Annihilator - Annihilator

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VÖ: 17.05.2010
Bandinfo: ANNIHILATOR
Genre: Metal
Label: Earache Records
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Lineup  |  Trackliste

Das Epiphone-Werbemodel und Thrash-Urgestein Jeff Waters meldet sich nach Live-Album und DVD vom Masters of Rock wieder mit einem Studiowerk zurück. Die Hartschmiede Earache hat die kanadischen ANNIHILATOR-Grinsekatze unlängst unter Vertrag genommen. Die letzte Konstante im jährlich wechselnden Bandgefüge ist mittlerweile der ewig jugendliche Dave Padden, der bereits das vierte Mal mit dem Einsingen der Vocals betraut wurde. Nachdem weder das All-Star Werk „Metal“, noch der minderwertige Vorgänger „Schizo Deluxe“ für besondere Qualität sorgten, ist die Hoffnung auf ein knackiges Holzfäller-Werk größer denn je.

Die kanadische Zwei-Mann-Armee startet mit einem epischen Sieben-Minuten Groover namens „The Trend“, der berechtigte Hoffnungen auf eine Leistungssteigerung aufkeimen lässt. Eine nachvollziehbare Rhythmussektion paart sich mit Waters‘ typischen Solowixereien, die den ehemaligen Kern des grundsoliden Nordamerika-Thrash-Metals gerechter werden, als seine handzahmen Silberlinge der letzten Dekade. Die typisch modernen Einflüsse lassen sich aus den variablen Vokal-Präsentationen Padden’s heraushören. Zwischen aggressivem Thrash-Shouting und gewöhnungsbedürftigen Klargesangsversuchen, bastelt sich der SILENT STRAIN-Mucker eine mühsame und langatmige Mischkulanz zusammen. „Coward“ setzt hauptsächlich auf Geschwindigkeit und verwandelt sich in der Songmitte zu einem astreinen Riffmassaker. Das Thrashen scheint der grau melierte Kurzhaarträger wohl doch noch nicht verlernt zu haben. „Ambush“ ist ein gnadenloser Nackenbrecher, der sich sogar mit Gang-Shouts schmückt und die Ambivalenz des Waters’schen Kompositionsgehabe noch mal dick unterstreicht. Mit dem eingängigen und flott riffenden „Betrayed“ hat man sogar eine Highspeed-METALLICA Nummer am Start, die sich vor allem durch Paddens hymnischer Sangeskraft aus dem Durchschnitt schält.

Mit „25 Seconds“ gehen ANNIHILATOR ganz neue Wege. Nach einem experimentell anmutenden Auftakt fühlt man sich durch das Aggro-Shouting und die leicht eingestreuten Core-Einsprengsel an moderne SWORN ENEMY erinnert. Durch die langweilige Instrumentierung wirkt der Mittelteil des Albums aber zu austauschbar und beliebig, um sich dauerhaft im Kopf festsetzen zu können. Mit „Nowhere To Go“ begibt sich good old Jeff wieder auf den Pfad der Schädelspalter und lässt einen treibenden Mid-Tempo Track aus den Amps sprudeln. Auf den überflüssigen und wuchtbremsenden Klargesang verzichten die Kanadier leider wieder nicht. „The Other Side“ rockt sich eindringlich und gliederzuckend ins Trommelfell, erstmals fühlt man sich leicht an die glorreichen 90er Jahre erinnert. Den Punch des Anfangsriffs kann Waters dennoch keine vier Minuten halten. Das knackige „Death In Your Eyes“ rollt mit viehischer Präzision durch die Gehörgänge, überzeugt mit zahlreich eingebauten Breaks und programmatischem Drumming. Das schale „Payback“ wirkt nur in den griffigen Zwischenpassagen, die mit zahlreichen Mähnenschüttlern ausgestattet sind. Ansonsten versucht sich Mister Waters mit aufgesetztem Zwang in das enge Korsett der Moderne zu stecken, was dem Song viel an Drive nimmt. Zum Abschluss packen ANNIHILATOR noch das VAN HALEN-Cover „Romeo Delight“ auf den Rundling, dass der gute Mann wohl hauptsächlich als Fingerübung herangezogen hat, aber durch die Verhärtung des Originals überraschend lange im Ohr bleibt.

ANNIHILATOR gehören seit Bandbestehen zu den Paradebeispielen ewiger Meinungsdivergenzen. Mit dem dreizehnten und einfallslos selbstbetitelten Studiowerk, gelingt Waters und Padden trotz allem ein Schritt nach vorne. Die großen Zeiten der Nordamerikaner sind schon seit dem hochklassigen „King Of The Kill“ passe, die neue Scheibe verpackt aber nicht nur unfassbare 66 (!!) Solos in zehn Tracks, sondern hat auch wieder gehörig Feuer unterm Arsch. Den Groove Metal hat man zugunsten verstärkter Thrash-Anteile wieder zurückgeschraubt, das ganze Teil wirkt durchschlagender und härter. ANNIHILATOR spielen längst nicht mehr in der ersten Liga des Ami-Metal, aber mit dem neuen Zehn-Tracker verdient das dynamische Duo wieder positive Kritiken.



Bewertung: 3.5 / 5.0
Autor: Robert Fröwein (03.05.2010)

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