Ancient Bards - The Alliance Of Kings

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VÖ: 26.02.2010
Bandinfo: ANCIENT BARDS
Genre: Symphonic Metal
Label: Limb Music
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Lineup  |  Trackliste

Tja, RHAPSODY (mit oder ohne "Fire") haben sich die Herrschaften der ANCIENT BARDS nicht nur aus Jux und Tollerei in den Promotext reingeschrieben; stattdessen versucht man auch, den Stil der glorreichen Italiener sehr deutlich in die eigene Musik einfließen zu lassen. Und so beginnt das - wie könnte es anders sein - Konzeptwerk um das - ich zitiere - "Black Crystal Sword" (was wurde nur aus den Emerald Swords?!) und den bösen Herrscher Sandor (Xandor? Xandir?!) auch gleich mal stilecht mit einem kurzen (leider nicht von Christopher Lee) gesprochenen Intro, ehe man mit der flotten Uptempo-Powermetalnummer "The Birth of Evil" in die "Alliance of Kings" einsteigt.

Der augenfälligste Unterschied nun zu den Genrevätern und Landsmännern der ANCIENT BARDS ist nun, dass die Barden mit einer Dame als Sängerin aufwarten, was aber gerade bei italienischen Bands dieses Genres auch nicht gerade untypisch ist. Klar kann auch eine (relative) Newcomerband nicht mit dem perfekten Bombast-Sounds wie eben RHAPSODY aufwarten; im Songwriting-Bereich eifert man aber jedenfalls den großen Vorbildern bis ins Detail nach. Das fängt bei der schon erwähnten Konzeptstory an, führt über die zahlreichen barocken und neoklassischen Zwischenspiele von Gitarre, Bass und Keyboard bereits im Opener hin zu den vereinzelt auch eingebrachten mittelalterlich-folkloristischen Einspielungen. Soweit, so RHAPSODY.

Tja, und damit ist eigentlich auch schon alles gesagt, was über die ANCIENT BARDS gesagt werden kann. Eine nicht uncharmante Kopie der Herren um Luca Turilli und Fabio Lione, wobei aber insbesondere Frontsirene Sara Squadrani leider nicht an die Klasse eines Herrn Lione (der aber, das muss ja zugegeben werden, sicher zu den besten Sängern des Genres zählt) herankommt. Bei den Instrumentalisten geht aber durchwegs alles in Ordnung, insbesondere die zahlreichen Gitarren- und Bass-Soloparts können von den handwerklichen Fähigkeiten der Truppe beredtes Zeugnis ablegen.

Aber man biedert sich halt in fast allen Belangen eine Spur allzu dicht an RHAPSODY (OF FIRE) an... angefangen bei der besprochenen "Black Crystal Sword" (*hüstel*)-Saga, über Songtitel wie "Nightfall in Icy Forest" (Hansi Kürsch hat gerade in diesem Augenblick eine Out-Of-Body-Experience), dem scheinbar obligatorisch gewordenen italienischen Titel "Lode Al Padre", über "Daltor The Dragonhunter" (was wurde nur aus Dargor, dem Shadowlord of the Black Mountain?! Also jetzt reichts dann echt langsam...) bis hin zu der ebenfalls in bester RHAPSODY-Tradition stehenden überlangen Schlussnummer "Faithful To Destiny" - irgendwie scheint man fast schon gezwungen darum bemüht, den großen Genrevorbildern möglichst in absolut jedem Detail nachzueifern. Sich bei erfolg- und einflussreichen Genrebands Inspiration zu holen ist ja eine Sache; aber irgendwo muss dann auch mal eine Identitätsgrenze gezogen werden - hier wird aber schon fast musikalisches Stalking betrieben, und es scheint, als würden sich die ANCIENT BARDS gerne die Skalps der RHAPSODY-Leute überziehen. Und das mein ich jetzt nicht in einem sprichwörtlichen Sinn.

Wer sich daran aber nicht stößt, der bekommt mit "The Alliance Of Kings" ein astreines, gefälliges Symphonic Metal Album serviert, das mit handwerklicher Profizienz, gelungenem Songwriting und genug starken Hooks und bombastischen Momenten punkten kann, um auch einen zweiten oder dritten Durchlauf zu rechtfertigen. Ein bisschen mehr eigene Identität wäre vielleicht in der Zukunft ganz schön; bis dahin begnügen wir uns aber einfach mit einer Handvoll schöner Songs und ignorieren mal die allzu dreisten Kopierversuche.



Bewertung: 3.0 / 5.0
Autor: Dragonslayer (13.04.2010)

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