Dream Evil - In The Night

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VÖ: 22.01.2010
Bandinfo: Dream Evil
Genre: True Metal
Label: Century Media Records
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Lineup  |  Trackliste

Die Schweden haben sich diesmal etwas Zeit gelassen, bis sie am 22.01.2010 dann ihr heiß ersehntes 5. Studioalbum veröffentlicht haben. Knapp 4 Jahre zogen ins Land, bis ein Nachfolger zu United gefunden war, aber nun hat das Warten ein Ende und wir bekommen mit In the Night ein neues Werk präsentiert. United hatte seinerzeit einiges zu bieten, gerade Songs wie „Blind Evil“ konnten voll überzeugen und finden sich auch heute noch häufiger in meinen Gehörgängen wieder. Mich störte lediglich, dass es kein kontinuierlich starkes Album war, da es nämlich auch Ausfälle zu beklagen gab mit dem etwas sehr stumpf wirkenden „Higher“ z.B. Allerdings erwartet man nach etwas längerer Abstinenz natürlich eine Besserung in jeglicher Hinsicht und ob diese eingetreten ist, werdet ihr nun erfahren.

Man fackelt nicht lange und drückt sofort recht ordentlich aufs Gaspedal mit dem Opener „Immortal“. Was anderes hatte ich aber ehrlich gesagt auch nicht erwartet. Erneut eine sehr druckvolle Produktion, die keineswegs zu steril wirkt und natürlich wird man wie gewohnt von sehr dicken Riffs begrüßt. Über den Gesang von Nick Night muss man nicht viel sagen, absolute Perfektion in diesem Genre, eine richtige Röhre, die für den Heavy Metal einfach geschaffen wurde. Der Refrain ist gewohnt eingängig und zeigt sofort die Stärken der Schweden. Man bringt ganz bewusst nichts wirklich Neues zum Vorschein, aber das muss man auch nicht. „Immortal“ ballert ordentlich und macht definitiv Spaß. Der Mittelteil wird dann noch ein bisschen hymnenhaft und lässt so manchen Hörer sicher schön mitgrölen. Ähnlich wie mit dem Gesang ist es auch mit den Soli der Jungs, da gibt es einfach nie was zu bemängeln und das zeigt sich auch in diesem Song. Der fette Mittelpart wird auch am Ende noch mal aufgegriffen, aber diesmal wird er etwas weiter fortgesetzt, bis man nur noch Nick’s Gesang im Ohr hat. Definitiv ein würdiger Opener.

Der Titeltrack macht da weiter, wo „Immortal“ aufgehört hat. Er dröhnt förmlich aus den Boxen auf einen ein und zeigt im Großen und Ganzen dieselben Stärken, wie sein Vorgänger. Das Tempo wurde zwar minimal gedrosselt, aber das tut der Qualität dieses Songs keinen ab. Der Refrain ist etwas mehr aufs Publikum zugeschnitten und wird live sicher die ein oder andere Bühne zum abfackeln bringen. Mit 3:15 weist der Song auch eine recht kurze Spielzeit auf, aber man macht das Beste draus und belastet diesen Heavy Metal Kracher nicht mit irgendwelchen unnötigen Spielereien.

„Bang your head“ dürfte den meisten schon bekannt sein, da es sich dabei um den ersten Song handelt, der für die Promotion dieses Albums online gestellt wurde. Eigentlich brauche ich auch hier keine großen Worte verlieren, da man seine Linie konsequent fortführt und das ist auch alles andere als negativ gemeint. Zwar wirkt das Album bis hierhin schon etwas eintönig, doch ist die Qualität der bisherigen Songs auf so einem hohen Niveau, dass man gewiss darüber hinwegsehen kann. Im Refrain ist vielleicht hervorzuheben, dass der gute Nick hier stark nach Rob Halford klingt, der seines Zeichens gern mal die höheren Kreischtöne an den Tag legt. Das macht Nick aber sehr gekonnt und für meine Begriffe auch um einiges besser als Rob Halford, auch wenn ich mit dieser Meinung vielleicht alleine da stehe. „Bang your head“ bringt jedenfalls genau das mit sich, was der Titel schon sagt und so wird der ein oder andere Kopf mit Sicherheit kreisen, bis der Nacken streikt.

