Iron Maiden - The Final Frontier

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VÖ: 13.08.2010
Bandinfo: IRON MAIDEN
Genre: Metal
Label: EMI Music
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Lineup  |  Trackliste  |  Credits

Das fünfzehnte Studioalbum „The Final Frontier“, weist eine Gesamtspielzeit von über 76 Minuten und eine Songdurchschnittslänge von 7:59 Minuten auf – so viel Statistik für die absoluten „IRON MAIDEN til‘ Death Lunatics“ muss hier auf jeden Fall einmal sein. Wesentlich bekannter ist wohl, dass die vier Jahre die zwischen dem neuen Werk und dem hymnischen „A Matter Of Life And Death“ liegen, auch die längste Zwischenleerphase aller Zeiten für die Heerscharen von Begeisterten darstellt. Da helfen auch keine DVDs, Best Of-Compilations und Livealben – die Fans gieren nach neuem Studiomaterial. Viel gerätselt, geredet, gemunkelt und diskutiert wurde seit Monaten über den aktuellen Qualitätslevel von IRON MAIDEN im neuen Jahrzehnt. Was wirklich dabei heraus gekommen ist, weiß man ab diesem heutigen Freitag, dem 13. Nach Totentanz und Krieg wird es heuer also extraterrestrisch:

Mechanisches Rauschen irgendwo zwischen einem Terminator-Soundtrack und sterilen Kriegs-Zukunftsvisionen eröffnet das langgezogene Album. Kein MAIDEN-Fan, völlig egal ob aus alten oder jüngeren Tagen, wird sich beim Opener „Satellite 15… The Final Frontier“ wirklich auskennen. Erst Bruce Dickinsons Sprechgesang nach gut drei Minuten erinnert erstmals an die eisernen Jungfrauen. Nach gut vier Minuten wird der Überraschungseinstieg aber zähflüssig und ermüdend. Der Rest des Songs weiß durchaus zu gefallen, eingängige MAIDEN-Licks mit dem gewohnt hymnischen Gesang von Bruce, alles im gemächlichen Tempo gehalten und mit in-den-Kopf-fräsenden Refrain ausgestattet, entwickelt sich der gut achtminütige Auftakt zu einem durchaus passablen Hörvergnügen.

Das darauffolgende „El Dorado“ ist als Singleauskoppelung und Live-Song bereits seit einiger Zeit bekannt. Beginnend mit einem typischen Harris‘ Basseinstieg wird der Fokus gleich auf straight rockende Gitarren im Doppelpack gelegt. Refrain und Songaufbau wirken aber lasch und schlecht durchdacht, bereits zur Hälfte stellt sich bei diesem Hybrid aus MAIDEN, OZZY OSBOURNE und Spät 80ies Rock a la WHITESNAKE Langeweile ein. Das haben die Jungs schon wesentlich besser hingekriegt.

Mit „Mother Of Mercy“ legen Harris und Co erstmals einen richtigen MAIDEN Beginn aufs Parkett. Sanft plätschernde Gitarren paaren sich mit vorsichtig eingesetztem Gesang. Auch hier fehlt – selbst bei mehrmaligem Durchlauf – das gewisse Etwas, um den Song dauerhaft im Kopf zu behalten. Weder Fisch noch Fleisch, weder Ballade noch Powersong. Irgendwo dazwischen, ohne besondere Höhepunkte, dümpelt das Sextett durch die fünf ratlos wirkenden Minuten.

Das melodisch beginnende „Coming Home“ ist nicht nur Adrian Smiths Lieblingstrack, sondern entpuppt sich als erster wirklich merkenswerter Song. Stets im Slow-Tempo Bereich, unaufgeregt aber durchdacht und eingängig schälen sich die deutlich hörbaren Twin-Gitarren durch die Gehörgänge, haken sich auch mal im Langzeitgedächtnis fest, scheitern im Endeffekt aber doch an der etwas tristen Endphase, die unnötig verlängert und aufgesetzt wirkt.

„The Alchemist“ ist mit seinen viereinhalb Minuten nicht nur der deutlich kürzeste Song des Albums, sondern auch ein erster wilder Ritt in die seligen Frühachtziger-Jahre MAIDENs. Flott, rockig und mit fein geschliffenen Saiten-Extrakten überzeugt hier auch der mit vollster Inbrunst durch die Botanik jaulende Bruce Dickinson. Hier werden Erinnerungen an „The Number Of The Beast“ und „Piece Of Mind“ Zeiten wach, was ja bekanntlich nicht unbedingt negativ zu werten ist.

