TRANS SIBERIAN ORCHESTRA - Beethoven's Last Night (2010 Re-Release)

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VÖ: 15.10.2010
Bandinfo: TRANS SIBERIAN ORCHESTRA
Genre: Rock
Label: BMG
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Lineup  |  Trackliste

Nachdem im Frühjahr 2011 die erste TSO-Europatour ansteht, kommen pünktlich dazu (und rechtzeitig vor Weihnachten ...*hust*) einige Tonträger des SAVATAGE-Ablegers in neuer Auflage in den Handel. Den Anfang macht das geniale, wegweisende Opus Magnum „Beethoven’s Last Night“. Das vielleicht ambitionierteste Werk, was sein Konzept betrifft, ist auch zehn Jahre nach seinem Erscheinen spannend und zeitlos. Das bis dahin relativ verstaubte Metier der Rockoper wurde mit dieser Platte neu entdeckt, neu definiert, und nimmt den Hörer mit auf eine einzigartige Reise quer durch verschiedenste Genres: hier werden Klassik, Musical, AOR, Hardrock und Pop verbraten, und am Ende passt doch eins zum anderen.

Jon Oliva hatte ja schon zu SAVATAGE-Zeiten ein Faible für aufgeblasene, schwülstige Rockproduktionen. Das Referenzwerk „Streets“ nimmt sich aber gegenüber dem Bombast, den das TSO hier auffährt, wie ein Pop-Album aus. In dem Producer Paul O’Neill hat Jon bereits zu Sava-Zeiten einen kongenialen Partner in crime gefunden, der mindestens genauso verrückt ist wie er selber, und gemeinsam räumt man seit der Gründung des Orchesters vor allem in Nordamerika gewaltig ab. Was 1996 mit einem Weihnachtsalbum begann, nimmt mittlerweile vor allem on the road solch gigantische Ausmasse an, dass das TSO zeitweilens in zwei Formationen mit insgesamt an die 40 Künstler live unterwegs sein muss.

Vorliegendes Album erscheint nun mit neuem Cover und 40-seitigem Booklet. Auch an die Vinyl-Freunde hat man gedacht, ob das neue Motiv am Gatefold genauso gut ankommt wie das ursprüngliche, weitaus weniger kitschige, bleibt dahingestellt: der Teufel Mephistopheles stellt Beethoven ein Ultimatum - Verrat an seinem Lebenswerk oder Seelenfrieden. Und da Mister Oliva den Teufels-Part persönlich übernimmt, verwundert auch die Ähnlichkeit auf dem neuen Cover nicht weiter. „Beethoven’s Last Night“ – in allen Aspekten eine klassische Rockoper wie aus dem Lehrbuch, mag einigen schon zu kitschig sein. Die Art und Weise jedoch, wie das kongeniale Quartett die Referenzen klassischer Komponisten (Beethoven,Mozart, Rimsky-Korsakoff und Chopin) in ein modernes Musikgewand steckt, mit Elementen aus der jüngeren Rock-und Musical-Vergangenheit mischt, ist bislang einzigartig und wird es wahrscheinlich auch bleiben: nicht einmal QUEEN, EMERSON LAKE & PALMER oder MEAT LOAF haben Bombast in diesem Ausmass zuwege gebracht.

Europa ist wie gesagt quasi Neuland für das Orchester, und was den kitschvernarrten Amis gefällt muss zwangsläufig nicht unbedingt in der Alten Welt funktionieren. Wenn ich mir jedoch den Zulauf anderer SAVATAGE-Sideshows wie CIRCLE II CIRCLE oder JON OLIVA’S PAIN ansehe, dann kann die Tour im Frühjahr eigentlich nur ein Erfolg werden. Und bevor sich TSO-Neulinge versehentlich in den zugegebenermassen wirklich grosspurig schnulzigen Weihnachts-CDs der Herrschaften verzetteln, sollten sie sich zur Einstimmung lieber diese Neuauflage besorgen. Denn mit "Beethoven's Last Night" ist erstens alles gesagt, was wichtig wäre - und zweitens gedenkt man, das gesamte Werk auch live darzubringen.

Vielleicht entdeckt der eine oder andere ja sein Faible für diese Art von Musik, für ein Gesamtkunstwerk in Überlänge, das Musical-Muffel genauso hinzureissen vermag wie Rockfans. Ich hab auf jeden Fall schon meine Karte für den 18. März ...



Ohne Bewertung
Autor: Mike Seidinger (02.11.2010)

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