Stratovarius - Elysium

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VÖ: 14.01.2011
Bandinfo: STRATOVARIUS
Genre: Progressive Power Metal
Label: Edel Records
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Lineup  |  Trackliste

Medial fast ein wenig unter dem Radar, dennoch ungemein relevant präsentiert sich eines der ersten namhaften Melodic-Metal-Releases des noch jungen Jahres 2011 - denn die Finnen von STRATOVARIUS haben still und heimlich ein brandneues Album eingezimmert, welches bereits am 15. Januar dieses Jahres unter dem Titel "Elysium" das Licht der Musikwelt erblicken wird!

Und bei diesem Output handelt es sich bereits um das zweite Album, das ohne das langjährige Band-Mastermind Timo Tolkki an der Gitarre eingespielt wurde, und wie bereits beim direkt Vorgänger "Polaris" merkt man das auch deutlich! Zwar klingen STRATOVARIUS auch im Jahre 2011 noch immer eindeutig nach STRATOVARIUS (was natürlich nicht zuletzt am markanten Stimmchen von Fronter Timo Kotipelto liegt), aber men merkt doch wie schon beim Vorläufer, dass die Songs nunmehr eine andere Handschrift - oder eigentlich vier Handschriften, zumal mittlerweile fast die ganze Band am Songwriting beteiligt ist - tragen.

Und so beginnt auch "Elysium" mit einer typischen STRATO-Nummer, der Single "Darkest Hours", die man schon von der gleichnamigen EP her kennt, und die auch die Live-Feuertaufe bereits (durchaus gut) überstanden hat. Aber bereits beim folgenden "Under Flaming Skies" wird sofort bemerkbar, dass die neue Scheibe der Finnen deutlich progressiver ausgefallen ist, als man das zuletzt von ihnen kannte. Das tut zwar der Gruppe musikalisch gar nicht mal so schlecht, da man auf den jüngeren Releases oftmals zu sehr auf allzu einfaches Material gesetzt hatte, und so ein wenig in die Belanglosigkeit abzudriften drohte; umgekehrt steigt aber durch den musikalischen Anspruch auch das Risiko, dass die neuen Nummern ein bisschen zu sperrig werden. Und wenn auch bei diesem Songs das noch nicht so der Fall ist, und der Track recht flott ins Ohr stampft, und auch mit schönem Orchester-Arrangement beim Solo gefällt, so wird es spätestens beim ruhig beginnenden "Infernal Maze" ungewohnt, wenn der Song dann plötzlich in fast doomige Gefilde abdriftet, um dann aber wieder in (neo-)klassischer STRATOVARIUS-Manier loszurocken. Und ungewohnt bleibt es; denn "Fairness Justified" ist weder Ballade noch reinrassiger Stampfer, sondern ein doch untypischer Hybrid geworden, der sich mir nicht so recht erschließen will.

Dankenswerterweise besinnen sich STRATOVARIUS dann aber mit "The Game Never Ends" auf alte Tugenden, und feuern einen richtig schnellen Rocker mit Fünf-Sterne-Refrain durch die Boxen ab, das live sicherlich für ordentliche Mitgröl-Stimmung sorgen wird!

Etwas behäbig und sperrig is dann aber "Lifetime in a Moment" ausgefallen, der in eine ähnliche Kerbe wie "Fairness Justified" schlägt, und mir ob des etwas repetitiven Refrains nicht wirklich gefallen mag. Mit "Move The Mountain" hat man aber dann dennoch eine waschechte STRATO-Ballade am Start, die doch recht ansehnlich gelungen ist - aber auch nicht an sowas wie "Forever" rankommt. Kurz vor dem "Grande Finale" gibt's dann mit "Event Horizon" nochmal einen Uptempo-Track, der sich in die Tradition von "A Million Lightyears Away" oder "Phoenix" einreiht, und bei STRATO-Fans sicher für Begeisterung sorgen wird; für mich klingt er ein wenig zu sehr nach typischer STRATOVARIUS-Blaupause.

So, nun geht's aber ans Eingemachte: Ganze 18 Minuten ist er lang, der Titeltrack des neuen Outputs, und es ist natürlich immer eine Herausforderung, einen solchen Mammut-Track auch inhaltlich interessant zu gestalten, und Langeweile zu umschiffen. Und das gelingt diesmal - leider - nicht wirklich. Allzu beschaulich hebt er an, dieser Behemoth von einem Song, aber abgesehen von relativ simplen Grundstrukturen passiert in den ersten acht Minuten nicht viel, dann steigt man in einen rhythmisch zwar nicht uninteressanten, aber kaum emotional berührenden Mittelteil um, ehe dann wieder ruhige Töne, ähnlich jenen im Intro zu dem Song, angeschlagen werden, und gegen Ende dann ein bisschen die Epik-Keule geschwungen wird... Aber ingesamt wirkt der Titel doch etwas "zusammengeschustert", nicht wirklich homogen, und ist vor allem eines: lang.

Das alleine reicht aber natürlich auch nicht, um Hörerherzen zu erobern, und so bleibt unterm Strich auch mit "Elysium" zwar kein schlechtes Album, aber erneut nicht der schon seit vielen Jahren erhoffte Rundumschlag, der letztlich auch "Polaris" nicht war. Ein Aufwärtstrend ist seit diesem Album aber sicher zu spüren, doch mit "Elysium" hält man eher mal das damit erreichte Level, und schafft nicht wirklich eine Steigerung. Einerseits fehlt der absolute Über-Kracher im Stile eines "Hunting High And Low" oder "Eagleheart" als einfacher, aber mitreißender Livesong, andererseits ist das restliche Material teils zu progressiv, teils einfach ein wenig uninspiriert ausgefallen. Aber Fans der Band sollten natürlich auch mit "Elysium" wieder ihre Freude haben, und STRATOVARIUS bleiben auch im neuen Jahr eine sichere Bank für hochklassigen und qualitativ (zumindest) guten melodischen Metal, auch wenn der erhoffte Über-Hammer diesmal ausgeblieben ist.



Bewertung: 3.0 / 5.0
Autor: Dragonslayer (12.01.2011)

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