Mit „See the light“ bringt man nun aber doch die nötige Abwechslung rein und geht für Dream Evil Verhältnisse in eine etwas andere Richtung. Soll heißen, dass der Song nicht mehr so ballert, sondern viel eher nach einer typischen Power Metal Nummer klingt, die sich ähnlich präsentiert, wie „Blind Evil“ vom Vorgängeralbum. Der Refrain ist hier sehr prägnant und stellt auch ganz klar das bisherige Highlight auf dem Album dar. Weniger Gröltauglich, aber dafür definitiv ein größerer Ohrwurm, als die bisherigen Songs. Der Mittelteil erinnert mich ganz stark an Rage, da das Riff mich an einen Song von eben genannter Band erinnert…Der Titel will mir grad nicht einfallen, aber Fans der Band wissen, wovon ich spreche. Dennoch fügt sich der Mittelpart sehr gut in den Song ein und verleiht ihm etwas mehr Härte.

„Electric“ drückt dann doch wieder eher auf die Tube und wirkt zuerst so, wie es die ersten 3 Songs taten. Doch im Refrain zeigt sich wiederum das Gegenteil. Der Song gehört am Refrain gemessen doch wieder eher in die Power Metal Sparte, obgleich er diesmal düsterer und atmosphärischer wirkt, als es noch bei „See the light“ der Fall war. Das Solo gefällt mir sehr gut und ist absolut charakteristisch für diese Band. Im Mittelteil wartet man mit einer verzerrten Stimme auf und baut noch mal ordentlich Stimmung auf, bevor der letzte Refrain einsetzt.

Nun wollen wir die erste Hälfte des Albums mit „Frostbite“ beenden. Jener Song beginnt 1:1 wie der Song „Greed and Vanity“ von der Band Celesty. Hört mal rein und ihr werdet sofort die Parallele erkennen. Hier bekommt man zudem sehr kurzweilige Strophen serviert und einen Refrain, den man zuerst vielleicht für eine Bridge halten mag. Soll allerdings nicht heißen, dass er einen schlechten Eindruck hinterlässt, viel eher einen falschen. Dennoch überzeugt der Song, da man den eben angesprochenen Refrain nicht so eindeutig gestaltet, wie es noch bei den vorigen Songs der Fall war. Spätestens, als der Refrain das 3. Mal anklingt, ist man absolut von dem Song begeistert, da er einfach das gewisse Etwas hat. Zudem klingt er fast schon etwas böse von der Grundstimmung her und das macht irgendwie Spaß

„On the wind“ leitet nun die 2. Hälfte des Albums ein und ich kann schon vorwegnehmen, dass es sich hierbei um den Power metallischsten Song handelt. Das wird schon mit dem Eingangsriff deutlich und spätestens der Refrain lässt da keine Zweifel mehr offen. Genau so stellt sich denk ich mal jeder Metal Hörer einen absolut typischen Power Metal Song vor. Bei der ersten Rotation von „In the Night“ ging dieser Song irgendwie total an mir vorbei. Allerdings konnte er sich recht positiv entwickeln von Durchlauf zu Durchlauf. Vor allem das sehr druckvolle Solo weiß zu überzeugen und reißt den Hörer mit. Ansonsten gibt es hier nicht wirklich etwas hervorzuheben.

Falls sich wer bei der Tracklist noch wundern sollte, der Titel „The Ballad“ ist korrekt. Genau dieser Song erklingt gerade mit sanften Pianoklängen und stellt sich sofort als typische Ballade dar. Hört man dann allerdings mal genauer auf den Text, so kann man sich das ein oder andere schmunzeln sicher nicht verkneifen. Textzeilen wie „Even if we’re stained with blood, you know, we got that sexappeal“ sind doch schon sehr übertrieben. Allerdings muss man hier auch anerkennen, dass sich die Band selbst auf die Schippe nimmt und mit einem zwinkernden Auge kann man über den Text definitive hinwegsehen, zumal der Song musikalisch sehr gut ist. Auch der Refrain wirkt eigentlich recht ergreifend, doch bleibt da natürlich immer der Text im Hinterkopf und so betrachtet man die Ballade als Ganzes doch eher als Funsong. Wer gern Manowar hört, der wird sich an so einem Text sowieso nicht stören, von daher geht das in Ordnung.

