Darkthrone - Panzerfaust (Re-Release)

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VÖ: 25.10.2010
Bandinfo: DARKTHRONE
Genre: Black Metal
Label: Peaceville Records
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Lineup  |  Trackliste  |  Credits  |  Trivia

Nach den ersten vier Alben haben DARKTHRONE ihr Stammlabel Peaceville Records verlassen, um fortan für Sartyr’s Moonfog Productions zu arbeiten. Die sieben dort eingespielten Kultwerke werden von Peaceville nun in unregelmäßigen Abständen neu aufgelegt, wobei neben der Originalscheibe noch eine zweite Langrille dazu gepackt wird, auf der Fenriz sämtliche Tracks aus seiner persönlichen Sicht kommentiert. Dass der Witz dabei nicht zu kurz kommt, ist gemeinhin bekannt. Für DARKTHRONE-Maniacs und noch-nicht-Besitzer dieser essenziellen Black Metal Retrospektive also Grund genug, um wieder einmal in der Geldbörse zu wühlen.

Mit „Panzerfaust“, dem ersten DARKTHRONE Album als Duo, beginnt die Re-Release Reihe und endet DARKTHRONEs Auffassung vom „True Norwegian Black Metal“. Nie mehr wieder werden die Norweger derart kalt, unheimlich und stilprägend klingen, wie auf dem – oftmals unterschätzten – fünften Album. In Fenriz‘ hauseigenen Necrohell Studios eingeklopft, veränderte sich der Sound des Duos vom rasanten Highspeed Black Metal („Transilvanian Hunger“) zur nachdenklicheren, wesentlich verspielteren Seite DARKTHRONEs, bei der Fenriz (der sämtliche Instrumente eingespielt hat) sich in zigfacher Ausführung auf die Helden seiner Jugend beruft. Jeder einzelne der sechs Tracks plus Outro ist eine Klasse für sich. Erst die Nachfolgealben haben gezeigt, dass DARKTHRONE das eigene Korsett zu eng geworden ist. Die kompromisslose Raserei wurde auf zwei Songs beschränkt. Der Opener „En Vind Av Sorg“, eine bis heute unerreichte Verschmelzung aus rohem Nordland Schwarzmetall und mystischer Melodieführung, und das depressive, mit Nocturno Cultos unmenschlichen Vocals versehene „Hans Siste Vinter“ (Zitat Fenriz: „Hier hören wir MAIDEN-Riffs im BATHORY-Tempo“) waren die einzigen Ausflüge in die Vergangenheit.

Obwohl die Songs nahezu gleichzeitig mit dem „Transilvanian Hunger“ Material eingespielt wurden, tauscht Fenriz auf den „Panzerfaust“-Tracks die jugendliche Unbedarftheit mit den Huldigungsarien an seine Götter CELTIC FROST und BATHORY. Das elegische, unheimlich treibende „Triumphant Gleam“ erinnert in jeder Sekunde an Tom G. Warrior, mit dem doomigen Slow-Tempo Referenzwerk „The Hordes Of Nebulah“ (die Lyrics dazu hat Fenriz schon 1991 verfasst!), begab sich das Waldschraten-Tandem auf eine bewusstseinsveränderte Reise in die glorreichen 70er Jahre. Allein schon die markant eingestreuten Riffs und das gemütlich vollzogene Outfading zeugen von Fenriz‘ völliger Hingabe zur Musik, seiner Hochachtung den Idolen gegenüber. Nicht von dieser Welt ist das barbarische „Beholding The Throne Of Might“, bei dem DARKTHRONE erstmals ihren heute so oft eingesetzten rifflastigen Thrashpunk mit primitivsten Black Metal würzten. Nocturno Cultos unmenschliches Gekeife erreichte auf „Panzerfaust“ seinen absoluten Höhepunkt – bestialischere, morbidere Töne hat es bis zum heutigen Tag nicht mehr gegeben.

Als majestätisches Abschlusswerk wühlt sich das siebeneinhalbminütige, von Varg Vikernes aka BURZUM verfasste Epos „Quintessence“ durch die Gehörgänge. Neben den deutlich durchscheinenden „70s Folk Metal Vibes“ ortet Fenriz hier gar „Anleihen an STEELY DAN“. Die Strukturen des Songwritings vermischten sich hörbar mit Fenriz‘ damaligem Nebenprojekt ISENGARD. Der Gipfel eines an Höhepunkten vollgespickten Jahrhundertwerkes. Abgeschlossen wird „Panzerfaust“ mit „Snø Og Granskog (Utferd)“, bei dem Fenriz ein altes Gedicht des norwegischen Poeten Tarjei Vesaas aus dem Jahre 1946 zitiert.

Die drei Vorgängeralben waren zweifellos wegbereitend für die zweite Welle des Black Metal, aber erst mit „Panzerfaust“ haben DARKTHRONE den Zenit ihres Schaffens erreicht. Von den Vocals über die sägenden Gitarren bis hin zu den stets dezent im Hintergrund gehaltenen Drumspuren passt hier einfach alles. Die eingebauten und hörbaren Fehler machen „Panzerfaust“ gerade in Zeiten der klinischen Akkordproduktionen noch sympathischer. Menschenverachtend, radikal und durch und durch roh – verdientermaßen in jeder vernünftigen Top 10 Liste der All-Time-Black-Metal-Records!



Bewertung: 5.0 / 5.0
Autor: Robert Fröwein (05.12.2010)

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