ABSCESS - Dawn Of Inhumanity

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VÖ: 15.03.2010
Bandinfo: ABSCESS
Genre: Death Metal
Label: Peaceville Records
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Lineup  |  Trackliste  |  Credits

Kaliforniens Obersicko Chris Reifert meldet sich wieder tatkräftig zurück. Als Ex-DEATH Drummer und Allzeitlegende der wieder lebendigen (?) AUTOPSY umweht den Exzentriker natürlich der Wind des Sagenhaften. Sein Hauptprojekt ABSCESS bringt in den bisherigen 16 Jahren Bandgeschichte auch schon die sechste Full-Length aufs Parkett, die zweite unter dem Peaceville Sublabel Tyrant Syndicate Productions, das bekanntlich unter der Obhut der norwegischen Waldschrate Fenriz und Nocturno Culto steht. Das von Dennis Dread gestrichelte Covermotiv lässt keinen Zweifel über die Richtung offen: hier wird dem ultrabösen, lavaartig dahinplätschernden Old-School Death Metal gehuldigt.

Mit einem sphärischen Intro beginnt der erste Grabeswühler namens „Goddess Of Filth And Plague“, der für ABSCESS Verhältnisse fast schon Hektik verbreitet und mit den treibenden Gitarrenläufen des Duos Bower und Coralles vorangetrieben wird. In stoischer Ruhe verbreitet der kontroversielle Glatzkopf seine abartigen Botschaften über Blut, Beuschel und Eiter. Im perversen Klangkosmos des modrigen Quartetts finden dissonante Gitarrensolos genauso Platz, wie die grottig kranken Grunz/Kreisch Vokalverquickungen des Bandchefs. Neben den deutlichen Anleihen am guten alten Punk („Torn From Tomorrow“, „Divine Archtitect Of Disaster“) gibt es auf „Dawn Of Humanity“ zahllose Verbeugungen vor dem treibend-wühlenden Doom Metal („Never Sane Again“, „The Rotting Land“, „Dead Haze“). Dass man dabei unweigerlich an die großen AUTOPSY denken muss, lässt sich aufgrund der oftmaligen Gleichheit der Kompositionen nicht leugnen. Zähflüssig und mit einer unfassbaren Sickness versehen, gibt es im neuen Jahrtausend kaum noch Bands, die den kompromisslosen Old-School Death derart eindringend und abartig aus dem Rachen würgen, wie Reifert und seine Spießgesellen.

Eine Warnung muss dennoch ausgesprochen werden. Wer auf glatt gebügelte Hochglanzproduktionen steht, sich nach dem durchschnittlichen Ami-Death sehnt oder einfach nur voll auf die Mütze will, wird die neue ABSCESS sehr schnell verstauben lassen. Derart mumifiziert und verwesend tönt anno 2010 nichts Vergleichbares aus den Boxen. Auf zwei Songs gibt’s auch noch gesangliche Unterstützung der beiden DARKTHRONE Zwillinge. Wer ABSCESS etwas abgewinnen kann, muss den 40er überschritten haben oder ein Höchstmaß an Toleranz und Offenheit besitzen. Nach dem neuen MASTER Album auf jeden Fall das zweite Highlight der alten Schule in dieser Saison, obwohl die knappe Stunde auf nüchternem Magen möglicherweise nicht so gut bekommt.



Bewertung: 3.5 / 5.0
Autor: Robert Fröwein (24.04.2010)

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