Julien Damotte - Trapped

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VÖ: 09.03.2010
Bandinfo: Julien Damotte
Genre: Progressive Metal
Label: Eigenproduktion
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Lineup  |  Trackliste

Zugegeben, JULIEN DAMOTTE war mir bislang ein unbekannter Name im (Progressive) Metal-Bereich; dieser Tage bringt der gute Mann aber sein erstes Soloalbum namens "Trapped" heraus, und wird damit versuchen, in die ätherischen Sphären des internationalen Prog-Zirkus aufzusteigen.

Und das könnte ihm auch durchaus gelingen; denn auf "Trapped" zeichnet der gute Herr nicht nur für Lead & Backing Vocals, sondern auch für Gitarre und Bass verantwortlich; und nebenbei hat er noch zahlreiche Gastkünstler wie beispielsweise Gus Monsanto (ex-ADAGIO und neuerdings ja Sänger bei Timo Tolkkis Neo-Projekt REVOLUTION RENAISSANCE) mit an Bord geholt, um sein Solo-Debüt zu veredeln.

Nun darf man sich von "Trapped" freilich keine leichte Kost für Zwischendurch erwarten; aber der geneigte Prog-Hörer will ja sowas ohnehin nicht. Vielmehr geht es nach einem kurzen, atmosphärisch dichten Intro, das deutlich an die Genregötter von PAIN OF SALVATION erinnert, mit dem "Opening Chapter" auch gleich instrumental los, ehe dann auf "The Voice Within Your Soul" erstmals auch ganz gute Vocal-Leistungen erbracht werden.

Produktionstechnisch ist das Scheibchen leider ein zweischneidiges Schwert; denn wo die Gitarren sicherlich ordentlich drücken, da fällt leider der ungenießbare Drumcomputer höchst unangenehm auf. Klar kann man sich bei solchen Produktionen nicht immer die Studiozeit leisten, die man gerne hätte, und da wird dann eben gespart, wo es möglich ist, und die künstlichen Drums sind da eine gern gewählte Option; leider sind diese aber natürlich auch sehr steril, und saugen so den sonst dichten, atmosphärischen Kompositionen etwas das Leben aus.

Tja, und vom Songwriting her gibt es auch nicht viel zu meckern; die Strukturen sind natürlich erwünschenswert vertrackt, die Soli flitzen flink über diverse Griffbretter, und wie für Prog-Verhältnisse üblich, erschließen sich dem Hörer die Songs sicher nicht beim ersten Durchhören. Zitate von Bands wie eben PAIN OF SALVATION oder vor allem auch VANDEN PLAS sind dabei deutlich rauszuhören; leider verabsäumt JULIEN DAMOTTE bei aller handwerklicher Kompetenz leider etwas, das aber gerade diese Bands auszeichnet: Denn zwar mag Herr Damotte ordentlich shreddern, und auch ordentlich solieren - doch die großen harmonischen Momente, die eben bei den wirklich starken Genrebands immer wieder passieren, bleiben hier großteils aus.

Zwar ist es ganz gefällig, wenn dann bei "Eternal Love" mal die Akustik-Klampfen ausgepackt werden, und bei "Dying" die Keyboards mal ein bisschen harmonischen Spielraum bekommen; generell ist mir auf "Trapped" aber zu viel Fokus auf Instrumentalparts um ihrer Selbst Willen, die aber nicht originell oder bewegend genug gestaltet sind, um im Alleingang - ohne unterstützende wichtige harmonische Momente im Gesang - bestehen zu können. Ich denke, wenn man hier im Songwriting ein bisschen ausgewogener agierte, und den Gesangslinien mehr Freiräume auf Kosten der Instrumentalisierung gäbe, würde "Trapped" deutlich homogener daherkommen. So bleibt ein handwerklich zwar sicher sehr gutes, auf emotionaler Ebene aber etwas verkümmertes Progressive Metal-Album, das für Fans der oben genannten Bands (aber etwa auch von SYMPHONY X - man sehe sich etwa "The Inner Struggle" genauer an!) sicher interessant sein dürfte, aber umgekehrt wohl auch bald zu Gunsten von zwingenderen Genrereleases wieder aus den Playern dieser Welt verschwinden dürfte. Ach ja - und nett wär's auch, wenn man beim nächsten Mal ein bisschen den Bass zurückdrehen könnte; mein Gott, der walzt ja hier phasenweise alles nieder!

Nichtsdestoweniger liefert JULIEN DAMOTTE mit "Trapped" ein durchaus formidables Solo-Debüt ab; und dass der Herr was von seinem Handwerk versteht, ist damit sicherlich außer Frage gestellt. Es wird abzuwarten bleiben, ob hier auf zukünftigen Werken ein bisschen der Abwechslungsreichtum gefördert werden kann - denn dann steht dem Franzosen sicher auch eine weiterhin sehr erfolgreiche Karriere im internationalen Progressive-Zirkus bevor.



Bewertung: 3.0 / 5.0
Autor: Dragonslayer (27.02.2010)

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