LLVME - Fogeira de Suenos

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VÖ: 00.04.2010
Bandinfo: LLVME
Genre: Pagan Metal
Label: My Kingdom Music
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Lineup  |  Trackliste

Es gibt sie noch, die Überraschungen in der Metalwelt. In dieser globalen Zeit, in der Metal aus Singapur oder Bolivien zwar exotisch, aber nicht mehr wirklich überraschend zu sein scheint, wird mir eine wahrlich skurrile Sache aus unserem eigenen Kontinent vorgelegt. LLVME sind aus Spanien (nicht überraschend), spielen Pagan Doom Metal (ein klein wenig überraschend) und singen/growlen in ihrem leonesischen Dialekt (huch?). Jeder, der noch nie vom Königreich Leon gehört hat, dem empfehle ich diesbezüglich nachzulesen. An dieser Stelle ist es nur wichtig zu wissen, dass sich LLVME (dieses merkwürdige Wort soll übrigens auf leonesisch "Feuer" bedeuten") dessen Traditionen verpflichtet fühlen. Ob dies am aufrichtigen Interesse an der eigenen Geschichte oder an einer ausgeklügelten Marketingstratie liegt, lasse ich nun mal im Raume stehen. Fakt ist aber: LLVME sind Pagan und mischen ihren Metal ordentlich mit Doom Zitaten. Wikinger und deren Chöre kommen aber trotz der paganen Ausrichtung nicht vor. Die Nordmänner haben schließlich im Königreich Leon nichts verloren.

Wie Du merkst, werter Leser, ist diese Band nicht "normal". Nein, LLVME sind außergewöhnlich. Manchmal außergewöhnlich gut, manchmal außergewöhnlich merkwürdig. Die Produktion des Albums ist z.B. außergewöhnlich dünn. Vor allem die Gitarren, die - wenn man Doom Metal machen will - vor sich hin walzen sollten, wurden mit einem schwachbrünstigen Sound versehen. Dafür übernehmen die Keyboards den Soundteppich, der demnach oft etwas kitschig klingt. Die Gitarrenmelodien sind prinzipiell sehr interessant, leiden aber eben unter jenem Soundproblem. Die Vocals wiederum sind leider wenig außergewöhnlich: Die Growls sind emotionslos und kennen nur eine Richtung - laaaaangsam nach vor knurrend. Das ist prinzipiell okay, nimmt den Stücken aber bisweilen einiges an Emotionalität. Dafür sorgt auf mehreren Stücken die Violine, die sich engelsgleich in die Musik fügt und den Songs ihren charakteristischen Stempel aufdrückt. Auf dem letzten Track hört man sogar einen Dudelsack, der wiederum gut in den Kontext passt. Also Mut besitzen die Leonesen auf jeden Fall!

Und genau dieser Mut sollte sich mal bezahlt machen. Auch wenn "Fogeira de Suenos" noch einige Kinderkrankheiten aufweist, so könnte bereits das nächste Werk einem ausgewachsenen Krieger entsprechen. LLVME sind stolz, lassen bisweilen ihr zweifellos vorhandenes Talent aufblitzen und inkludieren immer wieder einen ordentlichen Schuß Kreativität. Ein solcher Fall ist das gänzlich verschrobene "Vaqueirada", bei dem ein minutenlanger Sologesang einsetzt, der klar im ursprünglichen Folk zu verzeichnen ist und mit Metal rein gar nichts zu tun hat. Nach diesem merkwürdigen Beginn schmeichelt sich die Violine versöhnlich in die Gehörgänge und lässt einen verdutzten Hörer zurück. Leider ist ausgerechnet die "L'Allumamuentu Del Fueu"-Trilogie eher als Schwachpunkt des Albums zu sehen. Man versucht dort große Atmosphäre aufzubauen und scheitert noch daran. Um einiges besser funktionieren das schöne "Llumeiru De Fueu" und der überraschend flotte Rausschmeisser "Llume D'Augua".

Das Fazit: Fans des Pagan-Genres und Doom-Metaller ohne Scheuklappen sollten sich diese Band merken. Wenn das Potenzial gebündelt und die Schwächen ausgemerzt werden, könnten wir noch vieles von LLVME hören. Mit einer amtlichen Produktion, weniger Keyboards und vermehrtem Einsatz der Violine bzw. unterschiedlicher Vokaleinlagen könnte das Nachfolgealbum ein wirklich hörenswertes werden. "Fogeira de Suenos" ist mir aufgrund des Strebens nach Originalität 3 Punkte wert.



Bewertung: 3.0 / 5.0
Autor: El Greco (07.09.2010)

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