Buckcherry - All Night Long

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VÖ: 30.07.2010
Bandinfo: BUCKCHERRY
Genre: Rock
Label: Eleven Seven Music
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Lineup  |  Trackliste

Zu den nüchternen Fakten: mehr als drei Millionen verkaufter Alben, das dritte Album „15“ in den USA, Kanada und Japan mit Platin veredelt, der Song „Crazy Bitch“ mit einer Grammy-Nominierung bedacht, als Vorband von AC/DC, KISS, LENNY KRAVITZ u.a. aufgetreten und unzählige Wochen Top-Platzierungen in den amerikanischen Billboard-Charts. Die in New York gegründeten und längst ins sonnige Los Angeles übersiedelten BUCKCHERRY gehören zu den seltenen „Megasellern“ des neuen Jahrtausends. Während die erdige Rock-Combo in den USA einen Tophit nach dem anderen an den Mann brachte, ist sie in mitteleuropäischen Gefilden fast völlig untergegangen. Mit dem fünften Studiorundling „All Night Long“ müsste den Stadionrockern aber auch in Europa der Knopf aufgehen.

Für tiefgängige Rockopern mit gesellschaftskritischen Botschaften war das Ami-Quintett noch nie zu gebrauchen, dementsprechend locker und ungezwungen legt man das dritte Werk seit der Reunion 2005 an. Die erste Singleauskoppelung „All Night Long“ brachte sogar den Twitter-Account von BUCKCHERRY zum Einbruch, so gierig waren die zahllosen Fans auf neuen Stoff. Die große Revolution ist der Song natürlich nicht, dennoch überzeugen die Blues-getränkten Gitarrenlicks mit schwerer AC/DC-Schlagseite. Wem „Kabinenparty“ als Sommerhit zu seicht ist, wird sich hier zu Recht wohl fühlen. Der ultimative Prolosong ist das flüssige „It’s A Party“, das nach QUEENeskem Beginn völlig auf MÖTLEY CRÜE macht und die ehemaligen Alternative-Wurzeln der Band endgültig ad absurdum führt. Das Gespür für massentauglichen Rock sollte BUCKCHERRY auch in Austria genügend Airplay verschaffen. „These Things“ ist ein gemütlicher Soft-Rocker in bester Frau-beim-ersten-Date-rumkriegen-Tradition, „Oh My Lord“ dagegen müffelt gewaltig nach den Young-Brüdern. Die großartige Stimme von Frontmann Josh Todd steht auch anno 2010 außer Zweifel – ganz großes Vokal-Kino.

Schwächeerscheinungen gibt es auf „All Night Long“ lobenswerterweise kaum zu verzeichnen. Nur im Mittelteil agieren BUCKCHERRY bei Songs wie „Recovery“ oder der schmalzigen Ballade „I Want You“ etwas seicht. Dazwischen schieben die Jungs aber immer wieder wummernde Vollblutrocker wie das bierkonsumfördernde „Never Say Never“ oder das überraschend harte „Liberty“ ein. Neben Todds unverwechselbarem Rock-Geröhre überzeugt auch die exquisite Gitarrenarbeit von Chef-Gitarrero Keith Nelson, der sich öfters in Solowixereien verspielt ohne dabei anbiedernd oder langweilig zu klingen. Überhaupt wissen die Westküstler in unaufdringlicher Art dem stadiontauglichen Rock zu huldigen. Neben oben genannten Größen erinnern die einzelnen Kompositionen des Öfteren an BON JOVI oder die zu Unrecht unterschätzten WINGER.

BUCKCHERRY können mit „All Night Long“ mühelos den hohen Qualitätsstandard der letzten Jahre halten und haben vielleicht sogar den optimalen Sommer-Rock-Soundtrack kreiert. Dass sich das Quintett dabei nicht zu oft an Spielzeit-füllenden Balladen vergreift, ist zusätzlich positiv anzumerken. Blues-, Hard- und Stadion Rocker werden mit der gut 40 minütigen Leichtfüßigkeit perfekt bedient. Gut gemixt und ohne erkennbare Schwächen. Two Thumbs Up!



Bewertung: 4.0 / 5.0
Autor: Robert Fröwein (30.07.2010)

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