Ancore - The Attic Story

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VÖ: 00.00.2010
Bandinfo: ANCORE
Genre: Rock
Label: Eigenproduktion
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Lineup  |  Trackliste

ANCORE sind aus dem wilden Westen der Steiermark (ich zitiere die Ortsangabe der offiziellen myspace-Seite) und haben sich anscheinend in der Heimat einen Ruf erspielt, der sich dank der Mundpropaganda auch gen Restösterreich verbreitet. So hat der Autor dieser Zeilen die Ehre, das erste Lebenszeichen der steirischen pseudo-Cowboys zu rezensieren. “The Attic Story“ heißt dieser Silberling, der acht Songs umfasst und demnach weder eindeutig als EP noch als reguläre CD zu identifizieren ist. Positiv fällt auf jeden Fall die Verpackung auf: Mir liegt ein schick aufbereitetes Digipack inklusive Booklet vor, was in dieser Zeit lieblos zusammengestückelter Digitalfetzen und grausig beschrifteter Rohlinge nicht selbstverständlich ist.

Doch die nette Aufbereitung bringt keinem was, wenn der musikalische Inhalt in der Masse untergeht. ANCORE versuchen eindeutig, sich eine musikalische Nische zu erspielen, was auf “The Attic Story“ auch partiell gelingt.
Der Opener “Against the Enemy“ ist ein Song, der sich deutlich zwischen den Stühlen bewegt: Die Vocals pendeln zwischen Geschrei und Melodie, die Songstruktur selbst ist ein heterogenes Bündel aus unterschiedlichen Komponenten. Leider sind die Riffs etwas zu stumpf und verleihen dem Song – auch dank der natürlich nicht optimalen Produktion – wenig Druck. Ähnlich abwechslungsreich geht es auch weiter: “Feeling of Guilt“ behält diese Struktur prinzipiell bei. Nach einem ruhigen Beginn, steigert sich der Song zu einem abwechslungsreichen und modernen Track, der abermals unterschiedliche Vokaleinlagen offenbart. Während der Klargesang recht gut klingt, scheitern die „harten“ Vocals leider oft daran, für Aufsehen zu sorgen. “Bang your heads“ ist eine knackige Hommage auf die Lieblingsbeschäftigung vieler Metalheads, die live sicherlich für Spaß sorgen wird. Ähnliches gilt für “I hate you“, das als netter, gut live-tauglicher Rocksong zu bezeichnen ist, der nicht wahnsinnig aggressiv, sondern eher melodisch-geschickt agiert.

Doch die großen Überraschungen dieser EP (?) folgen in der zweiten Hälfte eben jener. “Everyday“ ist definitiv mehr Rock als Metal und besinnt sich auf die Stärken der Band: Die Atmosphäre gestaltet sich variabel und wechselt zwischen laid-back und rockig. Die vermeintlichen Gegensätze ergänzen sich sehr gut und ergeben einen eingängigen Rocksong, der mit einer starken Produktion auch einiges an Hitpotenzial haben dürfte. Ähnliches gilt für das starke "You Say You’re Sorry“ mit seinem langsamen, quasi-balladesken Beginn und dem starken Refrain. Abermals bündeln die Herren ihre Kräfte und beweisen ihr Talent. “Unreal Picture“ wiederum ist bisweilen etwas kurios: Während die Musik keineswegs betrübt, sondern eher beschwingt klingt, ziehen die Musiker (fast) alle Register der düsteren Lyrik. Während die Texte der Band allgemein in eine dunkle Ecke schielen, tendiert die Musik nur sehr selten in diese Richtung. Mit dem abschließenden „No One Loves Me“ ärgern mich die Musiker ein erstes und letztes Mal: Dieser Song hätte einen wunderbaren Chorus, doch der partiell eingesetzte rhythmische Gesang und das Schielen ins Nu Metal-Eck verdirbt einem die Freude gewaltig.

Da es die Pflicht eines Rezensenten ist, jungen Musikern mitzuteilen, was gut funktioniert und was einem den Hörgenuss verderben kann, folgen zusammen fassende Erkenntnisse über positive und negative Aspekte dieser Veröffentlichungen:
Die Band ist talentiert und hat ein ordentliches Gespür fürs Songwriting. Offensichtlich fühlen sich ANCORE dann besonders wohl, wenn man Rocksongs schreibt, die mitunter auch massenkompatibel sind. Um dennoch den Anschluss an die Metalwelt nicht zu verlieren, setzt man „extremere“ Komponenten ein, die aber (noch) nicht immer funktionieren. Die einzelnen Songs wirken teilweise so, als ob sie in unterschiedlichen Schaffensperioden geschrieben worden wären. So unterscheiden sich einige Songs der zweiten Albumhälfte deutlich von jenen der ersten Hälfte. Die Band muss darauf achten eine eigene Linie zu etablieren und ihre eigenen Stärken noch deutlicher zu fokussieren, ohne zu kommerziell zu werden. Als Stilvorbild könnte man BREED 77 nennen, die jenen Sprung zwischen Rock und Metal, sowie Massenkompatibilität und Originalität mühelos bewältigen. Die aggressiven Passagen sollten demnach beibehalten, aber verbessert werden. Ähnliches gilt für die Riffs, die nicht mit der Qualität der Leads mithalten können. Die Rhythmussektion macht einen soliden Job und auch die klaren Vocals offenbaren großes Potenzial. Zu empfehlen sind auch die Live Unplugged Versionen einiger Stücke, die auf der Myspace-Seite der Band anzuhören sind. Ich wünsche der Band das nötige Gespür, um das eigene Potenzial in Zukunft noch besser nützen zu können. “The Attic Story“ ist ein gutes erstes Lebenszeichen aus dem wilden Westen der grünen Mark. In diesem Sinne: Reinhören lohnt sich!



Bewertung: 3.5 / 5.0
Autor: El Greco (13.08.2010)

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