Nach den doch flott gehaltenen Rockern wechseln IRON MAIDEN in der zweiten Hälfte des Albums plötzlich die Schuhe und wenden sich ihrer epischen, vor allem auf dem letzten Album bis zum Exzess ausgereizten Seite zu. „Isle Of Avalon“, mit treibendem Bassrhythmus und verträumter Gitarre, könnte bis zu Nicko McBrains Trommel-Einsatz auch eine ausgedehnte Jam-Session sein. In der Mitte verwandelt sich der etwas langatmige Song in ein Progressiv-Lehrstück, wirkt aber niemals kokett-anbiedernd, viel eher Rezipienten-helfend und -unterstützend.

Das atmosphärische „Starblind“ verzettelt sich schon in der Anfangsphase in ungewohnter Dissonanz und bandinterner Heterogenität. Der von überdeutlich hörbaren Smith/Murray Gitarren getragene Refrain rettet den eher mauen Track ins Trockene. Absolut Kult ist das soloveredelte Hard Rock Zwischenintermezzo, das den Track aus seiner Lethargie reißt.

Dem progressiven und geruhsamen Pfad folgend, verlassen MAIDEN diesen auch auf „The Talisman“ nicht. Mit belehrender Erzählstimme leitet Dickinson in die mystische Welt der Briten, die Ruhe vor dem rifflastigen Sturm ist aber nicht von langer Dauer. Auch wird hauptsächlich auf den eingängigen und sofort ins Ohr fließenden Refrain gesetzt, der gewisse Unzulänglichkeiten des rundum aufgezogenen Songmantels wettmacht.

„The Man Who Would Be King“ beschreibt die bahnbrechende Epik-Phase der letzten Jahre am Besten. Hier wird getappt, soliert, gerifft – schlicht und einfach an der Tabellenspitze der ersten Liga musiziert. Der Song wird vom perfekten Drum-Rhythmus McBrains getragen, Mr. Harris stellt sich hier songdienlich in die zweite Reihe und lässt den drei Sechssaitern kulanterweise den Vortritt. Im zweiten Drittel des Songs verbirgt sich außerdem eine großartige Melodiebombe und am Ende wird – MAIDEN-typisch – die Eingangsmelodie leicht verändert widergegeben.

Abgeschlossen wird die Reise in ferne Galaxien vom elfminütigen Übersong „When The Wild Wind Blows“, der sich schon nach wenigen Takten als absolutes Albumhighlight präsentiert. Allein die bassunterstützte Eingangsphase stellt MAIDEN-Jüngern die Gänsehaut auf Anschlag. Positiv hervorzuheben sind die ständigen Stilbrüche und Soundverquerungen, die stets die Spannung beim Hörer aufrecht erhalten. Traumhaft schön, wie sich die Solos bei diesem Harris-Solosong über die Rhythmusfraktion schmiegen und eine herrlich träumerische Klangwelt erschaffen. Auch hier wird der Anfang zum Ende und bietet einen sanften und passenden Abschluss des neuen Opus.

MAIDEN Fans mögen mich jetzt kreuzigen, steinigen, nach Guantanamo verfrachten oder sauerstofflos am K2 zurücklassen, aber „The Final Frontier“ ist nichts weiter als ein lauwarmer Aufguss des deutlich stärkeren, aussagekräftigeren Vorgängers. Von den Dickinson Comebackalben biegt das gute Teil knapp vor „Dance Of Death“ in die Zielgerade, im Angesicht der kompletten Jungfrauen-Diskographie rangiert das gute Stück nur unter ferner liefen. Zum Zeitpunkt dieses Reviews habe ich das Album fünf Mal auf und ab gehört, wie schon in den letzten Jahren könnte man ein MAIDEN Album Jahr für Jahr neu bewerten. Der Ersteindruck ist aber nicht mehr als ein solides „Befriedigend“. Für die größtes Metalband des Planeten ist „The Final Frontier“ einfach nicht gut genug. Guter Beginn, super Ende, dazwischen einige Up’s und viele Down’s. Das hätte eigentlich besser gehen können…



Bewertung: 3.0 / 5.0
Autor: Robert Fröwein (13.08.2010)

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