Therion - Sitra Ahra

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VÖ: 17.09.2010
Bandinfo: THERION
Genre: Symphonic Metal
Label: Nuclear Blast Records
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Lineup  |  Trackliste

THERION sind für mich schon irgendwie ein höchst seltsames Phänomen im Metal-Zirkus dieser Welt: So hat man ursprünglich noch als reinrassige, sehr doomig angehauchte Death-Metal-Partie begonnen, sich dann aber spätestens mit dem Hammerwerk "Theli" dem avantgardistischen symphonischen Metal mit Opern-Gesang und allerlei spirituellen Inhalten verschrieben, und es in sämtlichen Schaffensphasen immer geschafft, seine Fanschar stetig zu vergrößern.

Dies ist für mich insofern ein wenig verwunderlich, als nicht immer alle THERION-Releases wirklich zwingende Meisterwerke waren. Wo etwa das bereits erwähnte "Theli" oder auch "Vovin" durchaus als Klassiker bezeichnet werden können, die von vorne bis hinten überzeugen, da hat man genauso gut auf etlichen anderen Alben durchaus einige Ausfälle zu verzeichnen. Aber irgendwie schafft es dann der gute Herr Christoffer Johnsson dann immer wieder, doch die eine oder andere beeindruckene kompositorische Glanztat rauszuhauen, die zum genaueren Hinhören einlädt. Und so verhält es sich auch mit dem neuesten Ouput "Sitra Ahra", dem Nachfolger des 2007 erschienenen "Gothic Kabbala".

Ich persönlich fand ja "Gothic Kabbala" nun gar nicht so schlecht; in der internationalen Presse stieß man aber insegsamt doch auf weniger Gegenliebe als etwa noch mit dem "Sirius B / Lemuria"-Doppelschlag aus 2004. Zugegebenermaßen, diese beiden Scheiben zählen auch sicherlich zu den besten im THERION-Backkatalog; ich fand aber "Gothic Kabbala" auf Grund der etwas rockigeren Herangehensweise doch weitaus zugänglicher und kurzweiliger als das doch recht anspruchsvolle Doppelpack. "Sitra Ahra" nun geht wieder deutlich mehr in Richtung "Sirius B", wobei die Parts der Solo-Sänger, die auf dem Vorgänger noch sehr präsent waren (kein Wunder, hatte man doch Vokalgott Mats Levén mit an Bord), insgesamt deutlich zu Gunsten der Gesamtchöre zurückgeschraubt wurden. Das klingt nun wieder mehr nach den THERION der Jahrtausendwende, und weiß streckenweise durchaus zu gefallen.

Doch kränkelten THERION für mich immer schon etwas an dem Problem, dass bei aller Klassik-Inspiration die Kompositionen oftmals doch verhältnismäßig simpel ausgefallen sind (insbesondere hinsichtlich der Gitarrenarbeit und auch der Orchestration!), sich realtiv unbeeindruckende Parts ständig und zu oft wiederholen, und generell einfach Highlights wie etwa ein "To Mega Therion" oder "The Wild Hunt" fehlen. Und mit diesen Problemen hat Christoffer Johnsson auch 2010 noch zu kämpfen: Wieder einmal kann das Songmaterial nicht über die ganze Albumlänge auf hohem Niveau gehalten werden. Bereits der Opener und Titeltrack "Sitra Ahra" fällt eher in die Kategorie "guter Durchschnitt"; umgekehrt liefert man dann aber mit "Land Of Canaan" ein besonderes Schmankerl zum Hinhören ab; dies nicht zuletzt bedingt durch den ungewöhnlichen Einsatz von Akkordeon, Flöten und sogar Mundharmonika(!) - sowas gibt's nun im Metal wirklich nicht oft zu hören, und erstaunlicherweise passen diese Instrumente ganz gut ins Gesamtbild des Songs. Respekt!

Auch die überraschende Verwendung der klassischen Hammond-Orgel bei "Kali Yuga III" lässt den Hörer die Augenbrauen hochziehen, und "Hellquin" hätte stilistisch auch gut auf das interessante "Secret Of The Runes"-Album gepasst; unterm Strich bleiben aber die wirklichen Aufhorch-Momente in der Minderzahl, und kaum einer der Songs auf "Sitra Ahra" bleibt gleich im Gehörgang hängen; das ging beim angesprochenen "Gothic Kabbala" definitiv deutlich schneller. Auch stellt sich beim neuesten THERION-Release eine gewisse Abnützung ein: Die meisten Parts und Songs meint man in doch recht ähnlicher Form bereits bei den Schweden gehört zu haben, es fehlt ein bisschen die nötige Spritzigkeit, um "Sitra Ahra" wirklich zu einem absoluten Meisterwerk zu machen. Fans von THERION und von düsteren, symphonischen Metal-Klängen werden aber auch beim neuesten Output keinesfalls enttäuscht; zu entdecken gibt's auch hier wieder mehr als genug!



Bewertung: 4.0 / 5.0
Autor: Dragonslayer (09.09.2010)

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