Revolution Renaissance - Trinity

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VÖ: 24.09.2010
Bandinfo: Revolution Renaissance
Genre: Power Metal
Label: Napalm Records
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Lineup  |  Trackliste

Die Band ist zwar bereits offiziell zu Grabe getragen, das letzte Album schießt Timo Tolkki mit seiner REVOLUTION RENAISSANCE aber noch raus: "Trinity" heißt das Scheibchen, und wird im September auf Napalm Records das Licht der Welt erblicken. Gut, lange darüber viele Worte zu verlieren, wer denn Timo Tolkki ist, und wie sehr er einstmals mit STRATOVARIUS den melodischen Metal beeinflusst und geprägt hat, und wie er später eher durch eigentümliche Statements, Entscheidungen und Handlungen aufgefallen ist, hieße, Eulen nach Athen zu tragen. Und jedes Mal, wenn Herr Tolkki ein neues Album vorlegt, stellt sich natürlich die brennende Frage: Hat er diesmal die Kurve gekriegt?

Nachdem das erste REVOLUTION RENAISSANCE-Output auf Grund prominenter Gastsängerbeteiligung durch Tobias Sammet (EDGUY, AVANTASIA), Michael Kiske (ex-HELLOWEEN) und Pasi Rantanen (ex-THUNDERSTONE) noch durchaus als interessant bezeichnet werden konnte, so lud das zweite Album "Age of Aquarius" mit dem finalen Sänger Gus Monsanto dann eher zum Gähnen denn zum Headbangen ein; zu viel setzte man auf Midtempo, und die Gesangsleistungen waren mitunter auch ein bisschen neben der Spur.

Diesmal legt man mit "Marching With The Fools" aber eher flotter los, und die Nummer ist auch bis zum ersten Chorus ganz gelungen; leider passiert dann im restlichen Song gar nichts mehr, außer dass der Refrain noch ein paar mal in verschiedenen (minder gelungenen) Variationen runtergedudelt wird. Gut, wirklich schlecht ist das noch nicht, aber Begeisterungsstürme werden auch nicht gerade ausgelöst. Das folgende "Falling To Rise" ist dann eine typische Uptempo-Nummer in bester "Eagleheart"-Tradition geworden, wie man das von Timo Tolkki kennt, und zählt sicher zu den gefälligeren REVOLUTION RENAISSANCE-Songs, und wäre vielleicht auch der etwas bessere Album-Opener gewesen! In eine ähnliche Kerbe schlägt auch Track Nummer drei, "A Lot Like Me", bei der man im Refrain aber förmlich spürt, dass die Gesangslinie eigentlich für einen gewissen Timo Kotipelto (in einer etwas anderen Oktave) maßgeschneidert wäre. Aber auch hier macht Fronter Gus Monsanto eine gute Figur, und überrascht mich diesmal durchaus positiv! Spätestens bei "The World Doesn't Get To Me" stellt sich aber dennoch ein ähnliches Problem ein wie bei "Age Of Aquarius", und zwar jenes, dass einfach sämtliche Songs allzu ähnlichen Strukturen folgen. Wo auf dem Vorgänger noch die Midtempo-Stampfer regierten und ab dem dritten Song eine gewisse Ermüdung beim Hörer auf Grund von fehlender Abwechslung zwischen den einzelnen Songs hervorriefen, so sind es hier eben die zwar flotteren, aber dennoch auch wieder ewig gleich klingenden Rock-Songs, mit denen Timo Tolkki noch immer seinem Jahrhundert-Song "Hunting High and Low" nacheifert, ohne aber freilich solch eine Glanztat wiederholen zu können; und auch das anschließende "Crossing The Rubicon" kann hier keine Abhilfe schaffen.

"Just Let It Rain" ist dann trotz ebenfalls eigentlich simpler Songstruktur auf Grund der anstrengenden Melodieführung etwas sperrig ausgefallen und will nicht so recht den Weg in die Gehörgänge finden; "Dreamchild" ist dagegen wieder ein durchaus netter, positiv gestimmter Rocker geworden, der mir vom auf "Trinity" gebotenen Songmaterial bereits beim ersten Anhören besser gefällt als das Gros der übrigen Tracks.

Die letzte große Hoffnung ruht sodann natürlich auf dem zehnminütigen Titeltrack "Trinity", bei dem sich Mastermind Timo Tolkki natürlich kompositorisch wieder mal austoben kann. Hier beginnt man zunächst mit einem sehr schön gelungenen Intro mit Akustik-Gitarren, ehe dann der Song in einen Rocker umschlägt; leider ist der Refrain gänzlich inspirationsfrei ausgefallen, und so ist dann die Nummer außer "lang" auch schon nicht mehr viel gewesen. Mittendrin gibt's dann nochmal eine leicht psychedelische, ruhige Passage; aber angesichts des leider sehr schwachen Refrains kann's auch diese nicht mehr retten. Die abschließende Ballade "Frozen Winter Heart", gleichsam ein Abgesang an das Projekt REVOLUTION RENAISSANCE, da es ja wahrscheinlich der (zumindest vorerst) letzte Song ist, den Timo Tolkki unter diesem Banner veröffentlicht, ist dann auch nochmal ein netter Ausklang zum Album als Ganzes.

Fazit: "Trinity" ist im Vergleich zum durch sehr durchwachsenen "Age of Aquarius" sicher ein Schritt in die richtige Richtung, und da scheint es fast schade, dass Timo Tolkki dieses Projekt jetzt bereits an den Nagel hängt. Insbesondere Sänger Gus Monsanto agiert diesmal durchwegs souverän und lässt nichts anbrennen; gerade mit seinen Leistungen war ich ja am Vorgängeralbum nicht wirklich zufrieden. Alles in allem legen REVOLUTION RENAISSANCE also zum Abschied ein durchaus gelungenes Album vor, das zwar sicher nicht mit dem überraschend stark ausgefallenen "Polaris" von Tolkkis Ex-Band STRATOVARIUS mithalten kann, aber für den geneigten Hörer doch den einen oder anderen gefälligen Song parat hält. Das große Comeback des großen Tolkki ist zwar auch "Trinity" nicht geworden; aber ein durchschnittlich gutes melodisches Metal-Album für den Konsum zwischendurch kann man mit diesem Scheibchen allemal erwerben. Und so wie man den guten Tolkki kennt, kann der ja eh ohne Musik nicht, und wird sich sicher früher oder später in irgendeiner Form wieder zurückmelden. Ob er dann damit belustigt, belästigt oder beglückt, wird sich weisen.



Bewertung: 3.0 / 5.0
Autor: Dragonslayer (10.09.2010)

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