Emergency Gate - The Nemesis Construct

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VÖ: 30.04.2010
Bandinfo: Emergency Gate
Genre: Melodic Death Metal
Label: Twilight Vertrieb
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Lineup  |  Trackliste

Mit EMERGENCY GATE’s Viertwerk “The Nemesis Construct“ liegt mir nun eine Veröffentlichung vor, die diversen Genregrenzen prinzipiell zu trotzen versucht. Die Gebiete, in denen man bevorzugt wildert, sind zwar der moderne Metal, sowie der Melodic Death, doch auch elektronische Spielereien und klassische Zitate sind EMERGENCY GATE nicht fremd. “The Nemesis Construct“ verlangt von seinem Hörer, Scheuklappen zu ignorieren und sich offen an die Materie heranzuwagen. Doch wer den Werdegang von EMERGENCY GATE kennt, weiß ja inzwischen, dass genau dieses „sich zwischen den Stühlen bewegen“ das große Markenzeichen der Band ist.

Während das letzte Werk qualitativ noch etwas zu durchschnittlich war, bewegt man sich mit “The Nemesis Construct“ eindeutig gen internationale Stärke. Die Tour mit KREATOR dürfte sich ausgezahlt haben, da das Songmaterial noch um einiges prägnanter und damit live-tauglicher wirkt. Auch jene Prägnanz des Songmaterials lässt sich als Trademark der Band bezeichnen. Die typischen Ingredienzien eines EMERGENCY GATE Songs umfassen demnach einen synthie-lastigen Beginn, dicke Gitarrengrooves und ein Wechselspiel aus growls und klaren Vocals. Vor allem der Klargesang von Sänger Matthias Kupka prägt die Songs, da die Refrains äußerst melodisch, aber keineswegs kitschig klingen.
Leider werden die synthetischen Elemente bisweilen etwas überstrapaziert: So entfalten manche Songs nicht ihr ganzes Potenzial, da die Gitarren großteils lediglich als Rhythmusinstrument verwendet werden. Manche Keyboardmelodie durch Gitarrenmelodien zu ersetzen, bzw. auf etwas Synthieballast zu verzichten, könnte in der Zukunft zu einer noch stärkeren Gesamtleistung führen.

Doch dieser Kritikpunkt soll die prinzipiell starke Leistung nicht schmälern. Besonders gut sind EMERGENCY GATE immer dann, wenn sie das beschriebene Konstrukt hinter sich lassen und für Abwechslung sorgen. So ist das Duett zwischen Matthias und Tom Englund (EVERGREY) namens “Dark Side of the sun“ als absolutes Highlight zu bezeichnen. Hier sorgen zwei großartige Sänger mit ihren konträren Stimmen für einen modernen Metalhit. Zu begeistern weiß auch das manische “Story of a Psychopath“, welches weniger melodisch aus den Boxen dröhnt und mit seinem differenzierten (Sprech-)Gesang für einen dezenten Stilbruch sorgt. Ebenfalls als „wohltuend anders“ zu bezeichnen ist “ As My Bride Cries Blood“, das trotz aller Eingängigkeit auch etwas Tristesse transportiert und sich deutlich vom status quo der Band abhebt.
Während viele Bands zu Beginn einer CD ihre besten Songs präsentieren und am Ende deutlich nachlassen, legen EMERGENCY GATE mit den letzten drei Songs noch mal einiges vor: Nach dem härteren “Diary Of Nightmares“, bei dem der Wechsel zwischen den beiden Welten (namens Härte und Melodie) besonders eindrucksvoll erfolgt, variiert Sänger Matthias auf “In Vain“ abermals seinen Stil und klingt dank der tiefen, rauen Vokalelemente bisweilen gar an Ville Laihilo. Die Erinnerung an SENTENCED bezieht sich aber natürlich nur auf die Vokalstruktur, da der Song sonst durchaus „typisch“ für EMERGENCY GATE ist. Im Rausschmeisser “World Escape“ lassen wiederum SCAR SYMMETRY grüßen, mit denen man doch so manche Gemeinsamkeit hat. Die bayrische Herkunft hört man EMERGENCY GATE keinesfalls an, da sie in erster Linie schwedisch und partiell auch amerikanisch (d.h. recht modern und – in den Refrains im positiven Sinne - temporär poppig) klingen.

“The Nemesis Construct“ beweist, dass EMERGENCY GATE auf dem richtigen Weg sind. Vor allem Sänger Matthias überzeugt auf ganzer Linie und wird der Band wohl noch viel Freude bereiten. Wenngleich “The Nemesis Construct“ eine in dieser Stärke sicher nicht zu erwartende Veröffentlichung darstellt, bleiben ein paar Kritikpunkte zurück, die einer Sensation leider vorbeugen. Wie bereits erwähnt, wäre manche Fokussierung auf unterschiedliche Nuancen des Gitarrenspiels an einigen Stellen sinnvoller als der oftmals überstrapazierte Gebrauch von synthetischen Klängen. Doch immer dann, wenn sich EMERGENCY GATE einen Dreck um Konventionen scheren und sich selbst zu überraschen scheinen, werden sie richtig gut. Demnach mein Tipp an die Musiker: Traut euch noch mehr, überrascht uns noch öfter! Erst dann wird sich euer vorhandenes Talent zur Gänze entfalten.



Bewertung: 3.5 / 5.0
Autor: El Greco (19.04.2010)

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