Sons Of Liberty - Brush-Fires Of The Mind

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VÖ: 09.07.2010
Bandinfo: Sons Of Liberty
Genre: Heavy Metal
Label: Century Media Records
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Lineup  |  Trackliste

Dass Jon Schaffer nicht nur ein begnadeter Komponist und (vor allem Rhythmus-)Gitarrist ist, sondern auch eine sehr kontroversielle Figur, wenn es um politische Meinungen und Ansichten geht, das hat der Mastermind hinter den mittlerweile legendär gewordenen Power-Metallern aus Florida, ICED EARTH, oftmals in - gerade für Europäer nicht immer leicht nachvollziehbaren - Kommentaren und Interviews unter Beweis gestellt. Sei es durch über-patriotisch angehauchte Songs wie "When The Eagle Cries" vom "The Glorious Burden"-Album mit ICED EARTH im Fallout der Terrorangriffe des 11. September, sei es durch die ebenfalls in diesen Zeitraum fallenden Äußerungen von Jon und auch Matt Barlow, und der folgenden Umstrukturierung von ICED EARTH; denn auch wenn jüngere Releases vielleicht nicht ganz die Klasse von Hammeralben wie "The Dark Saga" oder "Something Wicked This Way Comes" erreicht haben, so hat Jon Schaffer doch immer zu polarisieren gewusst; und mit seinem neuen Solo-Projekt SONS OF LIBERTY, benannt nach einer Geheimorganisation von US-Patrioten, schlägt er auch wieder genau in diese kontroversielle Kerbe.

Denn während bei ICED EARTH - abgesehen vom angesprochenen "Glorious Burden" - eher fantastische Themen regieren, und die politischen Ansichten von Herrn Schaffer eher hinter den Kulissen für Aufsehen gesorgt haben, so legt er es mit seinen SONS OF LIBERTY im Gegenzug gerade darauf an, politische, aktuelle Themen anzusprechen, und auch seine Kritik an bestehenden Systemen deutlich auszudrücken. Gut, ich persönlich bin nicht unbedingt ein Freund von politischen Inhalten in der Musik; aber natürlich darf (und soll!) es auch solche Gruppen geben; man kann halt auch nicht immer nur über epische Schlachten, zu rettende Jungfrauen sowie Ruhm und Glorie singen. Naja, kann man schon... aber ein Jon Schaffer jedenfalls nicht! Und so finden sich auf "Brush-Fires of the Mind", dem Debütalbum seines neuen Projekts, nun auch massive Kritik an Privatbanken und die Auswirkungen deren Handlungen auf die Gesellschaft, am sozialen System in den USA, und generell über Täuschungen und Manipulationen durch Globalisierung. So weit, so nobel.

Nur wird Herr Schaffer in seinen Lyrics nicht sonderlich präzise, wirft hauptsächlich mit zwar prägnanten, letztlich aber inhaltlich unausgefüllten Schlagworten und gehaltlosen Paradigmen um sich; verlangt von seinen Hörern, dass sie sich zwischen "Freiheit" oder "Tyrannei" entscheiden, ohne aber wirklich zu konkretisieren, vor welchen Arten von Unterdrückung, Täuschungen, Manipulationen oder Tyranneien er seine Hörer tatsächlich schützen will. So wird zwar in beinahe jedem Track das Wort "Freedom" bis zum Überfluss gebraucht, aber kaum präzisiert, was diese Freiheit - beziehungsweise ihr Gegenteil - für Herrn Schaffer eigentlich konkret bedeutet. Ich persönlich kann mit solchen bedeutungsentkleideten, pseudo-kritischen Anwandlungen ohnehin wenig anfangen; wer aber mit Jon Schaffers Ansichten vielleicht etwas besser vertraut ist, und im Idealfall auch noch mit ihnen sympathisiert, der wird vielleicht seinen Texten auch einen tieferen Sinn entnehmen können, der mir allerdings verborgen bleibt.

Denn, dass globale Probleme in vielen gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Bereichen bestehen, ist natürlich wahr - dass man aber diese nicht lösen kann, indem man lediglich sagt, dass sie gelöst werden müssen, ist ebenfalls klar. Anstatt nur eine Lösung zu fordern, sollte Herr Schaffer vielleicht auch ein paar Minuten seiner Zeit darauf verwenden, selber effektive Ansätze für eine solche anzubieten; unreflektiertes Protestgebrüll bleibt am Ende des Tages nämlich meist nur Quengelei, und wird nicht zum Kampfschrei einer Revolution, die Jon Schaffer hier zu fordern scheint (ohne freilich auch die Gestalt einer solchen näher zu präzisieren).

So, nun sei aber über die inhaltliche Ausrichtung von SONS OF LIBERTY genug gesagt; letztlich bleibt ja auch noch die Musik, die es zu analysieren gilt. Und hier präsentiert Jon Schaffer eigentlich durchaus gewohnt gute Kost. Generell erinnern die Tracks, die man übrigens allesamt auch auf der eigens für das Projekt eingerichteten Website www.sons-of-liberty.net anhören kann, an ganz frühe ICED EARTH-Tage, was nicht zuletzt an den von Jon Schaffer gesungenen Lead Vocals liegt. Es muss aber auch auch gesagt werden, dass Jon Schaffer hier sicher mehr Augenmerk auf die für ihn scheinbar wichtigeren textlichen Inhalte gelegt hat, als auf die musikalische Ausarbeitung. Diese ist zwar wie gesagt durchaus gefällig und weist auch die typischen Schaffer-Trademarks auf, allerdings wird keineswegs so viel Wert auf eingängige Chöre oder packende Hooks gelegt, wie das auf einem Album seiner Hauptband der Fall wäre.

So fällt mir eine Bewertung des Albums auch denkbar schwer: Einerseits versuchen die Inhalte hier zu dominieren und drängen den musikalischen Aspekt etwas in den Hintergrund, andererseits sind es gerade diese politischen und (mehr oder minder) kritischen Inhalte, mit denen ich persönlich wieder weniger anfangen kann. Deshalb werde ich mich in meiner Bewertung auch auf den musikalischen Aspekt beschränken; und dieser ist nun bei SONS OF LIBERTY leider nicht mehr als Durchschnitt.

So finden sich auf "Brush-Fires Of The Mind" neun zwar passable und angenehm hörbare melodische Metal-Tracks in bestem Schaffer'schen Stil, die aber, vielleicht mit Ausnahme des griffigen "We The People", nicht zuletzt ob des Fehlens der Stimme eines Über-Sängers wie Matt Barlow oder auch - ja, ich sag's jetzt - Tim "Ripper Owens, nicht wirklich im Ohr hängen bleiben, und abgesehen von der vielleicht inhaltlichen Brisanz, kaum Akzente setzen können.

So bleiben die SONS OF LIBERTY wohl eher etwas für Fans von Jon Schaffer, die auch insbesondere mit seinen politischen Meinungen und Ansichten etwas anfangen können. Auch ein grundsätzliches Verständnis für amerikanischen Patriotismus muss wohl hier vorhanden sein, um den "Brush-Fires of the Mind" etwa abgewinnen zu können. Absolute Die-Hard-Fans von ICED EARTH und allem, was Jon Schaffer produziert, werden hier aber jedenfalls mal reinhören; alle anderen sollten erstmal probehören beziehungsweise sich auch mit den Inhalten und Hintergründen hinter dem Projekt auseinandersetzen.



Bewertung: 3.0 / 5.0
Autor: Dragonslayer (01.07.2010)

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