Virgin Steele - The Black Light Bacchanalia

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VÖ: 22.10.2010
Bandinfo: VIRGIN STEELE
Genre: Progressive Power Metal
Label: SPV / Steamhammer
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Lineup  |  Trackliste

Sehr erfreut war ich natürlich, als ich hörte, dass eine meiner persönlichen Lieblingsbands, VIRGIN STEELE, heuer wieder ein neues Album veröffentlichen würden; und noch erfreuter freilich, als mir mitgeteilt wurde, ich dürfte besagtes Scheibchen auch gleich für Stormbringer rezensieren!

Da wird natürlich keine Sekunde gezögert, und des Einstiegsalbum der US-Epic-Metaller beim neuen Label SPV genauestens unter die Lupe genommen! Nun, die aufmerksamen Stormbringer-Leser werden sich vielleicht nur erinnern, dass ich bereits das Vorgänger-Album "Visions Of Eden" im Jahre 2006 rezensiert habe, und dabei vor allem Kritik am schwachbrüstigen Sound äußern musste. Das lag damals daran, dass Bandleader und Mastermind David DeFeis erstmals im eigenen Studio aufnahm, und wohl noch nicht so vertraut mit dem technischen Equipment war. Nun, mittlerweile sind ja doch ein paar Jährchen ins Land gezogen, und damit einhergehend konnte wohl auch etwas an Erfahrung gewonnen werden, denn bereits bei den ersten Tönen des Openers "By The Hammer Of Zeus (And The Wrecking Ball Of Thor)" - großartiger Songtitel, übrigens! - ist klar, dass zumindest in Punkto Sound das neue Scheibchen ein deutlicher Schritt vorwärts ist!

Gitarren klingen wieder wie Gitarren, und auch das Schlagzeug ist eine Spur weniger künstlich ausgefallen als noch auf dem Vorgänger (auch wenn hier weiterhin großer Aufholbedarf besteht - dieser E-Drum/Drumcomputer-Sound kann einfach nichts); ein Kritikpunkt ist aber leider noch vorhanden, und das ist die Vocal-Produktion. Denn gerade ein David DeFeis, der eine der markantestens und kräftigsten Stimmen im Business hat, sollte diese auch mal "rauslassen" - so, wie die Vocals allerdings aufgenommen sind, beschleicht mich das Gefühl, dass er oftmals einfach extrem leise eingesungen hat, und so die Vocals zu weit in den Vordergrund gemischt werden mussten, um hörbar zu sein. Wenn man das mit den druckvollen Gesangsleistungen etwa auf "Invictus" oder "The House Of Atreus I & II" vergleicht, lassen sich da dann (leider) doch Unterschiede ausmachen.

Soweit also mal zum Sound, und dankenswerterweise "rocken" VIRGIN STEELE im Jahre 2010 auch endlich wieder! Nun bleibt aber freilich noch das Songmaterial zu besprechen - und auch hier lassen sich deutliche Parallelen zu "Visions Of Eden" ausmachen; doch gehen die Herren diesmal noch deutlich progressiver zu Werke, und legen mit "The Black Light Bacchanalia" das wohl vertrackteste und sperrigste Album ihrer Karriere vor - und wer VIRGIN STEELE kennt, der weiß, dass David DeFeis und seine Jungs noch nie für simple Songstrukturen bekannt waren!

Und das ist eigentlich auch der Hauptkritikpunkt, den ich am neuesten VIRGIN STEELE-Output finde - denn für den Gelegenheitshörer ist das Scheibchen einfach nichts geworden. Während man auf früheren Alben wie "The Marriage Of Heaven and Hell" oder auch auf den beiden "House Of Atreus"-Teilen immer wieder genügend Songs fand, die man zwischendurch mal auflegen und aus dem Zusammenhang herausgerissen anhören konnte, so lässt sich "The Black Light Bacchanalia" eigentlich nur als Gesamtwerk wirklich konsumieren, und verlangt dafür vom Hörer auch noch ordentlich Zeit. Denn wo der knackige Opener und das folgende "Pagan Heart" noch relativ unproblematisch zugänglich sind (auch wenn bei letzterem der "ewige" VIRGIN STEELE-Riff, der in leicht abgewandelter Form auch schon bei "Dust From The Burning" und "The Ineffable Name" zum Einsatz kam, erneut einen Auftritt hat), und "The Bread Of Wickedness" mit herrlich epischem Refrain aufwarten kann, so wird's spätestens bei "The Orpheus Taboo" und dann natürlich beim folgenden "To Crown Them With Halos", dem bis dato längsten(!) VIRGIN STEELE Song, richtig anspruchsvoll und teilweise auch einfach zu langatmig. Hier braucht's dann doch eindeutig mehrere Durchläufe, damit man durch die vertrackten Songstrukturen blicken und die dichte Atmospähre vor allem des letztgenannten Songs wirklich genießen kann.

Klar ist das ein durchaus lohenswertes Unterfangen, wenn man gewillt ist, die Zeit & Mühe zu investieren - für viele Hörer wird aber der Anspruch, den "The Black Light Bacchanalia" stellt, wohl etwas zu viel des Guten sein; und das ist es letztlich auch, was mich dem neuesten VIRGIN STEELE-Output eine absolute Höchstnote versagen lässt. Phasenweise einfach zu verschachtelt, über weite Strecken kommt es leider insbesondere bei den (zahlreichen!) überlangen Stücken dennoch zu gewissen Längen, in denen einfach zu wenig passiert, und letztlich gibt es auch ein paar gar zu belanglose Stücke (wie die bei VIRGIN STEELE schon vermeintlich oft gehörte Ballade "Nepthente (I Live Tomorrow)", den eindeutig zu lang ausgefallenen Titeltack, und die Handvoll durchwegs gelungener Stücke wie der Opener, das klassische VIRGIN STEELE Kurzinterludium "The Tortures Of The Damned" oder "Necropolis (He Answers Them With Death)" können die schwächeren Momente leider nicht ausreichend ausgleichen - und das immer noch verbesserungswürdige Soundgewand tut sein Übriges, um VIRGIN STEELE von ihren zweifelsfrei immer noch möglichen Top-Leistungen abzuhalten; und auch ich schließe mich der Meinung an, dass hier ein Band-externer Produzent, der sich um Arrangement und Gesamtsound kümmert, wohl Gold wert sein könnte. Es bleibt zu hoffen, dass mit der Unterstützung durch das neue Label (das immerhin das aktuelle Album sowohl als Limited Edition Digipack, als auch als Vinyl-LP-Version(!) mit Begleitbuch veröffentlicht), sowas in Zukunft im Hause VIRGIN STEELE wieder finanzierbar sein wird. Denn immerhin hat uns David DeFeis im Interview ja verraten, dass bereits nächstes Jahr der Nachfolger zu "The Black Light Bacchanalia" das Licht der Welt erblicken soll! Ich jedenfalls bin gespannt, und die Wartezeit kann man mit dem aktuellen Scheibchen allemal gütlich überbrücken.

Aber insgeheim würde ich ja dann doch auf ein "Marriage Of Heaven And Hell, Part III" hoffen...



Bewertung: 3.5 / 5.0
Autor: Dragonslayer (19.10.2010)

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