Dornenreich - Flammentriebe

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VÖ: 11.02.2011
Bandinfo: Dornenreich
Genre: Avantgarde Metal
Label: Prophecy Productions
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Lineup  |  Trackliste

2008 veröffentlichten DORNENREICH mit "In Luft Geritzt" ein poetisches, nachdenkliches und insgesamt sehr weiches Album. Ich würde behaupten, dass dieses Album der Kunst DORNENREICHs gut getan hat, aber den einen oder anderen Metalhead vor den Kopf stieß. Dies mag DORNENREICH ganz und gar nicht kümmern. Auch mich als Rezensenten kümmert dies nur bedingt, da die Qualität des Werkes zu beurteilen ist. Andererseits schreibt man für eine mehr oder minder definierte Zielgruppe, die sich eventuell schwer tut mit einer abgespeckten Instrumentierung und zumeist gehauchten Vocals.

Nun schreiben wir 2011 und DORNENREICH veröffentlichen "Flammentriebe". Der Titel impliziert eine Rückkehr zu den metallischen Wurzeln. Wähnt man sich beim sanften Akustikintro vom Opener "Flammenmensch" doch noch eher in den vor sich hin schwelgenden Sphären des Vorgängerwerkes, so wird die härtere Ausrichtung nach diesem Intro deutlich: Düstere Riffs setzen ein und beginnen über einen hinweg zu fegen. Ja, hier lodern die Flammen und die Aura des Black Metal nähert sich DORNENREICH wieder an. Natürlich hat "Flammenmensch" mit Mayhem und Konsorten rein gar nichts zu tun. Nein, der Song bleibt typisch DORNENREICH: Mit einem geschickten Einsatz der Geige, songdienlichen Drums und einem fragilen, akustischen Zwischenteil, der wieder der Härte weichen muss. So gut können DORNENREICH klingen: Emotional, episch, erhaben!

Ähnlich geht es auch weiter: "Der wunde Trieb" wird von einem fragil klingenden Geigenpart eröffnet. Die Geige bleibt dezent im Hintergrund, versteht es aber trotzdem Akzente zu setzen, während sich eine breite Gitarren- und Drumwand erhebt. Die Vocals klingen im positiven Sinne dramatisch und verleihen dem erneut starken Song etwas schwarzes, düsteres, ohne aber in gotischen Gefilden zu hausieren.

Auch bei den weiteren Tracks des Albums schaffen es DORNENREICH spielerisch, unterschiedliche Emotionen in einem musikalischen Kapitel zu subsumieren. "Tief im Land" ist so ein Stück, bei dem sich Atmosphäre und Aggression vermischen. Harter Metal und sanfte Momente schließen sich nun mal keineswegs aus. Der Einsatz von einerseits harten Gitarren und partiell schwarzmetallischen Vocals, andererseits aber auch von der lieblich-melancholischen Geige sorgt für eine einzigartige Atmosphäre, die höchstens - wenngleich aufgrund der musikalischen Fakten nur sehr schwer vergleichbar - bei MY DYING BRIDE zu finden ist. Wie variabel DORNENREICH sein können, wissen wir alle. Wie variabel sie hier zum Teil innerhalb eines Songs vorgehen, ist bis vor dieser Veröffentlichung nicht ganz so klar geworden.

"Wolfspuls" glänzt mit wunderschönen Melodien, aber eben auch mit Elementen, die man in dieser Kombination nicht unbedingt als gewöhnlich bezeichnen kann. Wenngleich "Wandel geschehe" zwar gelungen, aber um eine Spur unauffälliger klingt, so kann auch dieser Song nicht als "normal" bezeichnet werden. "Fährte der Nacht" ist doch eine kleine Überraschung, da man den Hörer immer wieder in unterschiedliche Stimmungen zu versetzen versucht. Am Ende dieses Songs sorgen die sanften Passagen für eine Erinnerung an das Vorgängerwerk. Wirklich überraschend ist für mich allerdings der Rausschmeisser "Erst Deine Träne Löscht Den Brand". Und zwar verdient der Song die Bezeichnung "Rausschmeisser" eigentlich nicht. DORNENREICH geleiten den Hörer auf galantem Wege zur Ende dieser Reise. Die liebliche Geige und die zarte Akustikgitarre schmiegen sich an einander, werden von elektrischen Gitarren in ihrer Zuneigung unterbrochen, nur um sich dann wieder ihrer intimen Atmosphäre hinzugeben. Dieses Instrumental ist unglaublich vielschichtig, atmosphärisch, emotional, aber eben auch extrem kurzweilig! Man fühlt sich unterhalten und intellektuell stimuliert gleichermaßen - genau dies dürfte wohl auch die Intention DORNENREICHs gewesen sein.

Das Fazit? DORNENREICH umgehen die große Problematik, nur noch weichen, kopflastigen Avantgarde zu veröffentlichen, der von fünf Leuten verstanden und von drei Leuten gemocht wird. "In Luft geritzt" blieb mit genügend Sicherheitsabstand vor diesem Status stehen. "Flammentriebe" geht einen Schritt zurück und führt DORNENREICH in die Vergangenheit, ohne auf alles gelernte zu vergessen. DORNENREICH sind nach wie vor Avantgarde, sie sind nach wie vor Künstler, nach wie vor Musiker, die vielschichtige, komplexe und sehr emotionale Musik kreieren. Wer damit nicht klar kommt, wird auch "Flammentriebe" nicht ausstehen können. Denn eines ist klar: Dies ist typisch DORNENREICH! Was sich verändert hat, ist die gesteigerte Qualität. Auf "Flammentriebe" lodert DORNENREICHs kreative Flamme wilder als jemals zuvor! Wer die bisherigen DORNENREICH Veröffentlichungen bereits mochte, kommt an "Flammentriebe" nicht vorbei! Große Kunst!



Bewertung: 4.5 / 5.0
Autor: El Greco (07.02.2011)

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