Enforcer - Diamonds

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VÖ: 24.05.2010
Bandinfo: ENFORCER
Genre: Speed Metal
Label: Earache Records
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Lineup  |  Trackliste

In Schweden rockt es sich doch am besten. Die Stockholmer Senkrechtstarter ENFORCER, die vor zwei Jahren mit dem Debütalbum „Into The Night“ in ICE-Geschwindigkeit die Szene beackert haben, sind wieder von der Leine gelassen worden. Und das mit einigen Neuerungen. Neben dem Stammlabel Heavy Artillery wird das heiß ersehnte Zweitwerk „Diamonds“ in Europa über die prestigeträchtigen Earache Records publiziert. Zudem sind die Spandex-Fetischisten zu einem Quintett angewachsen. Bassist Joseph Tholl wurde kurz nach dem Erstling die Gitarre umgehängt, den Viersaiter bedient seither Tobias Lindqvist.

An der Erfolgsformel des Vorgängers wurde nicht viel verändert. ENFORCER präsentieren sich auch im neuen Jahrzehnt als IRON MAIDEN Gedächtnisgruppe mit bunten Querverweisen zum Speed- und Thrash Metal. Das wird schon beim vorab auf MySpace upgeloadeten Opener „Midnight Vice“ klar, der sich ganz Harris/Murray/Smith-like durch die Gehörgänge schält und vor allem auf die NWoBHM bekannten Melodiebögen setzt. Vom britischen Hartwurst-Rezept rücken die Skandinavier nicht mehr ab. Eingängige Refrains, grandiose Melodie-Hooks und das Rhythmus-unterstützende, punktuelle Drumming erklären den aufstrebenden Erfolg von ENFORCER von selbst. Im ausladenden „Katana“ ist gar Platz für ruhigere Momente und Solowixereien, die sich wunderbar in den Old School Gesamtsound der fünf Stirnband-tragenden Poser einfügt.

Zu den absoluten Highlights zählt der Nackenschüttler „Running In Menace“, der den typisch britischen Stil erstmals leicht verlässt und mit dem hirnfräsenden Anfangsriff stark nach L.A., genauer gesagt zu MÖTLEY CRÜE schielt. Dem amerikanischen Glam/Sleaze sind Sänger Olof Wikstrand und Konsorten also keinesfalls abgeneigt. Großartig auch er instrumentale Titeltrack. Ewige Nörgler werden sich an der fast 1:1 klingenden MAIDEN Kopie zwar bis zum Sankt Nimmerleinstag brüskieren, wer aber einfach nur Gitarren-lastigen Heavy Metal genießen will, sollte dem Track sein Gehör schenken. Speed Metal a la EXCITER oder frühe SAVAGE GRACE gibt’s auf „Live For The Night“, dass sämtliche Mucker ihr Handwerk bei unzähligen Thrash-Bands lernten, wird auf dem drückenden “High Roller” klar. Das eindringliche „Walk With Me“ geht wohl als Albumhymne durch, zeigt aber erste Abnützungserscheinungen. Mit dem Frühachtziger-Kracher „Take Me To Hell“ beschließen ENFORCER schlussendlich ihre Reise durch sämtliche Metal-Klischees stilecht mit einer MAIDEN/PRIEST Mischkulanz.

Das Rad wird bei ENFORCER auch auf „Diamonds“ nicht neu erfunden, der steigende Erfolg des schwedischen Poser-Quintetts lässt sich aber leicht erklären. Mit derart hörbarer Spielfreude und Lust am Rocken wird auch der Rezipient unweigerlich in den magischen Sog der wilden 80er Jahre gezogen. Nachdem sich die Jungs heuer auch permanent auf Tour befinden und unzählige Festivals beehren, ist der Weg zur Genrespitze vorprogrammiert. Die aktuelle Retro-Welle tut ihr Übriges. Metal für Metaller eben. Pornobrille rauf, Bierdose aufgeknackt und mit verschwitztem Holzfällerhemd den Nachbarn im sonnengetauchten Garten beschimpft – das ist der Soundtrack zur persönlichen Obszönität.



Bewertung: 4.0 / 5.0
Autor: Robert Fröwein (17.05.2010)

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