Netherbird - Monument Black Colossal

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VÖ: 09.07.2010
Bandinfo: NETHERBIRD
Genre: Symphonic Black Metal
Label: Pulverised Records
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Lineup  |  Trackliste  |  Trivia

An den Schweden NETHERBIRD sind so einige Dinge seltsam. In erster Linie, dass man für das 2008er Debütalbum „The Ghost Collector“ zigtausend Musiker um sich geschart hat, weil kein stabiles Line-Up gegeben war. Zum anderen, weil besagtes Werk völlig gerechtfertigt schlechte Kritiken erntete, da die symphonische Mixtur aus GRAVEWORM, CRADLE OF FILTH und OLD MAN’S CHILD ein ziemlich grottiges Songwriting aufwies. Im letzten Jahr wurde neben einer EP- und Single-Auskoppelung auch endlich ein fixes Bandgefüge zusammengestoppelt. Neben den Gründern Nephente (voc) und Bizmark (git, keys) wurde die Combo durch Johan Nord (git, voc), Adrian Erlandsson (dr) und Ex-EUCHARIST Basser Tobias Gustafsson komplettiert.

Der positivere Eindruck beginnt bereits beim mystischen Cover der Szeneikone Kristian „Necrolord“ Wåhlin, der den melodischen Black Metal der Schweden perfekt skizziert. Das Keyboard-getragene Intro „Looming Majesty“ verspricht eine hohe Dosis Spannung, die NETHERBIRD nicht halten können. „White Noise Sky In Overdrive“ kupfert nämlich derart frech und kompromisslos von CRADLE OF FILTH ab, dass eigentlich nur noch Danis ohrenzerschmetterndes Gekreische zum einwandfreien Klon fehlt. Die wenigen, druckvollen Up-Tempo Parts werden meist von langweiligem Slow-Mo-Gitarren-Geschrubbe verwässert und fadisieren den Hörer schon nach wenigen Minuten. Die Frechheit, nach dem ersten richtigen Song gleich ein halbminütiges Interludium nachzulegen, sollte sowieso mit Einzelhaft samt Wasser und Brot bestraft werden.

Erst mit dem überraschend starken „A Shadow In The Garden Of Darkness“ nehmen NETHERBIRD endlich an Fahrt auf. Nordisch-schwarzwurzelige Eisriffs paaren sich mit bewusst monotonem Drumming. Auch Nephentes Kreischgesang fügt sich weitaus besser ein und die sphärischen Ausruhparts im Mittelteil lassen Platz zum Durchschnaufen. Warum nicht gleich? „Strindbergian Fire“ klingt mit dem anfänglichen Orgel-Geklimpere recht seicht und beliebig, der thrashige Genickbrecher-Teil im letzten Drittel des Songs, entschädigt aber für eventuelle Unzulänglichkeiten. Das fade „The Weight Of Vapour“ und das auf ultraböse getrimmte Doublebass-Hörstück „At The Bottom Of The Crystal Artery“ sind qualitativ zwar über die erste Albumhälfte zu stellen, trotzdem noch Lichtjahre von den Genrevorreitern im Symphonic Black Metal entfernt. Das war’s auch schon mit dem neuen Material. Die letzten beiden Songs wurden von der 2009er Promo übernommen, nach knapp 40 Minuten ist Schicht im Schacht.

Nachdem schon das erste Album aus alten Tracks zusammengeschustert wurde, schockieren NETHERBIRD auf „Monument Black Colossal“ also mit gerade mal sieben neuen Tracks, von denen zwei keine wirklichen Songs sind und die Spielzeit nicht mal eine halbe Stunde beträgt. Nein danke! Im Vergleich zu „Ghost Collector“ ist das neue Werk zwar spritziger und druckvoller ausgefallen, wer sein Schwarzmetall aber hochklassig haben will, soll lieber nach Norwegen schielen und sich KEEP OF KALESSIN oder die bald nahende DIMMU BORGIR einverleiben. Pluspunkte gibt’s für zwei annehmbare Tracks, die gute Produktion und das aussagekräftige Cover. Bei NETHERBIRD besteht dennoch die Gefahr, an Narkolepsie zu erkranken.



Bewertung: 2.5 / 5.0
Autor: Robert Fröwein (07.07.2010)

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