Kamelot - Poetry For The Poisoned

Artikel-Bild
VÖ: 10.09.2010
Bandinfo: KAMELOT
Genre: Melodic Metal
Label: earMusic
Hören & Kaufen: Amazon | Ebay
Lineup  |  Trackliste

Eine der konstantesten und wohl besten Bands des melodischen Metal ist dieser Tage wohl die amerikanisch-norwegische Co-Produktion KAMELOT: Bereits seit vielen Jahren legen die Mannen rund um Bandchef Thomas Youngblood und Edel-Sänger Roy Khan eins ums andere Mal absolut erstklassige Releases vor, die in Punkto Songwriting, Arrangement und emotionaler Tiefe sämtliche Konkurrenzprodukte (mit Ausnahme vielleicht von NIGHTWISH und den Holopainen'schen kompositorischen Glanztaten) meilenweit hinter sich lassen, ohne dabei irgendwann auch nur ein bisschen zu schwächeln. Für mich persönlich begann der richtige Siegeszug von KAMELOT aber definitiv mit dem noch sehr dem flotten, einfachen Power Metal verschriebenen "Karma", das aber mit einigen Highlights auch bereits aufhorchen ließ; zur wirklichen Größe reifte man aber erst mit dem folgenden Doppelschlag in Form von "Epica" und "The Black Halo", die zusammen für mich die Krönung des KAMELOTschen Schaffens darstellen, und bis dato unerreicht sind; auch das folgende "Ghost Opera" konnte mich da nicht so begeistern.

Nun sind KAMELOT aber erneut zurück, und eines kann gleich vorweg gesagt werden: Wer mit "Ghost Opera" weniger anfangen konnte als mit den früheren Werken der Band, der sollte auch bei "Poetry For The Poisoned" erst mal probehören! Denn die neue Scheibe führt den Weg, der mit dem Vorgänger eingeschlagen wurde, konsequent weiter: Wieder ist das Material etwas sperriger ausgefallen als noch auf "Epica" und "The Black Halo", die Riffings sind progressiver, und der Gesamtsound ist wieder deutlich düsterer und melancholischer ausgefallen. Im Vergleich zur Geisteroper allerdings sind diesmal die Melodielinien der einzelnen Songs trotzdem wieder gelungener ausgefallen, und bei aller Sperrigkeit im Songwriting bleiben die Hooks dennoch wieder schneller im Gehörgang hängen.

Hervorragend ist natürlich auch wieder die Gesangsarbeit von Roy Khan, der mit seiner für melodischen Metal ungewöhnlichen Stimme immer wieder für Gänsehaut-Momente sorgt; und auch diesmal erhält er wieder prominente Unterstützung einerseits von EPICA-Goldkehlchen Simone Simons (und kein Wunder, ist diese doch mit KAMELOT-Tastenhauer Oliver Palotai liiert), andererseits auch vom Mountain King persönlich, Jon Oliva (der in letzter Zeit auch auf scheinbar jedem zweiten Release zu hören ist - aber sei's drum, seien wir froh dass der große Mann mit der großen Stimme eben diese wiedergefunden hat; seine Beiträge zählen immer wieder zu den Highlights der betreffenden Releases, und so auch hier bei "The Zodiac").

Das hätten KAMELOT zwar überhaupt nicht nötig, aber so wird ein ohnehin schon großartiges Album nochmal eine Ecke abwechslungsreicher und interessanter. Und so beginnt das neue Scheibchen auch gleich mit "The Great Pandemonium", einem Song, der in bester Tradition von "Rule The World" vom Vorgängeralbum steht, und mit schönen Vokalisen von Simone Simons im Refrain und gut gesetzten Growls von SOILWORKs Björn Strid als Konterpunkt zum melodischen Gesang von Roy Khan punkten kann, und zu guter Letzt von einem sensationellen Gitarrensolo abgerundet wird.

Das folgende "If Tomorrow Came" prescht dann im Intro gleich mal drauf los, eher dann im Verse KAMELOT-typisch der Speed etwas rausgenommen wird, und im Refrain der Melodiebogen wieder wunderbar zur Geltung kommt. Allerdings ist dies nicht unbedingt die beste Nummer des Albums; einen wirklichen Qualitätsabfall kann man aber freilich nicht ausmachen.

"Dear Editor" stellt dann ein kleines Interludium als Einleitung zum anschließenden "The Zodiac" dar - einem Song, der die Geschichte eines Serienkillers erzählt, der noch dazu mehr als beeindruckend von der Wahnsinns-Stimme von Jon Oliva verkörpert wird; für mich zweifelsfrei eines der absoluten Highlights des neuen KAMELOT-Outputs, und ein absoluter Hammertrack mit vielschichtigem Arrangement, geisterhaften Piano-Sounds und heimsuchenden Vokal-Linien!

