The Ocean - Anthropocentric

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VÖ: 19.10.2010
Bandinfo: The Ocean
Genre: Dark Metal
Label: Metal Blade Records
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Lineup  |  Trackliste  |  Credits

Basischer klingt sie die neue THE OCEAN, reduziert auf das Nötigste, die Band soll im Mittelpunkt stehen, auch das Kollektiv soll und muss betont werden, es nicht mehr ein Robin Staps, der den Alleinunterhalter mimen muss. Dazu gehört auch der bewusste, fast gänzliche Verzicht auf Außenstehende Instrumentalisten. Auch ist das Schwesternalbum des vor einem knappen halben Jahr erschienenen „Heliocentric“ kein müder Abklatsch desselben, sondern vielmehr eine – sagen wir – Gruppenarbeit geworden. Immer noch extrem, immer noch episch, aber nie die Grenzen auslotend. Sicher, in beide Richtungen waren THE OCEAN mit ihren vergangenen Werken Meilenstein setzend unterwegs, „Anthropocentric“ kanalisiert Vergangenes, öffnet sich aber gleichzeitig für Neues.

Neu ist auf jeden Fall, dass gerade Gitarrist Jonathan Nido markant am Songwriting beteiligt gewesen ist, was wiederum der Band auch für die Zukunft nahezu ungeahnte Möglichkeiten eröffnet. Leider verpatzen die vier Schweizer samt dem Berliner Mastermind Robin Staps den Einstieg einigermaßen. Der Titeltrack, ein neun Minuten dauerndes Monster, hat doch mit erheblichen Startschwierigkeiten zu kämpfen und entfaltet sich erst nach und nach, endet zwar ziemlich geil, aber doch ist der Track ein mutiger und im Albumkonnex gesehen ein doch eher nicht ganz passender Einstieg geworden.

Dass es THE OCEAN aber nach wie vor können, ja noch immer irgendwie unvergleichlich agieren, beweisen Großtaten wie der majestätische Fünf Minüter „The Grand Inquisitor I: Kazamarov Baseness”, oder die Eingängigkeitsstudien der Sorte „She Was The Universe” bzw. „The Grand Inquisitor II: Roots And Locusts”. Selbst die wohl als Zwischenstücke gedachten “For That He Wavereth” (betörendes Instrumentalstück) oder „The Grand Inquisitor III: A Tiny Grain Of Faith” (komplett verworren mit herausragendem weiblichen Gesang!) passen hier ins Gesamtbild. Leichte Abzüge muss sich Robin Staps für das viel zu lange Instrumental „Wille zum Untergang“ bzw. das danach raus gehauene „Heaven TV“ Gefallen lassen. Dafür entschädigt dann als Abschluss doch die Hinzunahme von klassischen Instrumenten, welche aus „The Almightyness Contradiction“ einfach nur großartiges herauszuholen in der Lage sind.

Auch wenn „Anthropocentric” anders klingt als die Vorgängerwerke, müssen Freunde, Kenner und Schätzer von THE OCEAN natürlich blindlings zuschlagen. Gerade weil dieses Album einen spürbar gereiften, aussagekräftigeren und abwechslungsreicheren Loïc Rossetti präsentiert. Ob die doch zuhauf aufgefahrenen nicht ganz von der Band gewohnten Sounds die Die-Hard Klientel restlos zufrieden stellen wird, ist eine andere Geschichte. Nicht ganz so überzeugend wie das Ausnahmewerk „Precambrian“, oder die (jetzt darf man es ja sagen) große Schwester „Heliocentric“, aber dennoch kann und sollte man THE OCEAN auf diesen Seiten nicht unter four Points abspeisen.



Bewertung: 4.0 / 5.0
Autor: Reini (16.11.2010)

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