junge Band in diesem Bereich auf sich aufmerksam gemacht hat, war wohl das 2008 erschienene Debüt von LLYNCH, das ja nicht nur bei uns für Furore gesorgt hat. Nun haben unsere Nachbarn aber mit DIORAMIC den nächsten Pfeil im Köcher, der mit dem dieser Tage erscheinenden „Technicolor“ für mehr Farbe im progressiven Metalbereich sorgen will.

Und schon beim ersten Hördurchlauf muss man eingestehen, dieses Trio hat seine Hausaufgaben gemacht. Nachdem in den letzten Jahren ein Album in Eigenregie veröffentlicht und die bis dato letzte Veröffentlichung gar Demo des Monats im Musikmagazin Visions wurde, setzt man nun zum großen Wurf an. Den Beginn macht dabei „Ghost In The Machine“, das schon mal alle möglichen Stile zusammenführt und gekonnt zu kombinieren weiß. Ein ruhiges Intro trifft hier auf ein Death Metal Riff, groovende Parts und Keyboardklänge sind ebenso vertreten. Wer glaubt, das würde alles doch gar nicht zusammenpassen oder gar beliebig klingen, der irrt gewaltig. DIORAMIC verstehen es wie derzeit wohl keine zweite Band, unterschiedlichste Stilrichtungen zu verknüpfen. „Black Screen Goodbye“ klingt dabei zu Beginn gar nach good old PANTERA, bevor wird die Komplexität in musikalischer Form zuschlägt und doch leichtfüßig mit Melodien hantiert wird. Erste wirkliche Höhepunkte sind dann „The Antagonist“ sowie das übermächtige „Eluding The Focus“, bei dem auch eine gewisse Nähe zu MUSE, sowohl stimmlich als auch klangtechnisch, deutlich wird. Nur eben mit den Mitteln des Metal. Vor allem das Ende des letztgenannten Songs kann mit einem epischen Sound und einer großartigen Melodie punkten.

Der Gesang wird hier beinahe brüderlich geteilt, ist Gitarrist Arkadi doch für beinahe alle Clean Gesänge und die Screams zuständig, während Basser Jochen die tiefen Frequenzen gekonnt vertont. Und darüber, dahinter und teilweise auch dazwischen drischt Drummer Anton nur so auf die Felle seines Schlagwerks ein, mal virtuos und abwechslungsreich, dann wieder ganz dem Groove des Songs ergeben. Es fällt schwer, hier wirklich einzelne Nummern in ihrer Gesamtheit zu analysieren, würde dies doch erstens den Rahmen sprengen und zweitens dem Rest nicht gerecht werden. Erwähnt sei trotzdem kurz noch das Abschlussdoppel. „Roses & Echoes“ zeigt als vorletzte Nummer, dass man sehr wohl gegen Ende eines Albums noch für Überraschungen sorgen kann. Nachdem im Beginn GLASSJAW zitiert wird, wird der Sound in der Strophe sehr reduziert, bevor wieder die Hölle losbricht. Gegen Ende darf dann eine südländisch klingende Gitarrenmelodie noch mal kurz das Licht durchscheinen lassen, bevor der düstere Gevatter Doom auf ein Stelldichein vorbeischaut. Und die letzte Nummer „Debris“ bringt zwar keine hervorstechenden Neuerungen, präsentiert aber alle Höhepunkte von „Technicolor“ noch einmal auf einer Länge von achteinhalb Minuten. Einfach großes Kino.

Hätte man nun etwas besser machen können? Wohl kaum, denn dank eines immensen Ideenreichtums wird diese Platte einerseits nie langweilig, bietet andererseits aber genügend ohrwurmtaugliche Passagen, um nicht vollends zu zufransen und zu hektisch zu wirken. Einige, kleinere Durchhänger im Mittelteil sind damit auch kompensiert. Bleibt letztlich nur zu fragen, wie man das zu dritt auf der Bühne umsetzten will (respektive zu viert, mit Max Nicklas am Keyboard). Einfach wird das sicherlich nicht, setzten DIORAMIC sich doch selbst mit einem großen Album gehörig unter Druck. Aber man kann diesen drei Jungs doch einiges zu trauen, so viel steht fest. Somit schon zu Beginn des Jahres 2010 ein wirkliches Highlight!



Bewertung: 5.0 / 5.0
Autor: chris (21.01.2010)

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