Auch „In the Fires of the sun“ erinnert mich am Anfang irgendwie sehr stark an die alten Rage, diese Riffs waren seinerzeit einfach sehr prägnant für Rage und daher kommt immer sofort dieser Vergleich auf. Davon ab bekommt man aber ansonsten wieder einen recht typischen Dream Evil Song serviert. Der Refrain ist sehr hymnisch und mitreißend, daher geht er auch sofort gut ins Ohr. Folglich wartet man mit einem langen Solo auf, dass wieder einmal zeigt, dass ein absoluter Könner die Gitarre in den Händen hält. Im letzten Refrain bindet man dann noch mal einen Chor mit ein, der den Song noch mal ein ganzes Stückchen fetter klingen lässt.

„Mean Machine“ beginnt ziemlich druckvoll und weckt mit dem Riff das folgt, eine recht hohe Erwartung in mir, da es einfach genial klingt. Als dann aber letztlich der Refrain einsetzt, sind alle Erwartungen wie weggeblasen. Ich bin fast eingeschlafen, so langweilig wirkte der Refrain auf mich…Man muss kein Kenner sein, um nun zu erkennen, dass es sich um den mit Abstand schwächsten Song handelt. Dazu muss ich eigentlich nichts Weiteres erwähnen, da der Song einfach nicht mehr gerettet werden kann.

Mittlerweile sind wir schon beim vorletzten Track angekommen und der Titel verspricht hier einen druckvollen Mitgrölsong. Genau dieses Versprechen kann er auch absolut einhalten. Der Refrain besteht eigentlich nur aus dem Titel selber, dieser wird 2-mal wiederholt, obwohl man beim 2. Mal nur ein „Forever“ hinten anhängen muss. Wer hier mehr erwartet hat, braucht sich natürlich nicht zu wundern. Bei solch einem Titel konnte man nur einen Ballersong erwarten, der zum mitgrölen einlädt und genau das ist wie eben schon erwähnt auch der Fall

„The unchosen One“ stellt nun auch schon den letzten Song auf In the Night dar. Wider Erwarten lockt man den Hörer hier mit recht untypischen Tönen für Dream Evil Verhältnisse. Man wird von schönen Streichern begleitet, die den Song von Anfang an sehr episch wirken lassen. Die Strophen wirken aber an sich noch recht schnörkellos, aber im Refrain platzt dann dieser Knoten und ein kleines Epic Feuerwerk wird gezündet. Dicker weiblicher Chor und ein ENORM starker Gesang von Nick Night, so gut hab ich ihn auf dem Album noch nicht gehört. Der Mann weiß einfach, wie man den Songs ihren ganz eigenen Charakter verleiht. So bildet der letzte Track mit Abstand das stärkste, was Dream Evil auf diesem Album vorzuweisen haben, da gibt es keine Zweifel. Der Song klingt zwar wie beschrieben recht untypisch für diese Band, aber dennoch passt er sehr gut ins Gesamtbild und man hätte keinen besseren Song für den Abschluss finden können. Mehr Songs von der Sorte und Dream Evil könnten sich vielleicht mal von der Riesengroßen Menge an Heavy/Power Metal Bands absetzen.

Fazit: In the Night wirkt als Ganzes definitiv stärker, als sein Vorgänger, auch wenn es zwischenzeitlich sehr eintönig rüber kommt. Dennoch kann man mit Songs wie „See the light“ und vor allem „The unchosen one“ sehr angenehme Akzente setzen, die sich auch gern als Highlights bezeichnen lassen. Für Fans des Genres stellt sich die Frage sowieso nicht, da muss man sofort zuschlagen. Für die, die einen teils etwas höheren Anspruch stellen in Sachen Vielschichtigkeit, die sollten vorher ein Ohr riskieren, bevor sie blind zuschlagen. Dennoch findet man hier eigentlich nur einen wirklichen Ausfall mit „Mean Machine“ vor und so hält man am Ende ein sehr kompaktes Werk in den Händen, was bei einigen sicher öfters zum rotieren kommen wird.



Bewertung: 4.0 / 5.0
Autor: Steelbound (08.02.2010)

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