Nach dem düsteren, heftigen "The Zodiac" wird dann bei "Hunter's Season" nochmal Melodie ganz groß geschrieben, und das ist wohl auch der Song, der von "Poetry For The Poisoned" am schnellsten (und längsten!) im Ohr hängen bleibt - absoluter Ohrwurmfaktor! Bei "House On The Hill" darf dann Simone Simons erneut zum gefühlvollen Duett mit Roy Khan schreiten, und auch wenn man die "Black Halo"-Überballade "Abandoned" natürlich nich erreicht (aber wie soll das auch gehen?!), so ist auch dieser Song wieder ein schöner weiterer Track im KAMELOT-Backkatalog.

"Necropolis" kommt dann als regelrecht harte Stampfer-Nummer daher, die sicher zu den düstersten Tracks im Repertoire der Amerikaner zählt, während "My Train Of Thoughts" in der Form auch durchaus auf "The Black Halo" zu finden sein könnte, mit seinen effektvollen Background-Sounds im Verse, und der treibenden, rastlosen Gesangsline im Refrain, die zur Faust-Thematik des angesprochenen Albums durchaus gut gepasst hätten!

"Seal Of Woven Years" hebt sodann mit Glockengeläut an, und entwickelt sich in der Folge zu einer flott orchestrierten Nummer, die vom Arrangement etwa an "Center Of The Universe" erinnert, von der Struktur her aber wiederum deutlich grooviger und düsterer ausgefallen ist, als frühere, reine Power-Metal-Tracks der Band, und auch dieser Song geht den mit "Ghost Opera" eingeschlagenen Weg konsequent weiter; ist aber für mich einer der verzichtbareren Tracks der Scheibe, sofern es bei KAMELOT sowas überhaupt gibt.

Zum Ende des Albums hin gibt's dann den Titeltrack, der sich in vier separaten Teilen präsentiert, und sohin auch sicherlich der am schwierigsten zugängliche Song des Releases ist. Beim ersten Teil "Incubus" gibt's neben atmosphärischer Instrumentalisierung auch noch einen PINK FLOYD-inspirierten Mittelteil zu bestaunen, ehe man zu einem heftig orchestrierten Soloteil übergeht, der dann in einer kleinen Erzählstunde zum Thema "Incubus" endet. Sodann geht der Song in Teil zwei namens "So Long" über, der balladesk und ruhig nur mit Pianoklängen und Gesang von Roy Khan und Simone Simons beginnt, und erst zum Ende hin mit verzerrten Gitarren und Backing-Chören verstärkt wird, und so den Spannungsbogen sehr gut zieht zum folgenden "All Is Over", einer SAVATAGE-lastigen kurzen Nummer mit progressiver Gitarrenarbeit, die doch sehr deutliche Parallelen zum Riffing eines Chris Caffery aufweist, und nochmal kurz durch eine kleine Gesangseinlage von Simone Simons, Roy Khan & Chor aufgelockert wird, eher man zum finalen Part "Dissectio" übergeht, der mit unverzerrten Gitarren beginnt, und schon fast wieder Vergleiche zu Bands wie PAIN OF SALVATION nahelegt. Dann ist die Achterbahnfahrt zu Ende, und natürlich, klare Songstrukturen findet man bei diesem Song keine - aber das war glaube ich auch nicht die Intention hinter dem Titeltrack dieses Albums!

Das abschließende "Once Upon A Time" lässt den Hörer dann als relativ geradliniger Powermetal-Kracher nocheinmal nach dem Kraftakt des vorangehenden Songs die Gehörgänge entspannen, ehe auch das neue Album von KAMELOT sein Ende findet.

Was kann also abschließend gesagt werden? Nun, das Schlimme ist ja, dass man selbst bei einem so starken Album wie "Poetry For The Poisoned" trotz aller Größe fast ein bisschen enttäuscht ist, dass es nicht NOCH besser geworden ist - alleine aus dem Grund, dass KAMELOT für den Output verantwortlich zeichnen. Aber bei allen unfassbar hochgeschraubten Erwartungen - objektiv betrachtet ist "Poetry For The Poisoned" einfach ein traumhaftes, beeindruckendes Album geworden, das sich wunderbar in den ohnehin schon sensationellen Backkatalog der Amerikaner einreiht, und mit Sicherheit eines der zwingendsten und besten Melodic Metal-Releases des Jahres darstellt! Sperriger, progressiver und düsterer als früher, können KAMELOT aber sämtliche ihrer Qualitäten immer wieder ausspielen und steigern, und lassen so ziemlich alle anderen Genrereleases dieses Jahres daneben ziemlich alt aussehen; und auch wenn das neue Album sicher etwas länger braucht, um sich im Ohr festzukrallen - wer auf gute Musik steht, und sich "Poetry For The Poisoned" nicht besorgt, ist selber Schuld. Und mehr kann dazu auch schon nicht mehr gesagt werden.



Bewertung: 5.0 / 5.0
Autor: Dragonslayer (06.09.2010)

WERBUNG: Hard
ANZEIGE
WERBUNG: LAMB OF GOD - Lamb Of God
ANZEIGE