Cradle Of Filth - Darkly, Darkly, Venus Aversa

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VÖ: 01.11.2010
Bandinfo: CRADLE OF FILTH
Genre: Gothic Metal
Label: Peaceville Records
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Lineup  |  Trackliste  |  Credits

Na geht doch. Kurz vor dem 20-jährigen Bandjubiläum legt der bekannteste und gleichzeitig umstrittenste Keif-Troll der Metal-Galaxie mit „Darkly, Darkly, Venus Aversa” sein zehntes Studioalbum in die Läden unseres Vertrauens. Wie gewohnt, hat sich auch diesmal bereits im Vorfeld viel getan. Der Wechsel von Roadrunner zum wesentlich familiäreren Peaceville-Label, die lang spekulierte und nun wahr gewordene Verabschiedung von Trällerelse SARAH JEZEBEL DEVA, ein neuerlicher Umbau an Gitarre und Keyboard und Dani’s vollmundige Ankündigungen, das „schnellste, härteste“ und gleichzeitig „weiblichste Album der Bandgeschichte“ vorzulegen. Wie jetzt? Sind dem Gnom nun endgültig die Sicherungen durchgebrannt? Versuchen wir die Fragen aufzulösen.

Grundsätzlich kann der CRADLE OF FILTH-Jünger des älteren Schlags beruhigt durchatmen – von Gothic-Homoerotik der „Thornography“-Phase ist auf dem neuen Werk des Sextetts nichts mehr zu bemerken. Danis Instrumentalfraktion geht auf dem neuesten Streich bewusst in die Vollen und lässt mit den ersten vier Tracks ein nicht erwartetes Highspeed-Gewitter auf den überraschten Hörer hereinbrechen. Schwarzmalerische Gitarrenrasereien vermischen sich mit Martin Škaroupkas prägnanten Stockeruptionen und den hastig orchestrierten Keyboardeinlagen. Teilweise klingt das ganze richtig wild, unverbraucht und eindringend. Was allein „The Nun With The Astral Habit“ an Tempo- und Stilwechsel in seine knapp fünf Minuten zwängt, verdient schon ein respektvolles Augenbrauenhochziehen. Zeit zum Durchatmen lassen uns die Briten erst beim grandiosen „Persecution Song“, bei dem man hochmelodischen Todmetall mit der bandtypischen Gothic-Attitüde vermischt, ohne sich schmierig anzubiedern.

Ich mag meinen Ohren ja selbst kaum trauen, aber COF haben den Härtegrad von „Godspeed On The Devil’s Thunder“ hier noch einmal überboten. Wer sich an Orchestration, Female Vocals und Backing-Chören aufreibt, wird auch mit „Darkly, Darkly, Venus Aversa“ nicht warm werden, aber das – für dieses Album wirklich furchtbar hässlich – geschminkte Briten-Package schüttelt tatsächlich massig starke Songs aus dem Ärmel. Nach dem austauschbaren „Decieving Eyes“ wechselt Dani auf „Lilith Immaculate“ doch auf die zuletzt oft hervorgekehrte Kitsch-Seite und öffnet dem epischen Grufti-Sound Tür und Tor. An die hohe Qualität der Anfangsphase kommen das flotte „The Spawn Of Love And War“ oder die soloveredelte Melodic Black Blaupause „Harlot On A Pedestal“ nicht mehr heran. Obschon die Songs ganz kräftig aus den Boxen dröhnen, schleicht sich mit Fortdauer der Schlendrian und eine kleine Portion Innovationsmangel ein. Der einzig wirklich deutliche Griff ins Klo ist die Erstauskoppelung „Forgive Me Father (I Have Sinned)“, das eine Ohrenkrebs fördernde Kernmelodie aufweist und nebenbei noch nach den DEATHSTARS im Kajalrausch klingt. Mit dem Closer „Beyond Eleventh Hour“ werden noch ein letztes Mal sämtliche Vorzüge der Truppe hervorgekehrt und bevorzugt im High-Tempo durchs Holz gesägt.

Es ist nicht alles Gold was glänzt, aber speziell das erste Albumdrittel ist wirklich allererste Kajüte. Auch wenn sich viele Filler auf dem einstündigen Werk tummeln, kann das gute Teil vorbehaltlos weiterempfohlen werden. Bei der Bewertung kann der Die-Hard-Fan noch einen halben Punkt dazurechnen. Wer sich schon zum Frühstück an der „Midian“-Scheibe ergötzt, oder den Vorgänger „Godspeed…“ zur Headbang-Unterstützung in den Auto-Player schiebt, wird mit „Darkly, Darkly, Venus Aversa“ seine helle Freude haben. Überzeugte Lackschuhträger sollten ihr sauer Verdientes indes lieber für eine Monatsration Make-Up an den hiesigen Drogeriemarkt abliefern. Und liebe Unwissende oder Möchtegern-Insider – bitte KEINE Vergleiche mehr mit den norwegischen Breitwand-Symphonikern DIMMU BORGIR. Das ist nämlich so, als ob man „Ace Of Spades“ mit „Pokerface“ gleichsetzen würde…



Bewertung: 3.5 / 5.0
Autor: Robert Fröwein (10.11.2010)

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