NECRONAUT - Necronaut

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VÖ: 22.10.2010
Bandinfo: NECRONAUT
Genre: Metal
Label: Regain Records
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Lineup  |  Trackliste

„Netzwerken ist alles“ heißt es in der Berufswelt. Diesen Grundsatz hat sich vor allem Schwedens Schlagzeuglegende Fred Estby zu Herzen genommen, der dieser Tage das erste Kapitel seines All-Star Projekts NECRONAUT aus dem Boden stampfte. Bereits vor zwei Jahren begann der Ex-DISMEMBER Drummer und Mitbegründer des unsterblichen Stockholm Death Metal seine Visionen auf Papier umzusetzen – bereits damals mit dem Ziel, jeden Song von einem eigens dafür vorgesehenen Vokalisten interpretieren zu lassen. Absagen dürfte es wohl kaum gegeben haben, das Line-Up auf dem selbstbetitelten Debütalbum liest sich wie das Who Is Who der (schwedischen) Metalszene.

Klanglich deckt der bärtige Hüne bekannte Ufer ab. Das stressfreie Rhythmusdrumming und der tief wummernde Bass bezeugen eindeutig seine immer noch vorhandene Nähe zu DISMEMBER. „Old School“ prangert in fetten Lettern vom Firmament, das dazugehörige „Death Metal“ ist auch hör- und fühlbar, wird aber nicht ständig eingesetzt, womit Mr. Estby keinen Plagiatsvorwurf seiner ehemaligen Kumpanen fürchten muss. Viel mehr setzt der gute Mann auch auf staubtrockenen 80er Jahre NWoBHM, deutlich hervorstechende 70ies Hard Rock Referenzen und einen kleinen Schuss rotzigen Punk. Nachdem die ersten Tracks aber eher mäßig aus den Boxen wabern, fahren die ersten Sorgenfalten ins Gesicht. Erst mit dem melodiösen und von GRAND MAGUS Shouter JB veredelten Heavy Metal Kracher „Soulside Serpents“ erreicht Estbys Projekt einen höheren Level. Danach geht’s aber Schlag auf Schlag: „Infecting Madness“ ist rumpeligster Ami-Death der Uralt-Schule, „After The Void“ eine zähflüssige Doom-Walze und „Returning To Kill The Light“ erweist sich – dank der stimmlichen Topleistung von WATAIN-Fronter Erik Danielsson – als schwarzgetränktes Riffmonster. Absolutes Highlight und Überraschung zugleich ist der epische Abschlusstrack „Rise Of The Sentinel“, der sich musikalisch locker über drei Jahrzehnte erstreckt, von unheimlich prägnanter Instrumentalbegleitung getragen und Tomppa Lindbergs kratzigen Keifvocals geführt wird. Primitiv aber eindringlich – warum nicht öfters?

NECRONAUT kann als bunt gemischtes Old School-Potpourri betrachtet werden, das aber glücklicherweise nicht in die Monotonie abrutscht, sondern durch die auf die jeweiligen Sänger zugeschnittenen Songs Variabilität erzeugt. Obwohl die Scheibe gegen Ende hin ordentlich an Fahrt aufnimmt, bleibt der schale Beigeschmack des Lauen und Gewohnten. Etwas mehr Kontinuität hätte dem guten Stück wohl doch gut getan, viele Köche verderben nun einmal den Brei. Dauerbangende Todesmörtel-Afficionados werden mit NECRONAUT gewiss im siebenten Katakomben-Himmel schweben, differenzierteren Gemütern könnte Estbys Branchencomeback etwas zu lähmend ausgefallen sein. Jeweilige Punkteanzahl nach mehrmaligem Durchlauf bitte selbst eintragen.



Bewertung: 3.5 / 5.0
Autor: Robert Fröwein (30.10.2010)

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